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Weiterbildung in der Notfallmedizin: neue Antworten auf ewig offene Fragen

Training and Continuos Professional Development in emergency medicine: new answers to open questions

Liebe Leserinnen und Leser,

endlich mal wieder eine Ausgabe zu Bildungsthemen! Zehn Jahre ist es her, dass „Lehren & Lernen“ in einem Leitthema von Notfall+Rettungsmedizin aufgegriffen wurde. Höchste Zeit, in dieser Ausgabe aktuelle Entwicklungen in Aus- und Weiterbildung zu präsentieren und zu diskutieren. Die Beiträge lassen sich drei größeren Themenbereichen zuordnen:

  • Kompetenzbasierung als Prinzip für das lebenslange Lernen

  • Update zu „modernen“ Technologien beim Lehren und Lernen

  • Darstellung aktueller Positionen zur Weiterbildung in der Notfall- und Akutmedizin aus den Perspektiven der verschiedenen Beteiligten

Mit der Kompetenzbasierung im lebenslangen Lernen befassen sich Breckwoldt u. Gruber [1]. Sie gehen dabei auf das CanMEDS(„Canadian-Medical-Education-Directives-for-Specialists“)-Modell ein, das die ärztlichen Handlungsfelder umfassend beschreibt und das eine gute Basis für die Gestaltung von Weiterbildungsprogrammen bietet. Außerdem zeigt dieser Beitrag, wie sich Expertise im Laufe des Arbeitslebens entwickelt und welche Implikationen sich daraus für das lebenslange Lernen ergeben (Beispiel: „dual process theory“). Schließlich wird die Kompetenzbasierung („competency-based medical education“) von Aus- und Weiterbildung genauer beleuchtet: Programme orientieren sich an den tatsächlich zu erwerbenden Kompetenzen und nicht mehr ausschließlich an der Zeit, die im Programm verbracht wurde. Damit verbunden ist auch die Erkenntnis, dass Kompetenzen wieder verloren gehen können, wenn sie nicht regelmäßig angewendet werden [1].

Ein eingängiges Konzept, das den Kompetenzgedanken sehr gut in die reale Arbeitswelt überträgt, ist das der sogenannten „entrustable professional activities“ (EPA). Der Beitrag von Marty führt aus, warum sich EPA gerade für den Bereich der Notfallmedizin gut eignen [2].

Zwei nicht mehr allzu „neue“ Technologien für das Lernen und Lehren – Simulation und digitale Medien – haben sich inzwischen gut im Bereich der Notfallmedizin etabliert. Allerdings wird das Potenzial beider Technologien bei Weitem nicht ausgeschöpft. Diesem Defizit lässt sich am besten begegnen, wenn verstanden wird, dass die Technologien kein Selbstzweck sein dürfen. Grande et al. zeigen, wie Simulation aus didaktischer Sicht sinnvoll eingesetzt wird und dabei auch noch zur Stärkung der interprofessionellen Teamarbeit beitragen kann [3]. Für den Bereich der digitalen Medien zeigen Elsenbast et al., welchen Stellenwert Podcasts, Wikis, E‑Portfolios, Extended-Reality-Anwendungen, Serious Games und weitere Formate in der derzeitigen Aus- und Weiterbildung einnehmen [4]. Die Autoren geben differenzierte Hilfestellungen, nach welchen Kriterien die Auswahl geeigneter Medien erfolgen sollte und heben insbesondere darauf ab, dass die Abstimmung auf die Bedürfnisse von Lernenden und Institutionen sowie auf das Curriculum essenziell ist.

Der dritte Themenbereich dieser Ausgabe präsentiert aktuelle Positionen zur Weiterbildung in der Akut- und Notfallmedizin. Wir haben dabei Wert auf die unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten gelegt. Der Beitrag von Dodt [5] zeigt auf, welche grundlegenden Veränderungen mit dem aktuellen Weiterbildungsprogramm „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ verbunden sind. Der Autor gibt konkrete Hinweise für Weiterbildnerinnen und Weiterbildner, was bei der konkreten Umsetzung berücksichtigt werden muss. Der Beitrag von Lück u. Fandler [6] stellt die Perspektive der Weiterzubildenden dar und setzt die Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Weiterbildung in einen internationalen Kontext. Schließlich zeigt der Beitrag von Voney u. Heesen [7] aus der Perspektive der Klinikleitung, wie ein Weiterbildungsprogramm aufgebaut sein kann und dass sich die entsprechende Investition für eine Klinik auszahlt. Diese Investitionen in die Weiterbildung sind zumindest in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen komplett durch die Kliniken selbst zu decken. Das schwedische Modell, das im Gegensatz dazu die Kosten für die Weiterbildung als Zusatzbudget den weiterbildenden Kliniken zur Verfügung stellt, wird von Härtel in ihrem Beitrag dargestellt [8]. Diese Zusatzfinanzierung erlaubt eine professionell gestaltete Weiterbildung.

Es macht eindeutig Sinn, sich genauer mit Aus- und Weiterbildung zu befassen – und es ist keine Zauberei …

Wir hoffen, dass Sie sich als Leserinnen und Leser von dem einen oder anderen Beitrag in dieser Ausgabe angesprochen fühlen. Dabei ist es uns außerordentlich wichtig, dass Sie dabei Spaß haben und Erkenntnisse gewinnen, die in ihrem klinischen Alltag zu positiven Veränderungen führen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen vor allem Enthusiasmus bei der Umsetzung. Denn am Ende sollen unsere Patientinnen und Patienten profitieren, und das geht nur, wenn wir den Schritt vom Wissen zum Handeln machen. Diese Umsetzung liegt nicht mehr bei den Autorinnen und Autoren, sondern bei Ihnen, den Leserinnen und Lesern!

Herzliche Grüße

Ihr

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Jan Breckwoldt

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Christoph Dodt

Literatur

  1. Breckwoldt J, Gruber H (2022) Lebenslanges Lernen in der (Notfall‑)Medizin: “Continuous Professional Development”. Notfall Rettungsmed. https://doi.org/10.1007/s10049-022-01054-4

    Article  Google Scholar 

  2. Marty AP (2022) “Entrustable professional activities” – eine große Chance für die Rettungsmedizin. Notfall Rettungsmed. https://doi.org/10.1007/s10049-022-00986-1

    Article  Google Scholar 

  3. Grande et al (2022) „Die Puppe hat Luftnot“ – Simulation zum interprofessionellen Lernen im Team: aber sinnvoll. Notfall Rettungsmed. https://doi.org/10.1007/s10049-021-00933-6

    Article  Google Scholar 

  4. Elsenbast M, Luiz T (2022) Lernen mit digitalen Medien – Ein Pfad durch den Dschungel an Möglichkeiten. Notfall Rettungsmed. https://doi.org/10.1007/s10049-021-00957-y

    Article  Google Scholar 

  5. Dodt C (2022) Umsetzung der Weiterbildung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ – Die Weiterbilderperspektive. Notfall Rettungsmed. https://doi.org/10.1007/s10049-022-01051-7

    Article  Google Scholar 

  6. Lück I, Fandler M (2022) Die Klinische Notfall- und Akutmedizin als hochqualitative Weiterbildung nach internationalem Vorbild: Die Perspektive der Weiterzubildenden. Notfall Rettungsmed. https://doi.org/10.1007/s10049-022-01055-3

    Article  Google Scholar 

  7. Voney G, Heesen M (2022) Weiterbildung aus der Perspektive der Klinikleitung: unsinniger Luxus? Notfall Rettungsmed. https://doi.org/10.1007/s10049-022-01052-6

    Article  Google Scholar 

  8. Härtel C (2022) Staatlich finanzierte Weiterbildung in der Notfallmedizin am Beispiel Schweden. Notfall Rettungsmed. https://doi.org/10.1007/s10049-022-01053-5

    Article  Google Scholar 

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J. Breckwoldt und C. Dodt geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Breckwoldt, J., Dodt, C. Weiterbildung in der Notfallmedizin: neue Antworten auf ewig offene Fragen. Notfall Rettungsmed 25, 297–298 (2022). https://doi.org/10.1007/s10049-022-01058-0

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