Die periphere arterielle Verschlusskrankheit: kein alter Hut!

Peripheral arterial occlusive disease: not old hat!

PAVK-Patienten werden weltweit immer häufiger [1, 2]. Gefäßchirurgen über die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) zu berichten, bedeutet „Eulen nach Athen tragen“. Die PAVK ist immer das wichtigste Aufgabengebiet im gefäßchirurgischen Alltag gewesen. An der Chirurgischen Universitätsklinik Erlangen gab es seit Ende der 1970er-Jahre das geflügelte Wort „Pop nach 8“. Das spielte auf die Radiosendung von Thomas Gottschalk im Bayerischen Rundfunk an, bedeutete aber leider, dass der Gefäßchirurg Bypassoperationen, die vom Tagesprogramm übriggeblieben waren, nachts durchführen musste. Schon damals gab es mehr PAVK-Patienten, als Gefäßchirurgen und OP-Kapazität zur Verfügung standen. Die PAVK, insbesondere im Zusammenhang mit dem Diabetischen Fußsyndrom (DFS), war kein Gebiet, um sich spektakulär zu profilieren. Viele Gefäßchirurgen beschäftigten sich lieber mit Karotisstenosen oder Aortenaneurysmen.

Die moderne gefäßchirurgische Behandlung der PAVK beruht auf Jahrzehnte alten Techniken, ergänzt durch neue endovaskuläre Methoden oder deren Kombination. Leider haben uns die endovaskulären Gefäßmediziner erheblich unter Druck gesetzt, als ob „endovascular first“ zum Dogma werden und die Gefäßchirurgie sich zurückziehen solle. Mit neuen endovaskulären, meist industriegesponserten Studien wollen sie neue Standards setzen, gegen die wir uns mit unseren guten Langzeitergebnissen, denen eine hohe wissenschaftliche Evidenz fehlt, kaum wehren können.

Hinzu kommt, dass über die PAVK weder in der Bevölkerung noch bei den meisten ärztlichen Kollegen weitreichende Kenntnisse bestehen. Patienten mit PAVK sind unbeachtet, unterbewertet und unterversorgt [3, 4].

“Patienten mit PAVK sind unbeachtet, unterbewertet und unterversorgt”

Die Kommission „PAVK und DFS“ der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie will sich bei Ärzten und Patienten für mehr Interesse an der PAVK einsetzen. Da wir die Kernfragen zur Behandlung der PAVK, nämlich: „Was ist besser, endovaskulär oder offen-chirurgisch, in welcher Lokalisation, bei welchem Verschlussmuster, in welchem Stadium der PAVK?“ nicht beantworten können, versuchen wir, über bisher weniger beachtete Aspekte der Sache näher zu kommen.

P. Calo et al. geben einen Überblick über Epidemiologie, Ursachen, Häufigkeit und die gesundheitspolitische Bedeutung der PAVK. Dabei wird deutlich, wie wenig die PAVK öffentlich und ärztlich als ernsthaftes Problem wahrgenommen wird, insbesondere als Markererkrankung für eine koronare Herzkrankheit. C. Uhl et al. berichten über die Ergebnisse von endovaskulären und offen-chirurgischen Revaskularisationen bei über 80-Jährigen. Das ist sehr aktuell in Anbetracht der immer älter werdenden Gefäßpatienten. G. Rümenapf diskutiert den Stellenwert von strukturiertem überwachten Gehtraining bei Claudicatio intermittens angesichts der zunehmenden Zahl der Angioplastien bei diesen Patienten. C. A. Behrendt beschäftigt sich mit dem Wert von industriegesponserten Therapiestudien am Beispiel von paclitaxelbeschichteten Devices. U. Rother berichtet über das Angiosomen-Konzept in der Behandlung der chronischen kritischen Beinischämie (CLI). Er greift auf eigene experimentelle Daten zurück und relativiert die Euphorie der interventionellen Kollegen. T. Sagban beschreibt therapeutische Alternativen zur Amputation bei nicht rekonstruierbaren Patienten mit CLI („no-option“). Erschreckend ist, wie wenig Evidenz die meisten dieser Verfahren haben.

Im Namen der Kommission möchte ich Sie noch auf unsere neuen, frei verfügbaren (open access) CME-Artikel über das Diabetische Fußsyndrom [5, 6] aufmerksam machen, die aktuell in der Zeitschrift „Der Chirurg“ erschienen sind.

Mit herzlichen Grüßen!

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Prof. Dr. Gerhard Rümenapf

Literatur

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Rümenapf, G. Die periphere arterielle Verschlusskrankheit: kein alter Hut!. Gefässchirurgie 26, 79–80 (2021). https://doi.org/10.1007/s00772-021-00748-2

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