Gerne habe ich als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie die Einladung, an der unfallmedizinischen Tagung hier in Bamberg teilzunehmen, angenommen.

Das Motto dieser Tagung "Entwicklungen in der Traumatologie" drückt auf den ersten Blick eine gewisse Beliebigkeit aus. Es erweist sich jedoch beim zweiten Hinsehen durch die Auswahl hoch aktueller Themen und Fragestellungen aus dem zentralen unfallchirurgischen Aufgabenbereich als ein extrem anregendes und herausforderndes Motto. Der Ansatz, neue Entwicklungen unseres Fachs auch unter ökonomischen Gesichtspunkten zu diskutieren, ist hoch aktuell.

Nicht erst mit Einführung ökonomischer Begrifflichkeiten und Ersatz der Halbgötter in Weiß durch die neuen Götzen PC, EBM und QS, formuliert durch die neue Zunft der Gesundheitssachverständigen und Gesundflüsterern unseres Systems, täglich gebetsmühlenhaft uns vorgekaut, ist uns der Begriff Effizienz, Leistung im Verhältnis zum Nutzen, vertraut und ein wesentliches Ziel unserer Bemühungen um die adäquate Versorgung unserer Patienten. Dies belegen schon die von Lorenz Böhler niedergeschriebenen Hinweise in seinem Lehrbuch aus dem Jahr 1933, der hierzu ausführte: "Über die Endergebnisse kann nur Derjenige einen Überblick bekommen, welcher die Verletzten über Jahre weiter beobachtet und kritisch nach Aufwendung und Ergebnis urteilt."

Es macht Sinn, immer wieder mit höherer Trennschärfe uns selbst bewusst zu machen,

  • welche Aufwendungen wir verursachen oder gezwungen sind, zu induzieren,

  • welcher Nutzen entsteht und

  • welchen tatsächlichen Fortschritt, gemessen an welchen Zielen, neue medizinische Entwicklungen und Verfahren bringen.

Gerade in Zeiten knapper Ressourcen, z. T. unverständlicher gesetzlicher Regelungen wie die der Mindestmenge oder des Fallpauschalenentgeltgesetzes, bedarf es eigener konstruktiver und kritischer Diskussion und Bestandsaufnahme, um den Verantwortlichen, aber auch der breiten Öffentlichkeit aufzuzeigen, dass wir Unfallchirurgen sehr kritisch die Effizienz unserer Tätigkeit auch bei der Einführung neuer Verfahren analysieren.

Besonders möchte ich Volker Bühren für die Aufnahme der Sitzung zur Zukunft der Unfallchirurgie—Herausforderungen und Chancen—gratulieren. Ich bin gespannt, zu welchen Ergebnissen die einzelnen, ausgezeichneten Referenten kommen und wie sie die Zukunft unserer Unfallchirurgie in den nächsten Jahren beurteilen werden. Dass diese Aufarbeitung gerade in Zusammenarbeit mit der so genannten Kostenträgerseite stattfindet, beweist erneut, dass wir Unfallchirurgen in den gewerblichen Unfallversicherungsträgern einen Partner haben, dessen Ziele im Wesentlichen mit unseren deckungsgleich sind. Sicherlich werden manche Detailfragen und Probleme unterschiedlich gesehen, doch meistens findet sich eine einvernehmliche Lösung. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir mit einem politisch stark vertretenen Partner verlässlich zusammenarbeiten können, wenn es z. B. um die Erarbeitung und Umsetzung von Änderungsvorschlägen bei der neuen Fallpauschalenentgeltgesetzgebung geht oder wenn es die zukunftsfähige Gestaltung der chirurgischen Weiterbildung mit der notwendigen Akzentuierung unfallchirurgischer Belange betrifft. Dafür danke ich an dieser Stelle ausdrücklich den Verantwortlichen der gesetzlichen Unfallversicherungsträger.

Meines Erachtens ließen sich auch im Bereich der qualitätssichernden Maßnahmen, der Versorgungsforschung und der Zertifizierung, auch von Rehabilitationseinrichtungen, diese Zusammenarbeit weiter ausdehnen, noch enger gestalten und die von uns tagtäglich erhobenen Daten gemeinsam analysieren, um die Struktur und die Prozessabläufe zu optimieren.

Ich möchte Herrn Bayer und Herrn von Rimscha herzlich danken, dass sie uns Unfallchirurgen hier erneut eine Plattform für eine spannende Darstellung und Diskussion neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren, fernab großer Kongressveranstaltungen, eingerichtet haben. Dabei möchte ich auch die verantwortliche wissenschaftliche Leitung in der Person von Volker Bühren ausdrücklich mit einschließen. Ihnen als Veranstalter wünsche ich den erhofften Erfolg und uns allen einen hohen persönlichen Ertrag an klärenden Erkenntnissen.

Sie werden verstehen, wenn ich, als Präsident unserer Gesellschaft und als Mitverantwortlicher für die kommende Jahrestagung, zum Schluss alle schon heute sehr herzlich zu dieser, erstmalig mit dem Deutschen Orthopädenkongress verflochtenen Tagung im November nach Berlin einlade und hoffentlich viele von Ihnen in Berlin begrüßen kann.