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CME

, Volume 14, Issue 11, pp 30–30 | Cite as

Todesfälle beim Triathlon

Schwimmen, radeln, laufen, sterben

  • Robert Bublak
Schwerpunkt Bewegung und Sport
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Für gar nicht so wenige Triathleten endet der Wettkampf nicht im Ziel, sondern auf dem Friedhof. Gefährdet scheinen besonders Männer im nicht mehr ganz jungen Alter zu sein, wie eine US-Studie zeigt. Schwimmen ist die riskanteste Teildisziplin.

Ausdauersport hat den Ruf, kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen. Und sicher bedarf es großer Ausdauer, einen Triathlon zu bewältigen, der in der Langdistanz aus einer Schwimmstrecke von 3,8 km besteht, gefolgt von 180 km Radfahren und der Bewältigung eines Marathonlaufs von 42,195 km Länge. Uneingeschränkt gesund scheint die Teilnahme an einem Triathlon dennoch nicht zu sein, folgt man den Zahlen, die Forscher um den Herzspezialisten Kevin Harris vom Minneapolis Heart Institute vorgelegt haben.

In den Jahren 1985 bis 2016 zählten sie 107 plötzliche Todesfälle, 13 Herzstillstände mit gelungener Wiederbelebung und 15 tödliche Verletzungen während Triathlonveranstaltungen in den USA. Insgesamt hatten sich während des untersuchten Zeitraums mehr als neun Millionen Sportler an einem Triathlon beteiligt.

Riskanter als ein Marathonlauf

Die Inzidenz dieser tödlichen und nicht-tödlichen Ereignisse erreichte 1,74/100.000 Teilnehmer. Für die tödlichen Zwischenfälle allein betrug die Rate 1,47/100.000. Das liegt deutlich über den Inzidenzen, die für Marathonläufe errechnet worden sind (1,00/100.000). Die Ereignisraten bei den Männern sind mehr als dreimal so hoch wie jene bei den Frauen (2,40 vs. 0.74/100.000).

Schwimmen ist die riskanteste Disziplin beim Triathlon.

© OSTILL / Getty Images / iStock

Ob es sich um Kurz-, Mittel- oder Langdistanzrennen handelte, machte keinen signifikanten Unterschied aus. Für einen nicht unerheblichen Teil der Betroffenen scheint es der erste Wettkampf gewesen zu sein: Von 68 der 135 Toten und Sportler mit Herzstillstand war die Rennerfahrung bekannt, 26 von ihnen (38%) waren erstmals dabei — die meisten auf der Kurzdistanz (69%).

Über zwei Drittel starben beim Schwimmen

67% der Todesfälle und Herzstillstände ereigneten sich während des Schwimmens, 16% beim Radfahren, 11% beim Laufen und 6% während der Erholungsphase nach dem Wettkampf. 15 der 22 beim Radfahren Verstorbenen hatten tödliche Unfälle gehabt, 10 waren mit Kraftfahrzeugen kollidiert, 5 gestürzt oder mit feststehenden Objekten wie Leitplanken kollidiert.

Für die Männer wurde es ab einem Alter von 40 Jahren richtig gefährlich, die Inzidenz erreichte mit 40 einen Wert von 6,08/100.000, stieg bis 50 auf 9,61/100.000 und erreichte für 60-Jährige und Ältere 18,61/100.000.

44% der Verstorbenen wiesen kardiovaskuläre Auffälligkeiten auf

Autopsieberichte lagen von 61 Verstorbenen vor. 27 (44%) wiesen kardiovaskuläre Auffälligkeiten auf, 18 davon — sämtlich Männer — atherosklerotisch veränderte Koronarien mit mehr als 50%iger Stenose des linken Hauptstamms oder mehr als 70%iger Verengung des Ramus interventricularis anterior, des Ramus circumflexus oder der rechten Koronararterie. Weitere kardiale Befunde lauteten auf hypertrophe Kardiomyopathie, Mitralklappenprolaps, Wolff-Parkinson-White-Syndrom, arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie und kongenitale Koronaranomalie. Des Weiteren waren eine Dissektion der Aorta ascendens mit Ruptur sowie eine Spontandissektion einer Nierenarterie zu sehen. Andere Todesursachen waren Hitzschlag, Rhabdomyolyse und tödliche Verletzungen durch Fahrradunfälle.

Harris und Kollegen halten es theoretisch für möglich, viele der Todesfälle während Triathlons — die sich nicht selten gleich bei der ersten Teilnahme ereignen — zu verhindern, etwa „durch bessere Rennorganisation und Rettungsmaßnahmen während des Schwimmens, aber auch durch das Bewusstsein der Teilnehmer für potenziell tödliche kardiovaskuläre Krankheiten“.

Literatur

  1. Harris KM et al. Ann Intern Med 2017, online 19. September, https://doi.org/10.7326/M17-0847Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  • Robert Bublak
    • 1
  1. 1.

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