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Der Diabetologe

, Volume 6, Issue 1, pp 8–8 | Cite as

Typ-3-Diabetes – Sekundärer Diabetes

  • M. Roden
Einführung zum Thema

Type 3 diabetes – secondary diabetes

Wenn wir heute von Diabetes mellitus reden, so meinen wir meist die häufigen Formen, den Typ-2- oder den Typ-1-Diabetes. Gemäß den Leitlinien der „American Diabetes Association“ (ADA) wird davon noch der Gestationsdiabetes oder Typ-4-Diabetes abgegrenzt. Alle anderen Formen einer diabetischen Stoffwechselstörung werden nach ADA – unabhängig von ihrer Entstehung und ihrem Verlauf – unter der Bezeichnung Typ-3-Diabetes zusammengefasst. Diese Typisierung hat die gebräuchliche Bezeichnung für einige Formen als sekundärer Diabetes abgelöst.

Unter Typ-3-Diabetes versteht man somit alle anderen spezifische Diabetestypen unterschiedlicher Genese wie Erkrankungen des exokrinen Pankreas (z. B. Pankreatitis, Traumen, Operationen, Tumoren, Hämochromatose, zystische Fibrose), endokriner Organe (z. B. Cushing-Syndrom, Akromegalie), medikamentös-chemische Einflüsse (z. B. Glukokortikoide, α-Interferon-Therapie), genetische Defekte der Insulinsekretion (z. B. Formen des „Maturity Onset Diabetes of the Young“, MODY) und der Insulinwirkung (z. B. lipoatropher Diabetes), andere genetische Syndrome (z. B. Down-, Klinefelter-, Turner-Syndrom), Infektionen (z. B. kongenitale Röteln) und seltene Formen des autoimmun-vermittelten Diabetes. Neben den selteneren genetisch bedingten Formen wie MODY oder den häufigeren pankreopriven Formen mit Zerstörung des Pankreas, sind die meisten Formen des Typ-3-Diabetes bei Behebung der Ursachen, wie z. B. durch Substitution fehlender Hormone oder Absetzen diabetogener Medikamente, reversibel.

Die meisten Formen des Typ-3-Diabetes sind bei Behebung der Ursachen reversibel

Die Bedeutung dieser Diabetesformen liegt zum einen in der notwendigen Abgrenzung bzw. im Ausschluss von spezifischen Ursachen eines neu aufgetretenen Diabetes, zum anderen in der dadurch möglichen kausalen Diabetestherapie. In der vorliegenden Ausgabe finden sie einige dieser Formen zusammengefasst, wobei die Auswahl auf ihrer Häufigkeit, klinisch-praktischen Bedeutung, und/oder der besonderen diagnostischen oder therapeutischen Herausforderungen beruht.

Im ersten Beitrag weisen Ludwig et al. auf die besondere differenzialdiagnostische Bedeutung von Pankreaserkrankungen bei der Abklärung des neu erkannten Diabetes vor allem im Erwachsenenalter hin. Die diabetische Stoffwechsellage weist in diesen Fällen als Leitsymptom den Weg zur richtigen Diagnose, die im Falle von Pankreastumoren von schwerwiegender Relevanz ist. Das Pankreas ist auch bei Mukosviszidose (zystische Fibrose, CF), der wichtigsten letalen autosomalen Erkrankung in Europa, betroffen. Die häufigste assoziierte Erkrankung ist laut Ballmann der „CF-related Diabetes“, der durch die verbesserte Lebensdauer der Patienten in den letzten Jahren klinisch immer bedeutsamer wird.

Weisman und Allolio fassen die komplexen Veränderungen des Glukosestoffwechsels durch Steroide, vor allem, aber nicht nur, von jenen aus der Nebenniere zusammen. Weber und Zimmermann beschreiben die Rolle der Hypophyse und zeigen, dass fast jeder zweite Patient mit Akromegalie zumindest eine gestörte Glukosetoleranz aufweist. Zu erwähnen sei für die klinische Praxis, dass nicht nur die diabetogene Wirkung bestimmter Hormone, sondern auch die Änderung der Glykämie in ihrer Abwesenheit, durch gehäufte Hypoglykämien, das Leitsymptom für endokrine Mangelerkrankungen von Nebenniere und Hypophyse darstellen kann. Schließlich ist nicht nur die Therapie mit Steroiden, sondern auch mit bestimmten Antipsychotika, Antidepressiva und dem Antiepileptikum Valproinsäure eine wichtige Ursachengruppe eines Typ-3-Diabetes, wie Tschoner und Ebenbichler zusammenfassen.

Letztlich ist darauf hinzuweisen, dass nicht nur das Neuauftreten eines Diabetes, sondern nicht selten auch die Verschlechterung einer bereits bestehenden diabetischen Stoffwechsellage, z. B. durch gesteigerten Insulinbedarf, ein Frühzeichen einer zusätzlichen, sekundären Störung sein kann und daher beachtet werden muss.

Michael Roden

Copyright information

© Springer Medizin Verlag 2010

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Klinische DiabetologieDeutsches Diabetes Zentrum, Leibniz Zentrum für Diabetesforschung, Klinik für Stoffwechselkrankheiten, Heinrich-Heine-Universität DüsseldorfDüsseldorfDeutschland

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