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CME

, Volume 14, Issue 11, pp 42–42 | Cite as

Eosinophile Ösophagitis

Spezifische Form der Nahrungsmittelallergie

  • Thomas Meißner
Gastroforum
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In den Industrieländern wird zwar eine zunehmende Häufigkeit der eosinophilen Ösophagitis registriert, sie ist aber nach wie vor eine seltene Erkrankung.

Kuhmilch ist der Haupttrigger der Erkrankung.

© man wai Chan / iStock / Thinkstock

Die Zunahme der eosinophilen Ösophagitis (EoE) ist auch der vermehrten Aufmerksamkeit für die erst 1993/94 als eigene Entität identifizierten Erkrankung geschuldet. Experten gehen aber inzwischen von einer echten Zunahme der Inzidenz und Prävalenz aus, und zwar bevorzugt in Ländern mit westlichem Lebensstil. Dabei spielt besonders die Ernährung eine Rolle. Bei Kindern und Jugendlichen ist die EoE die führende Ursache von Dysphagien und Speisebolusimpaktionen.

Immunvermittelte Erkrankung

Verstanden wird unter der EoE eine chronische, immunvermittelte Erkrankung der Speiseröhre, die einerseits durch klinische Symptome wie Dysphagie charakterisiert wird sowie zusätzlich durch histologische Merkmale wie der von eosinophilen Granulozyten dominierten Inflammation, erklärte Prof. Dr. Alex Straumann aus Olten, Schweiz. Haupttrigger der Erkrankung sei die Kuhmilch. Deren Zusammensetzung habe sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert, so Straumann. Hinzu kommen weitere Nahrungsallergene. Diese treffen auf genetisch empfindliche Individuen. So fällt auf, dass drei Mal mehr Männer als Frauen von EoE betroffen sind. Die genaue Pathogenese der Erkrankung wird noch nicht vollständig verstanden.

Die Erkrankung kann prinzipiell in jedem Alter auftreten. Besonders bei kleinen Kindern ist die Diagnose wegen der unspezifischen Symptome schwer zu stellen: sie lehnen die Nahrungsaufnahme ab, hinzu kommen Erbrechen und Regurgitation, Diarrhoe sowie thorakale und abdominelle Schmerzen. Es können Gedeihstörungen resultieren.

Gehäuft wird die Diagnose zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr gestellt. Erwachsene haben Probleme, feste Speisen, etwa ein Stück Fleisch, zu essen. Das Essen dauert lange, es wird viel dazu getrunken. Speisebolusimpaktionen treten mit zunehmendem Alter gehäuft auf und sind unter Umständen Auslöser von Notfall-Endoskopien.

Unbehandelt droht eine Fibrose mit Strikturen

Die symptomatische Besserung unter Behandlung mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI) schließt eine EoE nicht aus: Bei einer Subgruppe von Patienten hilft die PPI-Therapie, außerdem können eine EoE und ein gastro-ösophagealer Reflux gleichzeitig vorliegen.

Unbehandelt entwickelt sich im Verlauf der EoE eine Fibrose mit Strikturen — die Speiseröhre degeneriert zu einem starren Schlauch. Daher sei die Erkrankung stets behandlungsbedürftig, betonte Straumann: „Je länger die Zeit ohne Behandlung, desto größer ist das Risiko für Strikturen.“ Hauptziel sei es, den Organumbau zu verhindern sowie die Symptomatik zu lindern.

Topische Steroide sind ebenso wirksam wie systemische Steroide, allerdings bei deutlich weniger Nebenwirkungen. So wird zum Beispiel Fluticason-Spray geschluckt. Vergleichsweise besser scheint Budesonid in Form einer Schmelztablette zu wirken, das sich in einer randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie bei EoE als wirksam erwiesen hat. „Insgesamt elf Studien mit topischen Steroiden haben bislang eine gute Wirksamkeit mit Blick auf die Entzündung und die Symptome gezeigt“, sagte Straumann. Dennoch handelt es sich zurzeit noch um einen Off-label-Gebrauch. In der Entwicklung sind unter anderem zwei Formulierungen von Dr. Falk Pharma, die bereits in Phase-II- und III-Studien untersucht werden: eine Budesonid-Suspension und eine Budesonid-Schmelztablette.

Spezielle Eliminationsdiäten als weitere Therapieprinzipien

Für einzelne Biologika gibt es ebenfalls Hinweise auf potenziell günstige Effekte bei EoE, speziell für Anti-IL-13-Antagonisten. Für TNF-Hemmer, Anti-IgE-Antagonisten und Anti-IL-5-Antagonisten konnte bislang keine Wirksamkeit nachgewiesen werden.

Weitere Therapieprinzipien sind spezifische Eliminationsdiäten unter Aussparung typischer Nahrungsallergene wie Kuhmilch, Weizenprodukte, Erdnüsse, Eier, Soja oder Fisch sowie bei Strikturen die Ösophagus-Dilatation mit Bougies oder Ballons.

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Literatur

  1. Symposium 208, vom 04.-05. Oktober 2017 in Berlin. Veranstalter: Falk Foundation e.V.Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  • Thomas Meißner
    • 1
  1. 1.ErfurtDeutschland

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