FormalPara Buchbesprechung

Kinzelbach A (2016) Chirurgen und Chirurgiepraktiken. Wundärzte als Reichsstadtbürger, 16. bis 18. Jahrhundert. Donata Kinzelbach, Mainz. 98 Seiten. ISBN 978-3-942490-27-6

„Chirurgen und Chirurgiepraktiken“ ist ein Sachbuch von Annemarie Kinzelbach und im Jahr 2016 im Donata-Kinzelbach-Verlag Mainz erschienen.

Der Autorin sind in den 1990er-Jahren im Stadtarchiv in der Stadt Ulm 2 reich bebilderte Handschriften aus dem 16. bis 18. Jahrhundert in die Hände gefallen, und sie hat in umfangreichen Recherchen die darin enthaltenen Informationen analysiert und im geschichtlichen Kontext aufgearbeitet. Die Handschriften sind in 2 Bänden gesammelt, einem Meisterbüchlein mit Individualporträts und einem Geschworenenbüchlein mit Gruppenporträts.

Im Meisterbüchlein werden die Biographien der porträtierten Barbiere/Chirurgen aufgeführt, im Geschworenenbüchlein werden die Tätigkeiten und Aufgaben der meist 7 Geschworenen dargestellt. Das Besondere an der Darstellung ist der lange Überlieferungszeitraum der deutliche Veränderungen der Aufgaben des Berufsstandes sowie seiner Einbindung in politische und wirtschaftliche Strukturen und Entscheidungsgremien aufzeigt. Neben der Analyse der Veränderungen spezifischer Funktionen erlauben die Handschriften ebenfalls Einblicke, wie ethische Normen definiert und umgesetzt wurden und welche chirurgischen Praktiken erfolgreich und welche weniger erfolgreich waren.

In einer kurzen Einleitung stellt Kinzelbach die 2 Bände vor und beschreibt, mit welchen Inhalten sich die Büchlein auseinandersetzen. In den folgenden beiden Kapiteln wird zunächst das Geschworenenbüchlein, danach das Meisterbüchlein abgehandelt. Anhand aufschlussreicher Illustrationen lässt sich sowohl der geschichtliche Wandel der Versammlungen der Geschworenen der Wundarznei als auch der Wandel ihrer Selbst- und Fremdbetrachtung und ihrer Aufgaben nachvollziehen. Besonders die Aufgaben im Hinblick auf die Unterstützung der Obrigkeit und die hierarchische Organisation sowie das Procedere der Akkreditierung werden in diesem Kapitel beleuchtet. Gleichsam unterhaltsam wie auch informativ sind die zahlreichen originalen Texteinblendungen.

Das Geschworenenbüchlein behandelt die Darstellung der Aufgaben der Wundärzte, ihren Ethos, ihre Stellung in Gesellschaft und Politik sowie die hierarchische Gliederung. Ebenso werden die Auswahlkriterien für die Geschworenen und ihre hierarchische Stellung im Rat und den städtischen Ämtern aufgezeigt.

Das 2. Kapitel, das Meisterbüchlein der Barbiere, beschreibt die einzelnen geschworenen Meister, stellt sie bildlich dar. Es gibt Einblicke in die familiäre Historie, porträtiert die Eigenschaften und den Werdegang der einzelnen Wundärzte und ihre Amtskarrieren.

Die Lektüre des vorgestellten Buches ist unterhaltsam und erhellend und zeigt sehr deutlich die handwerklichen Wurzeln der chirurgischen Zunft, die erst in der Zeit vom 18. bis 19. Jahrhundert akademisch wurde.