Die traditionelle kleine Ansprache zum Ende der 33. Unfallmedizinischen Tagung in Baden-Baden war diesmal eine Besondere und ich, der Autor, hielt diese auch im Namen meines Freundes Andreas Wentzensen, dem federführenden wissenschaftlichen Leiter dieser Veranstaltung.

Was aber haben diese Schlussbemerkungen Besonderes an sich? Üblicherweise resümiert man am Ende der Tagung in kurzen und knappen Formulierungen die vergangenen 1 1/2 Tage und würdigt ihre Bedeutung bezüglich Informationsweitergabe und Wissensvermittlung, dankt den Vorsitzenden, Referenten, Berichterstattern, der Industrie sowie v. a. den Tagungsteilnehmern und wünscht schließlich allen eine unfallfreie Heimfahrt. Dies erfolgt hiermit in der gebotenen Art und Weise, selbstredend auch im Namen meines Partners in der wissenschaftlichen Leitung unserer Tagung, mit diesen Schlussbemerkungen.

Ohne Frage war die 33. Unfallmedizinische Tagung dank perfekter Organisation durch die Mitarbeiter des Landesverbandes, durch höchst interessante Vorträge zu aktuellen Themen und in Anbetracht lebhafter Diskussionen sowie erkennbar an der großen Zahl der Besucher wiederum ein voller Erfolg. Dafür sei von uns, Herr Prof. Wentzensen und mir, allen aktiv am Programm Beteiligten, sei es nun mit verbalen Beiträgen oder organisatorischen Leistungen, ganz ausdrücklich gedankt. Zu unserer Freude unterstrichen alle bei dieser Tagung Anwesenden durch ihre Teilnahme die unverändert hohe Akzeptanz dieser Unfallmedizinischen Tagung.

Die Besonderheit dieses heutigen finalen Statements beruht auf einer gewissen Endgültigkeit, denn die beiden wissenschaftlichen Leiter verkörpern, orientiert am Beispiel des Automobils, eine Art „Auslaufmodell“ – im guten Sinne. Uns allen ist die Wertschätzung, die heutzutage automobilen „Oldtimern“ entgegen gebracht wird, sofern sie gut erhalten sind, bekannt, dies wünschen wir uns natürlich auch für unsere Zukunft. Prof. Wentzensen befindet sich bereits seit Anfang Oktober 2009 in einem Stand, den man aus unerfindlichen Gründen mit dem Wort „Ruhe“ versieht, was in realistischer Weise sehr häufig nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht, Stichworte dazu sind: Weiterführung einer Reihe angestammter Tätigkeiten, Wahrnehmung überkommener Verpflichtungen, Nachholen all dessen, was man immer schon tun wollte und wofür nie ausreichend Zeit war, man widmet sich der Pflege der Familie, insbesondere der Ehefrau, nimmt womöglich Großvaterpflichten wahr und findet im günstigsten Fall auch ein wenig zu sich selbst. Es dürfte bekannt sein, dass auch für mich der Übergang in eine andere Lebensperiode bevorsteht, die 34. UMed im Jahr 2011 werde ich nicht mehr in meiner derzeitigen Funktion erleben.

Seit meinem Eintritt in die BG-Unfallklinik Tübingen im Mai 1977, also vor deutlich mehr als 30 Jahren, erlebte ich diese traditionelle Veranstaltung in Baden-Baden stets als ein besonderes Event im Reigen periodisch abgehaltener Kongressveranstaltungen. Die ganz eigene Atmosphäre sowohl des Tagungsraums mit seinem leicht plüschigen Ambiente als auch das Erscheinungsbild des Veranstaltungsortes während dieser herbstlichen Jahreszeit, die freundschaftliche Begegnung mit vielen Kollegen aus dem Südwesten, ein nach meinem Empfinden stets anspruchsvolles wissenschaftliches Programm, kontrovers geführte Diskussionen um strittige medizinische und verwaltungstechnische Themen, konstruktive kritische Bemerkungen zur Rolle der BG-Unfallkliniken und zum berufsgenossenschaftlichen Auftrag der Heilverfahrenssteuerung sowie Festabende mit schwunghafter musikalischer Begleitung, die tanzbegeisterten und tanzschulerprobten Paare charakterisieren diese Eindrücke. Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch die Highlights unübertroffener und spektakulärer Darbietungen, die sich über die Jahre hinweg ins Gedächtnis einprägten. All dies wird mir/uns in nachhaltiger Erinnerung bleiben. Wir geben die Organisation und Leitung, was die medizinische Seite der UMed anbelangt, in die Hände unserer Nachfolger, von welchen der eine bereits bekannt, der andere von den zuständigen Gremien in absehbarer Zeit auszuwählen ist, um dann neben der Wahrnehmung vieler anderer Funktionen auch mit der Gestaltung der Unfallmedizinischen Tagung befasst zu sein. Wir wünschen Freddy Grützner und seinem zukünftigen Amtsbruder für diese Aufgabe viel Erfolg und eine stets glückliche Hand.

So bleibt am Ende der Schlussbemerkungen die angenehme Pflicht, allen Beteiligten an den zurückliegenden Tagungen und der jetzt zu Ende gehenden nochmals herzlichen Dank auszusprechen, ebenso den vielen Kollegen, die sich aktiv am Programm beteiligten, den Verantwortlichen des Landesverbandes in Vergangenheit und Gegenwart, den ungezählten Teilnehmern der vergangenen Jahre, den Ärzten, Physio- und Ergotherapeuten, den Sachbearbeitern der Berufsgenossenschaften und den Mitarbeitern der Verwaltung unserer beiden Kliniken, und schließlich meinem langjährigen Amtskollegen und Freund Andreas Wentzensen. Mit ihm machte die Zusammenarbeit immer sehr viel Spaß, wir hatten stets die gleiche „Wellenlänge“, sowohl bei der Auswahl der Themen als auch der Referenten, und ergänzten uns nach meinem Empfinden immer bestens. Unsere Freundschaft werden wir außerhalb unserer beruflichen Bindungen mit Sicherheit weiterpflegen und uns, zusammen mit unseren Ehefrauen, anderen schönen Dingen zuwenden.

Prof. Dr. Wentzensen speziell möchte ich ein Zitat von Franz von Assisi widmen, von dem ich glaube, dass es recht gut auf uns beide passt:

Alte Freunde sind wie alter Wein

Er wird immer besser, und je älter man wird, desto mehr lernt man,

dieses unendliche Gut zu schätzen.

Unseren Nachfolgern darf ich etwas von Theodor Fontane auf den Weg geben, was aus meiner Sicht nicht nur für die berufliche Seite unseres Lebens Gültigkeit hat:

Leicht zu leben ohne Leichtsinn

Heiter zu sein ohne Ausgelassenheit

Mut zu haben ohne Übermut

Vertrauen und freudige Ergebung zu zeigen ohne Fatalismus – das ist die Kunst des Lebens.

K. Weise