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Hinweise aus internationaler Metaanalyse

Schützt Vitamin D auch vor akuten Atemwegserkrankungen?

Tägliche oder wöchentliche Vitamin-D-Supplementierung schützt einer aktuellen Metaanalyse zufolge möglicherweise vor akuten Atemwegserkrankungen. Am stärksten profitieren demnach Menschen mit einem deutlichen Vitamin-D-Mangel. Bolus-Applikationen liefern keinen zusätzlichen Nutzen.

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© Leigh Prather / Fotolia

Tägliche oder wöchentliche Vitamin-D-Supplementierung schützt einer aktuellen Metaanalyse zufolge möglicherweise vor akuten Atemwegserkrankungen. Am stärksten profitieren demnach Menschen mit einem deutlichen Vitamin-D-Mangel. Bolus-Applikationen liefern keinen zusätzlichen Nutzen.

Studiendauer bis zu 1,5 Jahre

Für die IPD-Metaanalyse konnten sich Wissenschaftler um Dr. Adrian R. Martineau, London, auf die Befunde von mehr als 11.000 Teilnehmern in 25 randomisierten kontrollierten Studien stützen, die bis Ende 2015 abgeschlossen worden waren. Von 10.933 Teilnehmern im Alter von unter einem Jahr bis zu 95 Jahren konnten die IPD-Daten über den jeweiligen Studienleiter ermittelt werden. Die Studien dauerten zwischen sieben Wochen und 1,5 Jahren.

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Hat sie einen Vitamin-D-Mangel?

© Jürgen Fälchle / stock.adobe.com

Primärer Endpunkt der Metaanalyse war die Inzidenz akuter Atemwegsinfektionen, und zwar in 14 Studien. In den übrigen Studien war die Inzidenz der sekundäre Endpunkt. Dazu zählten Infektionen der oberen und unteren Atemwege sowie akute Atemwegsinfektionen, deren Lokalisation nicht genau spezifiziert worden war.

Wie die Wissenschaftler berichten, geht aus der IPD-Auswertung hervor, dass eine Vitamin-D-Supplementation mit einem verringerten Risiko assoziiert ist, mindestens einmal an einer akuten Atemwegsinfektion zu erkranken, und zwar um 12%. Insgesamt betrachtet lag der Anteil mit Infektionen in der Kontrollgruppe bei 42,2% und in der Interventionsgruppe bei 40,3%. Bei der Berechnung berücksichtigt wurden Alter, Geschlecht und Studiendauer. Der Auswertung zufolge müssen 33 Menschen eine Vitamin-D-Supplementierung vornehmen, damit bei einem eine akute Atemwegsinfektion verhindert wird (Number Needed to Treat [NNT]: 33).

Bolussupplementationen ohne erkennbaren Effekt

Etwas deutlicher war der schützende Effekt, wenn ohne zusätzliche Bolusaufnahme Studienteilnehmer die Supplementation täglich oder wöchentlich vorgenommen hatten. Bei Teilnehmern mit einer oder mehreren Bolussupplementationen von mindestens 30.000 IE Vitamin D ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied zu Teilnehmern ohne Bolusapplikationen.

Je nach Höhe der Serumspiegel von 25-Hydroxyvitamin D errechneten Martineau und seine Kollegen schließlich unterschiedliche Risikowerte. Lagen die Basistiter unter 25 nmol/l, ermittelten sie eine adjustierte OR von 0,30, und zwar auf der Basis der Befunde von 234 Teilnehmern in sechs Studien. Das Infektionsrisiko wurde bei Studienteilnehmern mit einem ausgeprägten Vitamin-D-Mangel somit um 70% verringert. Lagen die Titer darüber, wurde die Infektionswahrscheinlichkeit immerhin noch um 25% reduziert, berechnet auf der Grundlage der Befunde von 1603 Teilnehmern in sechs Studien. Den Schwellenwert von 25 nmol/l wählten die Wissenschaftler, weil er in Großbritannien als Trennlinie zum Vitamin-D-Mangel gilt und Patienten mit Werten darunter in Studien am meisten von einer Supplementation profitiert hatten. Die tägliche Vitamin-D-Dosis zur Supplementation lag in den Studien unter 800 IE, zwischen 800 und 1999 IE oder über 2000 IE.

Wird die Synthese antimikrobieller Proteine stimuliert?

Der vor Infektionen schützende Effekt von Vitamin D könnte darauf beruhen, dass das Vitamin die Synthese sowohl antiviraler als auch antibakterieller Proteine stimuliert. Außerdem werde die Autophagie angeregt und die Entstehung reaktiver Sauerstoffmoleküle angestoßen, so die Wissenschaftler.

In einem Kommentar zur Studie weisen neuseeländische und britische Wissenschaftler darauf hin, dass sich das Studienergebnis nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragen lasse. Sie glauben nicht, dass die absolute Risikoreduktion für Menschen Anlass sein könnte, Vitamin D zu supplementieren. Außerdem sei die Definition für akute Atemwegserkrankungen in den Studien, die für die Metaanalyse berücksichtigt worden seien, sehr uneinheitlich gewesen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie müssten in großen aussagekräftigen kontrollierten Studien überprüft werden.

Literatur

  • Martineau AR et al. Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data. BMJ 2017; 356: i6583

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Leiner, P. Schützt Vitamin D auch vor akuten Atemwegserkrankungen?. CME 14, 46 (2017). https://doi.org/10.1007/s11298-017-6113-z

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