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CME

, Volume 15, Issue 6, pp 39–39 | Cite as

Von Desinfektion bis Hemmung der Fimbriensynthese

Mit Pflanzenkraft gegen Blasenentzündung

  • Dagmar Kraus
Medizin
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Ständiger Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen — die quälenden Symptome einer unkomplizierten Zystitis erfordern nicht zwingend sofort eine Antibiotikatherapie. Pflanzliche Wirkstoffe versprechen ebenso Linderung.

Die Arzneipflanzen zur Behandlung unkomplizierter Harnwegsinfekte sind im Prinzip in zwei Gruppen zu unterteilen. Die einen wirken vornehmlich diuretisch, die anderen desinfizierend. Vor einigen Jahren kam ein weiteres Wirkprinzip hinzu, die Blockade bakterieller Virulenzfaktoren. So beeinflussen manche Pflanzenextrakte offenbar die Mobilität von Escherichia coli, andere verändern die Oberfläche der ableitenden Harnwege, sodass E.-coli-Bakterien nicht andocken können, oder hemmen deren Fimbriensynthese, wie die Inhaberin des Lehrstuhls für Naturheilkunde der Universität Rostock, Prof. Karin Kraft, in einem Interview mit Springer Medizin erklärte. Als besonders interessant beurteilt sie, dass diese Extrakte die Bildung eines Biofilms hemmen können.

Die Harnproduktion kurbeln beispielsweise das echte Goldrutenkraut und der Ackerschachtelhalm an. Goldrutenkraut entfaltet zudem eine antientzündliche Wirkung und ähnelt somit in seiner Funktionsweise den Brennnessel- und Birkenblättern. Desinfizierend wirken unter anderem das Kapuzinerkressekraut, die Meerrettichwurzel und die Bärentraubenblätter. Bärentraubenblätter sollten allerdings nur kurzfristig eingenommen werden und sind während Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.

Bis zu fünf Pflanzenextrakte

Mittlerweile sind eine Reihe unterschiedlicher Kombinationspräparate auf dem Markt, die bis zu fünf verschiedene Pflanzenextrakte enthalten und nicht nur im Akutfall, sondern auch zur Vorbeugung eingenommen werden können. Sie enthalten beispielsweise Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel oder Rosmarin, Liebstöckel und Tausendgüldenkraut. Sogar in den aktuellen Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Urologie raten die Autoren, bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen prämenopausaler Frauen vor Beginn einer antibiotischen Langzeitprophylaxe Immunprophylaktika (Empfehlungsgrad B bzw. C), Mannose (Empfehlungsgrad C) oder pflanzliche Arzneimittel (Empfehlungsgrad C) zu versuchen.

Manche Wirkstoffe hemmen die Mobilität von Escherichia coli.

© Sebastian Schreiter/Springer Medizin Verlag GmbH

Literatur

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Dagmar Kraus
    • 1
  1. 1.

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