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Prävention und Gesundheitsförderung

, Volume 12, Issue 1, pp 27–40 | Cite as

Burnout-Gefährdung in der Behindertenarbeit

Subjektive Gesundheitseinschätzungen der Beschäftigten geben Hinweise
  • Lotte Habermann-HorstmeierEmail author
  • Kira Limbeck
Originalarbeit

Zusammenfassung

Hintergrund

Verschiedene Studien haben bereits das Thema „Burnout“ in der Behindertenbetreuung aufgegriffen. Anders als sie fragt diese Studie jedoch nach der subjektiven Einschätzung der Probanden im Hinblick auf ihre berufsbedingte Burnout-Gefährdung und verknüpft sie mit möglichen Einflussfaktoren.

Methode

Die untersuchten Daten entstammen der BMBD-Studie, bei der 400 Betreuungskräfte in Wohneinrichtungen für behinderte Menschen befragt wurden. Sie wurden mit Hilfe uni- und bivariater Verfahren, Signifikanztests und Regressionsanalyse ausgewertet.

Ergebnisse und Schlussfolgerung

Die Burnout-Befürchtung der Probanden korrelierte u. a. mit persönlichen Faktoren und institutionellen Rahmenbedingungen, insbesondere aber mit den Arbeits(zeit)bedingungen. Stress und Überforderung spielten dabei eine besondere Rolle. Spezielle Risikogruppen sind 25- bis 34 Jahre alte Betreuungskräfte, männliche Nicht-Leitungskräfte und weibliche Leitungskräfte. Da 83,3% der Betreuer mit Burnout in der Vergangenheit erneut ein Burnout befürchteten, müssen frühzeitig Risikostrukturen am Arbeitsplatz erkannt und v. a. verhältnispräventive Maßnahmen eingeleitet werden.

Schlüsselwörter

Behinderteneinrichtungen Arbeitsbedingungen Behindertenhilfe, stationäre Stress Überforderung 

Burnout risk in disability care

Self-assessed health status as an easily ascertainable indicator

Abstract

Background

In the past, various studies have shown that burnout plays a major role in the care of persons with disability. Unlike most investigations, this study asked participants for their subjective assessment in terms of their burnout risk and correlated them with factors which can play a role in the development of burnout at work.

Methods

The data were from the BMBD study, in which 400 caregivers in residential facilities for people with disabilities in Germany were questioned. They were analyzed using univariate and bivariate methods, tests of significance and regression analysis.

Results and conclusion

The subjective idea of developing burnout in the foreseeable future primarily correlated to the working (time) conditions, but also to personal factors and the institutional framework. Stress and overburdening led to the feeling to develop a burnout. The groups that were especially at risk were 25- to 34-year-old caregivers, male caregivers without management function, and female executives. Because 83.3 % of caregivers who had experienced burnout in the past again feared a repeat burnout, early identification of risk structures in the workplace is of great importance as well as timely initiation of environmental prevention measures.

Keywords

Burnout risk Residential facilities for disabled persons Working conditions Stress, psychological Overburdening 

Notes

Danksagung

Die Autorinnen bedanken sich herzlich bei den Betreuungskräften, die zu einer Teilnahme an der vorliegenden Untersuchung bereit waren und hierfür ihre Zeit zur Verfügung gestellt haben. Viele haben den ausgefüllten Fragebogen sogar per Post auf eigene Kosten zugeschickt hat. Ganz herzlichen Dank dafür!

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

L. Habermann-Horstmeier und K. Limbeck geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Alle beschriebenen Untersuchungen wurden im Einklang mit nationalem Recht sowie gemäß der Deklaration von Helsinki von 1975 (in der aktuellen, überarbeiteten Fassung) durchgeführt. Alle Probanden waren mit der Befragung einverstanden.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Villingen Institute of Public Health (VIPH)der Steinbeis-Hochschule BerlinVillingen-SchwenningenDeutschland
  2. 2.Campus Schwenningen, Fakultät Medical and Life SciencesHochschule Furtwangen (HFU)FurtwangenDeutschland

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