Gynäkologische Endokrinologie

, Volume 15, Issue 2, pp 101–102 | Cite as

Die Bedeutung der Fettleibigkeit für die menschliche Fortpflanzung

Einführung zum Thema
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The importance of obesity in human reproduction

Als das Thema so auf einer Redaktionssitzung der Gynäkologischen Endokrinologie vor 2 Jahren erstmals vorgeschlagen wurde, war die Reaktion zunächst verhalten. War das Problem wirklich so gravierend, dass ihm ein eigenes Heft gewidmet werden sollte?

Mittlerweile hat sich das Thema der morbiden Adipositas in allen Bereichen der Humanmedizin in den Vordergrund geschoben. Übergewicht und Adipositas sind weltweit auf dem Vormarsch, vor allem in der westlichen Welt. So beträgt die Adipositasprävalenz bei Frauen in den USA für das Jahr 2014 über 40 %!

Die Bedeutung der Fettleibigkeit für metabolische Erkrankungen wie Diabetes und Fettstoffwechselstörungen, Herz- und Kreislauferkrankungen, orthopädische Beschwerden bis hin zu Inzidenz und Verlauf onkologischer Erkrankungen ist groß. Und dabei ist das Krankheitsbild der grotesk übergewichtigen Menschen, der Menschen mit morbider Adipositas, nicht mehr allein ein Phänomen von Ländern in Übersee, sondern mitten in unserer Gesellschaft angekommen, auch und gerade bei der weiblichen Bevölkerung. Mehr als ein Drittel der Frauen in Deutschland im gebärfähigen Alter ist übergewichtig.

Die Ursachen der Adipositas müssen als multifaktoriell bezeichnet werden. Umweltfaktoren, Verhaltensweisen, genetische Prädispositionen und sozioökonomische Einflüsse sind dabei die wesentlichen Gründe für die epidemische Zunahme der Adipositas in den wohlhabenden Ländern. Aber auch neue Ansätze, wie die Theorie des „selbstsüchtigen Gehirns“, versuchen die Entstehung der Adipositas als Ergebnis einer zentralen Fehlsteuerung der Stresshormone mit entsprechender Beeinflussung der Insulinsekretion zu erklären.

Insgesamt kontrastiert die epidemische Ausbreitung der Fettleibigkeit sehr mit den in den westlichen Kulturen fest etablierten Gesundheits-, Fitness- und Diätbewegungen. Die Gesundheitsaufklärung erweist sich hier als in bestimmten Teilen der Gesellschaft völlig insuffizient.

Für die Frauenärztinnen und Frauenärzte stellt die morbid adipöse Frau eine schwierige Patientin dar. Der hohe Anteil des Körperfetts stellt ein endokrines Organ dar, das direkt Einfluss auf das hormonelle Gleichgewicht der Frau nimmt. Dies hat eine verminderte Fertilität zur Folge, einen negativen Einfluss auf die Implantation, und macht reproduktionsmedizinische Behandlungen schwierig.

Ist es dann zur erfolgreichen Konzeption gekommen, ist die Schwangerschaft mit zahlreichen Risiken belastet, wie dem Risiko für das Auftreten eines Gestationsdiabetes, einer Schwangerschaftshypertonie und einer Präeklampsie. Die geburtshilfliche Situation bei der morbid adipösen Patientin ist immer schwierig und gefährlich. Für die geborenen Kinder wiederum hat das Übergewicht der Mutter direkten Einfluss auf deren eigenes Risiko, im weiteren Leben ein metabolisches Syndrom zu entwickeln.

Hier gilt es, einen gesellschafts- und gesundheitspolitisch relevanten Teufelskreis zu durchbrechen, und die Frauenärztinnen und Frauenärzte sind hier an vorderster Front gefordert, wie die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Frau Prof. Dr. med. Birgit Seelbach-Göbel, in ihrem Editorial zu diesem Heft mit Recht betont.

R. Felberbaum

W. Küpker

T. Strowitzki

Notes

Interessenkonflikt

R. E. Felberbaum, W. Küpker und T. Strowitzki geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Klinikum KemptenKlinikverbund Kempten-OberallgäuKemptenDeutschland
  2. 2.Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie, Endometriose und Reproduktionsmedizin, Frauenklinik Baden-Baden/Bühl, Standort BühlKlinikum Mittelbaden BühlBühlDeutschland
  3. 3.Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und FertilitätsstörungenUniversitätsklinikum HeidelbergHeidelbergDeutschland

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