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Günstiges Wirkungsprofil

Chronische Schmerzen mit Tilidin gut im Griff

Retardiertes Tilidin/Naloxon hat ein günstiges Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil. Zudem ist das Interaktionspotenzial gering. Gängige Komedikamente machen daher keine Dosisreduktion erforderlich.

Bei chronischen Schmerzen mit moderater bis hoher Intensität ist Tilidin/Naloxon ein gern verordnetes Analgetikum, zumal Retardpräparate nach wie vor auf normalem Kassenrezept verordnet werden können. Vorteile sind der nur gering sedierende Effekt sowie das niedrige delirogene Risiko.

Kaum Studien bei Polymedikation

Allerdings gab es bislang kaum Untersuchungen zu Patienten unter Polymedikation, zum Einfluss auf die Leber- und Nierenfunktion, zum Einfluss der Metabolite des Prodrugs Tilidin auf die Wirksamkeit sowie Untersuchungen zu unerwünschten Wirkungen.

Prof. Gerd Mikus, klinischer Pharmakologe am Universitätsklinikum Heidelberg, und Kollegen haben dies mit einer Beobachtungsstudie nun geändert [1].

In der Studie waren in zwei Schmerzzentren 48 geeignete Patienten mit chronischen Schmerzen und seit mindestens einer Woche konstanter oraler Dosis eines tilidinhaltigen Retardpräparats befragt und untersucht worden. Die Studienautoren erfassten mithilfe standardisierter Fragebögen Allgemein- und Schmerzempfinden, Angst und depressive Stimmung sowie die Darmfunktion und sämtliche Medikamente.

Leber- und Nierenfunktion wurden mit den üblichen Laborparametern erhoben sowie die Plasmakonzentrationen der Metaboliten Nortilidin und Bisnortilidin bestimmt.

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Bei chronischen Schmerzen mit moderater bis hoher Intensität wird häufig Tilidin/Naloxon verordnet.

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Täglich 50 bis 450 mg Tilidin

Die im Mittel knapp 67 Jahre alten Männer und Frauen nahmen täglich 50 bis 450 mg Tilidin ein. Drei von vier Patienten erhielten zusätzlich ein WHO-Stufe-1- oder Stufe-2-Analgetikum. Damit waren bei zwei Drittel der Patienten die Schmerzen gut kontrolliert, bei den anderen erwies sich die analgetische Einstellung als anpassungsbedürftig.

Insgesamt erhielten die Patienten durchschnittlich 6,5 verschreibungspflichtige Medikamente zusätzlich zu Tilidin/Naloxon. Trotz des damit gegebenen Interaktionsrisikos war für die häufigsten Komedikationen kein relevanter Einfluss auf den Tilidinmetabolismus nachweisbar.

Keine unerwünschten Wirkungen

„Trotz gezielter Nachfrage berichteten knapp 40% der untersuchten Patienten von keinerlei unerwünschten Wirkungen seit Beginn der Therapie mit Tilidin“, berichten Mikus und seine Mitarbeiter. Gastrointestinale Symptome ließen bei dauerhafter Einnahme von Tilidin nach, keiner der chronischen Schmerzpatienten klagte über Übelkeit, Erbrechen oder Obstipation.

18 Patienten gaben progrediente Müdigkeit und acht Patienten vermehrten Schwindel an, beides Symptome, die nicht gezielt Tilidin zuzuordnen waren. Nur wenige Patienten wiesen erhöhte Leberwerte oder eine eingeschränkte Nierenfunktion auf.

Beides hatte keinen Einfluss auf die Konzentration des aktiven Nortilidins, wenngleich ein höheres Verhältnis der Tilidin/Nortilidin-Konzentration messbar war.

Letzteres deutet durchaus auf einen eingeschränkten Tilidin-Metabolismus hin. Für eine Dosisanpassung war die Evidenz jedoch nicht ausreichend.

Literatur

  1. 1.

    Schmerz 2017; 31(5):516–523

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Meißner, T. Chronische Schmerzen mit Tilidin gut im Griff. CME 15, 40 (2018). https://doi.org/10.1007/s11298-018-6733-y

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