CME

, Volume 15, Issue 6, pp 40–40 | Cite as

Erstmals Zulassung für ein Medikament bei EoE

Eosinophile Ösophagitis: Konsequent behandeln

  • Lisa Kempe
Gastroforum
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Die eosinophile Ösophagitis (EoE) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung, die unbehandelt zu dauerhaften strukturellen Schäden des Ösophagus führen kann. Sie tritt mit einer Prävalenz von ca. 16 Patienten pro 100.000 Einwohner auf und wird gehäuft bei Männern im Alter von 30–50 Jahren diagnostiziert. Vor dem Hintergrund des Risikos für Langzeitfolgen kommen der frühen Diagnose und der Kontrolle des Therapieverlaufs durch den Gastroenterologen eine wichtige Bedeutung zu. Seit dem 15. Juni 2018 steht nun mit der Budesonid-1-mg-Schmelztablette erstmals ein zugelassenes Medikament für die Therapie der EoE in Deutschland zur Verfügung.

Die EoE ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Speiseröhre. Männer sind rund dreimal häufiger betroffen als Frauen. Leitsymptom der EoE ist bei Erwachsenen die Dysphagie. Etwa die Hälfte der Patienten klagt über retrosternale Schmerzen. „Betroffene Kinder leiden typischerweise nicht an Schluckbeschwerden, sondern an einer variablen Präsentation von Symptomen, zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Brustschmerzen oder Durchfall“, erklärte Prof. Alain Schoepfer, Lausanne.

Notfall Bolusimpaktion

Die Patienten können feste Speisen wie Brot oder Fleisch nur schwer schlucken und es besteht die Gefahr, dass der Bolus in der Speiseröhre stecken bleibt. Solch eine Bolusimpaktion bedeutet einen medizinischen Notfall, denn er kann im ungünstigsten Fall zu einer Verlegung der Luftröhre führen. Histologisch ist die EoE durch eine Infiltration der Ösophagusmukosa mit eosinophilen Granulozyten charakterisiert. Die Diagnose basiert laut Schoepfer auf drei Säulen: den typischen Symptomen, der Histologie und dem Ausschluss anderer Erkrankungen.

Da Diagnose und Therapie der EoE in der Hausarztpraxis nicht möglich sind, müssen die Patienten für die Diagnose und Kontrolle des Therapieverlaufs an den Gastroenterologen überwiesen werden. Für beides ist eine Gastroskopie mit Biopsie-Entnahme erforderlich. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Entzündung wirklich abgeklungen ist.

Spätfolgen vermeiden

Unbehandelt schreite die EoE mit zunehmender Fibrosierung und Stenosierung fort — es finde ein Re-Modelling des Ösophagus statt, so der Experte. Das unterstreicht, ebenso wie das Risiko der Bolusimpaktion, die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose und effektiven Therapie der EoE.

Die neue Budesonid-Schmelztablette (Jorveza®) schließt eine therapeutische Lücke. Die topische Steroidtherapie erfolgte bislang off-label; auf eine Therapie mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI) spricht weniger als die Hälfte der Patienten an und die Eliminationsdiät führt zu enormen Einschränkungen bei der Nahrungsmittelauswahl und erfordert wiederholte Endoskopien der Speiseröhre zur Erfolgskontrolle.

Bei der EoE infiltrieren eosinophile Granulozyten die Ösophagusmukosa.

© SEBASTIAN KAULITZKI / Science Photo Library / mauritius images

Die Budesonid-Schmelztablette wurde speziell für die topische Behandlung des Ösophagus entwickelt. Sie löst sich über zwei Minuten langsam im Mund auf. Das im Speichel gelöste Budesonid benetzt nach dem Schlucken die Ösophagus-Schleimhaut, um dort gezielt seine Wirkung zu entfalten.

„Die Wirksamkeit und Sicherheit der Budesonid-Schmelztablette wurde in der Zulassungsstudie EOS-1 überprüft, einer sechswöchigen Phase-III-Studie“, berichtete Prof. Stephan Miehlke, Hamburg. Patienten mit aktiver EoE (n=88) erhielten doppelblind randomisiert 2 x 1 mg/d Budesonid-Schmelztabletten (n=59) oder Placebo (n=29). Den primären kombinierten Endpunkt klinisch-histologische Remission erreichten 58% der Patienten unter Budesonid, jedoch kein Patient in der Placebogruppe. Der Unterschied war statistisch hochsignifikant.

Literatur

  1. Launch-Pressegespräch Jorveza®: Beginn einer neuen Ära in der Therapie der eosinophilen Ösophagitis, Mannheim 2018, Veranstalter: Dr. Falk Pharma GmbHGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Lisa Kempe
    • 1
  1. 1.

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