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Allergie in der Pneumologie

Allergy in pneumology

Verehrte Leserschaft,

wir leben in einer merkwürdigen Zeit – während Allergologen, inspiriert durch die „Hygienehypothese“, jahrzehntelang auf die nachteiligen Auswirkungen übertriebener Hygiene hingewiesen haben, übertreffen sich nun Empfehlungen und Vorgaben zur maximalen Hygiene. Ob Raumluftfilterung, Einmal-Vinylhandschuhe in Supermarkt und S‑Bahn oder hochfrequentes Händedesinfizieren – wir alle erwarten mit Spannung die Auswirkungen auf unsere Allergentoleranz. Zumindest erinnert uns die aktuelle Jahreszeit-untypische Infektwelle daran, dass unser Organismus nun mal auch mikrobiologische Interaktion mit seiner Umgebung benötigt. Unser aktuelles Themenheft möchte Sie in Ihrer alltäglichen Herausforderung unterstützen, allergische Krankheitsbilder rund um den pneumologischen Alltag kompetent und auch mit Blick über den Tellerrand zu behandeln.

“Unser Organismus benötigt mikrobiologische Interaktion mit seiner Umgebung”

I. Neustädter (Cnopfsche Kinderklinik, Nürnberg) gibt einen Überblick zu den jeden Fünften betreffenden Nahrungsmittelallergien, den häufigsten Auslösern und wichtigen Kreuzallergien. Durch alimentäre Allergene können auch Asthmaanfälle ausgelöst werden. Wichtig ist auch der Hinweis auf übertriebene Ernährungsrestriktionen, da neue Erkenntnisse sogar einen Zusammenhang zwischen frühkindlich verminderter Ernährungsvielfalt und späterem Asthma aufzeigen.

Das Wangen-Münchener Autorenteam um T. Budick und J. Rosenecker beschreibt eindrücklich, dass die Kinder- und Jugendrehabilitation für chronisch kranke Kinder und ihre Familien eine wichtige Säule der Behandlung allergischer Erkrankungen darstellt. Gerade bei komplexen Erkrankungen wie Asthma bronchiale, Nahrungsmittelallergien oder atopischer Dermatitis spielen Suche nach Auslösern, intensive Schulungsmaßnahmen und auch nichtmedikamentöse Therapieaspekte eine entscheidende Rolle bei der Krankheitsbewältigung.

M. Olivier (Universitätsmedizin Essen) berichtet über Neues zu Allergien und schwerem Asthma. Auch wenn schweres Asthma nur 3–4 % aller Asthmaerkrankungen ausmacht, ist es dennoch mit einer hohen Krankheitslast und Einschränkung der „quality of life“ betroffener Patienten und ihrer Familien verbunden. Während im Kindesalter Allergien die zentrale Rolle spielen, ist der Zusammenhang zwischen Allergien und schwerem Asthma bei Erwachsenen weniger eindeutig. In allen Altersstufen überwiegt die Typ-2-Allergie mit eosinophiler Atemwegsentzündung. Allergen- und Schadstoffbelastung im häuslichen Umfeld spielen eine wesentliche Rolle. Bei Kindern müssen differenzialdiagnostisch zudem angeborene Lungenerkrankungen und Fehlbildungen abgeklärt werden. Die individualisierten Therapien mit Biologika ermöglichen auch bei bislang allenfalls mit systemischen Steroiden behandelbaren Fällen beeindruckende Ergebnisse.

Ein relativ neuer, aber im ganzheitlichen Sinne wichtiger Aspekt allergischer Erkrankungen sind die „Auswirkungen atopischer Erkrankungen auf Schlafqualität, seelische Gesundheit und kognitive Entwicklung“. Basierend auf einer wichtigen Arbeit von S. Kerzel (Kinder-Universitätsklinik Regensburg) wird die entsprechende Chronologie mit nächtlichem Beschwerdemaximum und Schlafstörungen dargestellt, was vordergründig zu Tagesschläfrigkeit und Beeinträchtigung der Lebensqualität führt. Dass dies aber – gerade bei Kindern – sogar die neurokognitive und psychosoziale Entwicklung stört und langfristig für negative Entwicklungen bis hin zur Entwicklung psychiatrischer Störungen prädisponiert, zeigt die Relevanz dieser im ärztlichen Alltag oft unterschätzten Problematik. Bei der Langzeitbetreuung von Asthma, atopischer Dermatitis oder allergischer Rhinitis sollten die strukturierte Erfassung schlafbezogener Beschwerden sowie die Ermittlung von Schlafqualität und Tagesschläfrigkeit zur Routine gehören. Das Wechselspiel zwischen Allergie, Tagesmüdigkeit und obstruktiver Schlafapnoe verdient unsere Aufmerksamkeit, und die Übersichtsarbeit gibt wichtige diagnostische und therapeutische Hinweise.

Allen Autoren gilt unser herzlicher Dank für ihre geleistete Arbeit, die üblicherweise in der knappen Freizeit erfolgt. Wir hoffen, dass wir mit diesen Themen eine für Sie spannende Auswahl getroffen haben, und wünschen den Lesern viele neue Eindrücke und Freude bei der täglichen Arbeit.

PD Dr. Martin Rosewich

Prof. Dr. Markus A. Rose

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M. Rosewich und M.A. Rose geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Redaktion

M. Rosewich, Oberursel

M.A. Rose, Stuttgart

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Rosewich, M., Rose, M.A. Allergie in der Pneumologie. Pneumologe 18, 343–344 (2021). https://doi.org/10.1007/s10405-021-00416-y

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