Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein seit etwa 15 Jahren in der klinischen Routine etabliertes diagnostisches bildgebendes Verfahren ohne Anwendung ionisierender Strahlen (Röntgenstrahlen). Das Indikationsspektrum für den Bereich der Unfallchirurgie ist vielfältig und deckt nahezu alle unfallchirurgischen Fragestellungen ab, d. h. die MRT kommt sowohl beim frischen Trauma als auch bei posttraumatischen Folgezuständen bis hin zu gutachtlichen Fragestellungen zum Einsatz. Aufgrund der hohen örtlichen und räumlichen Auflösung in allen Raumebenen ist sie ein hervorragendes diagnostisches Instrument für die Operationsplanung.

Einsatz der MRT

Indikationen

  • Frisches Trauma

  • Subakutes („chronisches“) Trauma

  • Traumafolgen

  • Postoperative Veränderungen

  • Komplikationen

  • Entzündliche Prozesse

  • Differenzialdiagnose bei klinisch unklaren Befunden und Beschwerden

  • Abgrenzung von Traumafolgen gegenüber unfallunabhängigen Befunden

  • Gutachtliche Fragestellungen

  • Indikationen für spezielle MR-Techniken (z. B. MR-Myelographie, MR-Angiographie)

Kontraindikationen

Hier sind beispielsweise ferromagnetische Metallclips im Bereich des Gehirns und der Blutgefäße, Herzschrittmacher, bestimmte Metallimplantate (Osteosynthesematerial), Schwangerschaft oder Klaustrophobie anzuführen. Bei möglichen Kontraindikationen muss im Einzelfall durch den Radiologen geklärt und entschieden werden, ob eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden kann. Anzumerken ist, dass bei Patienten mit einliegendem Osteosynthesematerial unter bestimmten Voraussetzungen in vielen Fällen eine MRT-Untersuchung möglich ist.

Im Folgenden werden anhand des Indikationsspektrums beispielhaft typische unfallchirurgische Befunde besprochen.

Typische unfallchirurgische Befunde

Frisches Trauma

Knöcherne Verletzung

Mit der Magnetresonanztomographie können zuverlässig Knochenkontusionen bzw. röntgenologisch okkulte Frakturen (Mikrofrakturen) dargestellt werden. Weiterhin lassen sich andere Stressreaktionen des Knochens in Form eines Knochenmarködems erkennen. Hervorzuheben ist die Diagnostik kindlicher Frakturen ohne Einsatz von Röntgenstrahlen. In der täglichen Routine werden auch immer wieder „zufällig“ Frakturen entdeckt, die im primären Röntgenbild (auch retrospektiv) nicht zu sehen sind. Bei Frakturen im Bereich der Wirbelsäule und der Gelenke können mit der MRT wichtige Begleitverletzungen im Bereich der paraossären und periartikulären Weichteilstrukturen diagnostiziert werden.

Weichteilverletzung

Mit der MRT ist es möglich, nichtinvasiv Weichteilstrukturen des Stütz- und Bewegungsapparats in hervorragender Qualität darzustellen. Beispiele hierfür sind Bandverletzungen im Bereich aller Gelenkabschnitte sowie Muskel- und Sehnenverletzungen im Bereich der Gelenke und Extremitäten. Hervorzuheben ist der Einsatz der MRT bei komplexen Gelenkverletzungen, z. B. im Bereich des Kniegelenks mit Beteiligung der Gelenkkapsel, der ligamentären Strukturen und Menisken.

Im Bereich der Wirbelsäule können neben Frakturen auch diskoligamentäre Verletzungen und Einblutungen in den Spinalkanal diagnostiziert werden.

Subakutes „chronisches“ Trauma und Traumafolgen

Eine häufige Indikation zur MRT sind ältere Wirbelfrakturen, bei denen sichere Aussagen über die Frakturgeometrie und eine Beteiligung des Spinalkanals gemacht werden können. Mit der Computertomographie können zwar u. U. die knöchernen Verhältnisse morphologisch noch exakter dargestellt werden, eine optimale Beurteilung der paraossären Weichteilstrukturen und insbesondere des Spinalkanalinhalts ist jedoch im CT in gleicher Qualität nicht möglich.

Weitere ältere posttraumatische Zustände sind beispielsweise posttraumatische Sekundär- und arthrotische Gelenkveränderungen, bei denen im MRT Aussagen zur Knorpelbeschaffenheit gemacht werden können.

Auch postoperative Zustände, z. B. nach vorderer Kreuzbandersatzplastik, können in der MRT gut dargestellt werden. Hier ist jedoch anzumerken, dass nach VKB-Ersatzplastik das Transplantat im Verlauf von mehreren Monaten bis zu 2 Jahren aufgrund von Vaskularisations- und Reparationsvorgängen sehr unterschiedlich zur Darstellung kommt. Dies muss bei der qualitativen Bewertung des Bandersatzes berücksichtigt werden.

Entzündliche Veränderungen

Mit der Magnetresonanztomographie können nach Gabe von paramagnetischem Kontrastmittel entzündliche Prozesse im Bereich der knöchernen Strukturen und Weichteile in hervorragender Qualität dargestellt werden. Beispiele hierfür sind entzündliche Veränderungen im Bereich der Extremitäten (Osteitis, Osteomyelitis) und der Wirbelsäule (Spondylitis, Spondylodiszitis).

Differenzialdiagnosen bei unklaren klinischen Befunden und Beschwerden

Beispiele sind die „zufällige“ Detektion von Tumoren im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparats, wenn aufgrund persistierender Beschwerden, z. B. nach einem Bagatelltrauma, zur weiteren Abklärung eine MR-Untersuchung durchgeführt wird. Auch bei einem klinisch und röntgenologisch vermuteten entzündlichen Prozess im Bereich der Wirbelsäule (Spondylitis) kann differenzialdiagnostisch eine Tumorerkrankung vorliegen, die erst mit der MRT diagnostiziert wird.

Abklärung von Traumafolgen/Gutachten

Der bei vielen (älteren) Patienten relativ häufig diagnostizierte Meniskusschaden im Bereich des Kniegelenks kann mit einer standardisierten Stadieneinteilen exakt klassifiziert werden. In Kenntnis der genauen Anamnese und des klinischen Befunds kann dann in vielen Fällen eine relativ sichere Aussage gemacht werden, ob ein degenerativer oder ein traumatischer Meniskusschaden vorliegt.

Ähnliches gilt für den degenerativen Bandscheibenschaden im Bereich der Wirbelsäule in Abgrenzung zu einer diskoligamentären Verletzung – insbesondere dann, wenn die MRT-Untersuchung kurze Zeit nach einem entsprechenden Unfallereignis durchgeführt wurde.

Als drittes Beispiel sei der Rotatorenmanschettenschaden im Bereich der Schulter aufgeführt, auch hier können zusammen mit exakten anamnestischen und klinischen Daten oft sichere Aussagen zum Unfallzusammenhang gemacht werden.

Spezielle MR-Techniken

Hier sind für den Bereich der Unfallchirurgie insbesondere die nichtinvasive MR-Angiographie und MR-Myelographie zu erwähnen.

Mit der MR-Angiographie im Bereich der Becken- und Beinarterien kann vor geplanten rekonstruktiven Eingriffen die arterielle Gefäßversorgung exakt dargestellt werden. Eine weitere Indikation im Bereich der Kopf- und Halsarterien sind beispielsweise HWS-Verletzungen mit Gefäßbeteiligung (Dissektion).

Ein Beispiel für die Anwendung der MR-Myelographie ist die (z. B. posttraumatische) Spinalkanalstenose zur Operationsplanung.

Fazit für die Praxis

Die Magnetresonanztomographie ist ein seit vielen Jahren etabliertes bildgebendes Verfahren, mit dem die gesamte Indikationsbreite der unfallchirurgischen Diagnostik abgedeckt wird.

Für ihren optimalen Einsatz als alleiniges diagnostisches Verfahren oder in Ergänzung zu anderen bildgebenden Modalitäten (Röntgen, CT) ist der ständige Dialog zwischen Unfallchirurgen und Radiologen von herausragender Bedeutung.