Septische Komplikationen (Knochen- und Gelenkinfektion) sind schwerwiegende Komplikationen der Orthopädie und Unfallchirurgie. Ihre Behandlung ist oft aufwendig, langwierig und kostenintensiv. Das Heilverfahren wird deutlich verlängert, und die Kosten steigen erheblich. Nicht selten kommt es zu höheren Rentenzahlungen. Für den Versicherten resultiert aufgrund des langen Heilverfahrens die soziale und berufliche Isolierung.

Die Behandlung von posttraumatischen und postoperativen Knochen- und Gelenkinfektionen ist häufig multidisziplinär und bedarf spezieller Kenntnisse. Je frühzeitiger die septische Komplikation diagnostiziert oder wahrgenommen und je früher die konsequente radikale Therapie begonnen wird, desto günstiger ist der Verlauf. Bei von septischen Komplikationen Btroffenen handelt es sich häufig um multimorbide Patienten. Nicht selten finden sich problematische Weichteilverhältnisse nach vorausgegangenen mehrfachen Operationen. Das lange Heilverfahren bedingt oft Gelenkkontrakturen und Bewegungsmangelschäden. Umso entscheidender ist es, frühzeitig die Diagnose zu stellen und die Behandlung mit einem klaren therapeutischen Konzept durchzuführen. Sie erfolgt in einer großen Zahl der Fälle in den septischen Abteilungen der BG-Kliniken (BG: Berufsgenossenschaft).

Basis für eine korrekte Diagnostik sind eine ausführliche Anamneseerhebung und eine körperliche Untersuchung. Zu den diagnostischen Maßnahmen gehören die Projektionsradiographie, die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT). In neuer Zeit wurde das Spektrum durch die PET-CT (PET: Positronenemissionstomographie), ein bildgebendes Verfahren mit hoher Treffsicherheit, erweitert. Moderne molekularbiologische diagnostische Maßnahmen befinden sich noch im Stadium der Grundlagenforschung, zu nennen ist hier das „protein profiling“ in Gewebe und Serum für eine individuelle Diagnostik sowie auch das Therapiemonitoring bei Osteomyelitis.

Die Behandlung der septischen Komplikation in der Orthopädie und Unfallchirurgie sollte auf einem auf den Patienten abgestimmten individuellen Konzept beruhen.

Die Behandlung der Knocheninfektion muss mehrzeitig durchgeführt werden. Im ersten operativen Schritt ist ein radikales Débridement der infizierten Knochen und Weichteile erforderlich. Im zweiten Schritt sollten möglicherweise vorliegende Haut-/Weichteildefekte zeitnah stabil gedeckt werden, entweder durch lokale Maßnahmen oder durch frei transplantierte Lappen. Hierbei bewährte sich die Zusammenarbeit mit den Plastischen Chirurgen. Im dritten operativen Schritt, nach Infektberuhigung, steht der Knochendefektaufbau im Vordergrund, entweder durch Spongiosaplastik oder durch Segmenttransport.

Im Falle von Gelenkinfektionen ist eine radikale Synovektomie indiziert. Bei akuten Gelenkinfektionen (innerhalb der 1. Woche) handelt sich um einen unfallchirurgischen Notfall. Chronische oder arthroskopisch vorbehandelte Gelenkinfektionen sollten offen, d. h. durch Arthrotomie, behandelt werden.

Das Vorgehen bei periprothetischen Infektionen hängt von der Dauer der aufgetretenen Symptome ab. Innerhalb der ersten 4 Wochen ist ein Erhaltungsversuch mit Wechsel aller austauschbaren Teile legitim, nach 4 Wochen hat ein derartiges Vorgehen keine Erfolgsaussichten. Es muss dann die Endoprothese explantiert werden, die Reimplantation kann ein- oder zweizeitig durchgeführt werden.

Die Entwicklung hinsichtlich Diagnostik und Therapie wandelt sich. Hier halten zunehmend molekularbiologische Maßnahmen Einzug, die gleichzeitig eine Risikoabschätzung im Verlauf erlauben. Vermehrt finden mesenchymale Stammzellkonzentrate als Zugabe zur Spongiosa Verwendung. Sie dienen der Verbesserung des Einbaus oder werden beim Segmenttransport zum schnelleren knöchernen Remodelling in die Transportstrecke injiziert. Additive Maßnahmen wie die Behandlung mit Exogenultraschall oder die Injektion von Parathormon komplettieren die therapeutischen Möglichkeiten. Gerade in den BG-Klinken wird intensiv an der Weiterentwicklung der bisherigen Behandlungskonzepte geforscht. Unterstützt werden Forschungsprojekte durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Im vorliegenden Schwerpunktheft werden in Übersichtsartikeln neue Entwicklungen hinsichtlich Diagnostik, Therapie und Risikoabschätzung dargestellt. Gleichzeitig wird die Problematik von multiresistenten Erregern bei Gelenkinfektionen aufgezeigt.

Dr. Ulf-Joachim Gerlach