Basischarakteristika
In Tab. 2 sind die Baseline-Charakteristika der Patienten im Beobachtungszeitraum Februar bis März für die Jahre 2019 und 2020 aufgeführt. Das Alter der Patienten lag im Mittel bei 48 ± 21 bzw. 50 ± 21 Jahre. Der Anteil an männlichen Patienten lag bei 52 % respektive 53 %. Der Großteil der Notfallpatienten stellte sich selbstständig vor. Die Stufen grün und gelb waren in beiden Jahren erwartungsgemäß die am häufigsten im Rahmen der Triage gewählten Dringlichkeiten.
Tab. 2 Basischarakteristika der untersuchten Fälle im Beobachtungszeitraum 2019 und 2020 Bezüglich der Fachbereiche in den Jahren 2019 und 2020 hatte Chirurgie mit 65 % bzw. 53 % den größten Anteil, gefolgt von Konservativ mit 34 % bzw. 45 % und Andere mit 1 % bzw. 2 %.
Patientenzahlen gesamt
Im Februar 2019 wurden in der zentralen Notaufnahme (ZNA) insgesamt 2941 Patienten behandelt. Im Mittel entspricht dies in etwa 105 Patientenkontakten täglich. Im Februar 2020 wurden insgesamt 3796 (davon 0 COVID-19-)Patienten versorgt, das entspricht also durchschnittlich etwa 131 Patientenkontakte pro Tag. Somit zeigt sich im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr ein Mehraufkommen von 26 %.
Im März 2019 wurden insgesamt 3333 Patienten in der ZNA behandelt (108 Patienten pro Tag). Im März des Folgejahrs waren es 3101 (davon 97 COVID-19-)Patienten (100 Patienten pro Tag). Demnach kam es im März 2020 im Vergleich zum Vorjahr sogar zu einem Abfall der Notfallpatienten um etwa 7 %.
Im April 2019 wurden in der ZNA insgesamt 3521 Patienten behandelt (117 Patienten pro Tag). Im April des Jahrs 2020 beliefen sich die Zahlen auf 2665 (davon 56 COVID-19-)Patienten (89 Patienten pro Tag), was einem Rückgang an Notfallpatienten von etwa 24 % entspricht.
Die Patientenzahlen im untersuchten Zeitraum 2019 waren weitgehend konstant mit einer Abweichung von etwa 3 Patienten pro Tag und zeigten von Februar bis April einen Anstieg von etwa 12 Patienten pro Tag. Im Jahr 2020 dagegen zeigt sich von Februar bis April ein deutlicher Abfall der Patienten um etwa 42 Patienten pro Tag, was einem Rückgang von etwa 32 % pro Tag entspricht (Abb. 1).
Fachbereiche
Im Fachbereich „Konservativ“ wurden im Zeitraum Februar bis April 2019 insgesamt 3326 Patienten behandelt, im selben Zeitraum 2020 waren es insgesamt 4345 Patienten, was einem signifikanten Mehraufkommen von 31 % entspricht (p < 0,001).
Im Vergleich der Monate Februar, März und April im Jahr 2019 waren die Patientenzahlen weitestgehend konstant und es zeigte sich eine leichte Schwankung von maximal etwa 3 Patienten pro Tag. Demgegenüber kam es im Jahr 2020 zu einem deutlichen Abfall von Februar zu März und weiter zu April, nämlich um etwa 11 bzw. 15 Patienten pro Tag, was einem relativen Rückgang von 27 % entspricht.
Dies betrifft insbesondere den untergeordneten Fachbereich „innere Medizin“. Während das Patientenaufkommen im Bereich „innere Medizin“ insgesamt gesehen im Verlauf der Jahre also stieg, fielen die Patientenzahlen im Jahr 2020 von Februar bis April deutlich ab, während sie im Vorjahr weitgehend konstant blieben (Abb. 2a).
Im Fachbereich „Chirurgie“ wurden im untersuchten Zeitraum 2019 insgesamt 6391 Patienten behandelt, wohingegen im selben Zeitraum 2020 insgesamt 5051, also signifikant weniger Patienten gesehen wurden (p < 0,0001). Von Februar auf März bis April desselben Jahrs zeigte sich für 2019 ein Anstieg der Patientenzahlen um etwa 6 bzw. 7 Patienten pro Tag. Im Jahr 2020 fielen die täglichen Patientenkontakte von Februar auf März und bis April stark ab, um etwa 20 bzw. 27 Patienten pro Tag.
In der Subdisziplin Unfallchirurgie wurden im Beobachtungszeitraum 2019 insgesamt 5136 Patienten versorgt. Im gleichen Zeitraum des Jahrs 2020 waren es 3944 Patienten. Dies entspricht einem Abfall des Patientenaufkommens um etwa 23 % bzw. 14 Patienten pro Tag. Umso deutlicher wird dies, wenn man die Änderung der Patientenzahlen im Monatsvergleich betrachtet (Abb. 2b). Hier zeigt sich für das Jahr 2019 ein leichter Anstieg des Patientenaufkommens von Februar auf März um etwa 4 Patienten pro Tag, bis April um etwa 10 Patienten pro Tag. Im Jahr 2020 stellt sich stattdessen ein deutlicher Abfall von Februar auf März um etwa 16 Patienten pro Tag, bis April sogar um etwa 21 Patienten pro Tag dar.
Im Fachbereich „Andere“ wurden im beobachteten Zeitraum des Jahrs 2019 insgesamt 78 Patienten behandelt, während es im Jahr 2020 etwa 166 Patienten waren. Von Februar bis April desselben Jahrs blieben die Zahlen sowohl in 2019 als auch in 2020 weitgehend konstant mit einer maximalen Schwankung von etwa 0,3 Patienten pro Tag.
Bezogen auf die 2 wichtigen Fachbereiche „Konservativ“ und „Chirurgie“ zeigt sich, dass im Jahr 2020 von Februar bis April ein zum Vorjahr überproportional deutlicher Rückgang der Patientenzahlen zu verzeichnen ist.
Dringlichkeit
Vergleicht man das Patientenaufkommens der Jahre 2019 und 2020 miteinander, ist klar zu erkennen, dass die Dringlichkeitsstufe „gelb“ zugewinnt, wohingegen die Patientenzahlen für „blau“ und „grün“ zurückgingen (Abb. 3).
Beschwerdebilder
In Tab. 3 ist die Verteilung der Notfälle anhand der 51 Beschwerdebilder gemäß MTS für den Beobachtungszeitraum 2019 und 2020 aufgeführt. Die häufigsten 3 Beschwerdebilder in den Monaten Februar bis April für die Jahre 2019 und 2020 waren demnach „Extremitätenprobleme“ (2350 vs. 2005 Patienten), „Unwohlsein bei Erwachsenen“ (1171 vs. 1745 Patienten) und „Abdominelle Schmerzen bei Erwachsenen“ (1019 vs. 915 Patienten).
Tab. 3 Verteilung der Patientenzahlen auf die einzelnen Beschwerdebilder je Monat Um die Auswirkung der COVID-19-Pandemie auf die einzelnen Beschwerdebilder zu untersuchen, haben wir diese im März 2020, dem Monat mit dem höchsten Aufkommen von COVID-19-Patienten (Abb. 1), mit dem Vorjahr verglichen (Abb. 4). Hier zeigt sich eine deutliche Zunahme von „Unwohlsein bei Erwachsenen“ (+47 % zum Vorjahr), „Atemprobleme bei Erwachsenen“ (+36 % zum Vorjahr), während „Rückenschmerz“ (−41 % zum Vorjahr), „Wunden“ (−29 % zum Vorjahr) und „Thoraxschmerz“ (−24 % zum Vorjahr) im Vergleich zum Vorjahr deutlich abgenommen haben.