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Verfassungswidrige Ehegattenbesteuerung durch die Reform des Solidaritätszuschlags

Unconstitutional Taxation of Married Couples

Zusammenfassung

Die drastische Erhöhung der Freigrenze soll nach dem Willen der Bundesregierung 90 % der Zahler des Solidaritätszuschlags entlasten. Sie führt zudem dazu, dass die getrennte zu einer geringeren Steuerlast führen kann als die gemeinsame Veranlagung von Ehegatten, was einen starken fi nanziellen Anreiz für die getrennte Veranlagung ergibt. Daraus folgt, dass Ehepaare mit gleich hohem gemeinsamen zu versteuerndem Einkommen, je nach Beitrag der einzelnen Ehegatten zum zu versteuernden Einkommen, bei getrennter Veranlagung unterschiedlich hoch besteuert werden können. Dies ist aber nach Urteilen der obersten Gerichte verfassungswidrig.

Abstract

The federal government plans a tax cut for 90% of the taxpayers of the solidarity surcharge. Another - probably unplanned - effect of this reform is an incentive for married couples to choose separated instead of joint taxation in order to reduce their tax burden. In the case of separated taxation, married couples with the same taxable income, but different level of individual taxable income of the spouses, have a different tax burden. This result contradicts judgements of the constitutional court.

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Reference auu1_Vgl. Gesetzentwurf der Bundesregierung: Entwurf eines Gesetzes zur Rückführung des Solidaritätszuschlags 1995, Bundesrat Drucksache 396/19 vom 30.8.2019

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  2. Zu den verfassungsrechtlichen Problemen siehe auch: Deutscher Bundestag: Wortprotokoll der 14. Sitzung des Finanzausschusses vom 27. Juni 2018, Protokoll-Nr. 19/14, 2019, S. 24.

  3. Von den rund 850 000 Einzelunternehmen mit positivem Steuermessbetrag liegt bei 84,7 % der Gewerbeertrag bei maximal 100 000 Euro; vgl. Statistisches Bundesamt: Fachserie 14, Reihe 10.2, Wiesbaden 2018, S. 19. Bis zu diesem Wert ergibt sich zumindest eine teilweise Entlastung durch die Reform des Solidaritätszuschlags.

  4. Vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Jahresgutachten 2018/19, Stuttgart 2018, S. 302, S. 316.

  5. Vgl. M. Broer: Mindert die Steuer- und Abgabenpolitik der Großen Koalition die Ausweitung der Erwerbstätigkeit?, in: Betriebs-Berater, 73. Jg. (2018), H. 19, S. 1058–1062.

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  6. Vgl. Bundesverfassungsgericht: Urteil vom 17.1.1957, 1 BvL 4/54, BVerfGE 6, 55, RZ 82, https://opinioiuris.de/entscheidung/851 (26.8.2019); sowie Bundesfi nanzhof: Urteil vom 2.4.1957, I 335/56 U, RZ 11, https://research.wolterskluwer-online.de/document/14f3d336-2d01-47ce-87ab-f4adc3964f48 (26.8.2019).

  7. Der Vorteil der Spezialisierung als Folge unterschiedlicher Opportunitätskosten kann grundlegenden Lehrbüchern der Volkswirtschaftslehre entnommen werden, vgl. z. B. G. Mankiw: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 5. Aufl., Stuttgart 2012, Kapitel 3.

  8. Bundesfi nanzhof: Urteil vom 2.4.1957, a. a. O.

  9. Bundesverfassungsgericht: Beschluss vom 17.1.1957, a. a. O.

  10. Zur formalen Darstellung der Anforderung des Bundesverfassungsverfassungsgerichts und des Bundesfi nanzhofs siehe auch S. Homburg: Allgemeinde Steuerlehre, München 2015, 7. Aufl., S. 81 ff.

  11. Vgl. Gesetzentwurf der Bundesregierung: Entwurf eines Gesetzes zur Rückführung des Solidaritätszuschlags 1995, a. a, O., S. 1.

  12. Für die folgenden Berechnungen wird der Tarif 2019 verwendet.

  13. Vgl. Bundesministerium der Finanzen: Datensammlung zur Steuerpolitik 2018, Berlin 2019, S. 46.

  14. Vgl. CDU, CSU: Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben. Regierungsprogramm 2017–2021, S. 33; vgl. SPD: Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit: Zukunft sichern, Europa stärken. Das Regierungsprogramm 2017 bis 2021, S. 38–40.

  15. Vgl. CDU, CSU, SPD: Ein neuer Aufbruch für Europa, a. a. O.

  16. Bei gemeinsamer Veranlagung verdoppeln sich jeweils die Beträge.

  17. Bundesverfassungsgericht: Beschluss vom 17.1.1957, a. a. O.; sowie Bundesfi nanzhof: Urteil vom 2.4.1957, a. a. O.

  18. Vgl. M. Blömer et al.: Was bei einer Reform des Solidaritätszuschlags zu beachten ist, in: ifo Schnelldienst, 72. Jg. (2019), H. 16, S. 6 und 9 f.

  19. So auch: Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, a. a. O., S. 317.

  20. Während das Aufkommen des Solidaritätszuschlags allein dem Bund zusteht, würden Gemeinden und Länder von einer Integration des Solidaritätszuschlags in den Einkommensteuertarif profi tieren. Vgl. M. Broer: Die Integration des Solidaritätszuschlags in die Einkommen- und Körperschaftsteuer, in: Wirtschaftsdienst, 95. Jg. (2015), H. 4, S. 269-273, https://archiv.wirtschaftsdienst.eu/jahr/2015/4/die-integration-des-solidaritaetszuschlags-in-die-einkommen-und-koerperschaftsteuer/ (4.10.2019).

  21. Vgl. C. Fuest et al.: Integration des Solidaritätszuschlags in die Einkommensteuer, in: Wirtschaftsdienst, 95. Jg. (2015), H. 5, S. 319–324 https://archiv.wirtschaftsdienst.eu/jahr/2015/5/integration-des-solidaritaetszuschlags-in-die-einkommensteuer/ (4.10.2019); sowie S. Stöwhase, M. Teuber: Ist eine Integration des Solidaritätszuschlags in den Einkommensteuertarif möglich?, in: Wirtschaftsdienst, 94. Jg. (2014), H. 12, S. 879–886, https://archiv.wirtschaftsdienst.eu/jahr/2014/12/ist-eine-integration-des-solidaritaetszuschlags-in-deneinkommensteuertarif-moeglich/

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Broer, M. Verfassungswidrige Ehegattenbesteuerung durch die Reform des Solidaritätszuschlags. Wirtschaftsdienst 99, 697–702 (2019). https://doi.org/10.1007/s10273-019-2516-7

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