Skip to main content

Sexualhormone beeinflussen Schmerzlevel bei Fibromyalgie

Die Schmerzempfindung bei Fibromyalgie wird vermutlich auch durch Sexualhormone gesteuert. Eine Experimentalstudie verfolgte Hormonkonzentration und Fibromyalgie-Symptomatik bei Frauen, deren Hormonspiegel und Schmerzlevel täglich überwacht wurde.

Fibromyalgie-Beschwerden fluktuieren oftmals rasch und nicht vorhersehbar, was die Patienten zusätzlich zu den Schmerzen belastet. Schon seit längerem besteht der Verdacht, dass die Beschwerdeintensität auch hormonelle Ursachen haben könnte. Für diese Hypothese spricht, dass die Erkrankungsprävalenz zwischen Jungen und Mädchen bis zur Pubertät ausgeglichen ist, nach der Pubertät die Inzidenz bei Frauen aber im Vergleich zu Männern ansteigt. Experimentelle Untersuchungen unterstützen die Beobachtung. So schützt Testosteron vor verschiedenen Schmerzzuständen unter anderem über eine Beeinflussung peripherer Nozizeptoren und der zentralen nozizeptiven Prozessierung. Ähnliche Effekte sind auch für Progesteron beschrieben. In einer experimentellen Untersuchung wurden die täglichen Serumspiegel von Sexualhormonen und Kortison mit der Beschwerdeintensität bei Fibromyalgie-Patientinnen korreliert.

Einbezogen in die Untersuchung waren acht Frauen mit Fibromyalgie, regelmäßigem Menstruationszyklus und ohne Einnahme von Kontrazeptiva. Sie hatten sich mit der täglichen Abnahme von venösem Blut über 25 konsekutive Tage bereit erklärt und dokumentierten parallel dazu täglich ihre Fibromyalgiesymptome. Die Konzentrationen von Estradiol, Progesteron, Testosteron und Kortisol wurden mit den täglichen Veränderungen der Schmerzstärke assoziiert.

Bei allen acht Frauen korrelierten die Tag-zu-Tag-Fluktuationen sowohl von Progesteron als auch Testosteron invers mit der Schmerzstärke (p = 0,002 für Progesteron und p = 0,015 für Testosteron). Bei den Konzentrationen von Estradiol und Kortisol ließen sich dagegen keine auffälligen Assoziationen mit den Fibromyalgie-Schmerzverläufen erkennen. Die Frauen berichteten über vergleichsweise wenig Schmerzen in der Zyklusmitte und starken Fibromyalgie-Symptomen während der Menstruation, wenn die Sexualhormonkonzentrationen ihren Tiefstand erreichen. Zwischen Kortisolkonzentration und Schmerzsymptomatik waren in dieser Studie keine Beziehungen erkennbar.

Fazit: Bei Patientinnen mit Fibromyalgie sind hohe Serumspiegel von Progesteron und Testosteron mit einem niedrigen Schmerzlevel verknüpft, so das Ergebnis einer Experimentalstudie. Weitere Untersuchungen sollten diese Erkenntnisse nun komplettieren und Vorschläge für sexualhormongestützte Therapien erarbeiten.

Literatur

  • Schertzinger M et al. Daily fluctuations of progesterone and testosterone are associated with fibromyalgia pain severity. J Pain 2018;19:410–7

    Article  CAS  PubMed  Google Scholar 

Download references

Author information

Authors and Affiliations

Authors

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Verify currency and authenticity via CrossMark

Cite this article

Kreutzkamp, B. Sexualhormone beeinflussen Schmerzlevel bei Fibromyalgie. Schmerzmed. 34, 19 (2018). https://doi.org/10.1007/s00940-018-0804-8

Download citation

  • Published:

  • Issue Date:

  • DOI: https://doi.org/10.1007/s00940-018-0804-8