Spektrum der Augenheilkunde

, Volume 28, Issue 5, pp 205–209 | Cite as

Ein-Jahresergebnisse des Qualitätssicherungsprojekts bei vitreoretinaler Chirurgie bei „macular pucker“ im Krankenhaus Hietzing

  • Michael Burgmüller
  • Sibylla Richter-Müksch
  • Paul Irsigler
  • Birgit Weingessel
  • Pia Veronika Vécsei-Marlovits
originalarbeit

Zusammenfassung

Hintergrund

Im Gesundheitswesen ist die Sicherung der Qualität der medizinischen Betreuung eine zentrale Forderung geworden. Die Augenabteilung des Krankenhauses Hietzing hat an einem Projekt zur Sicherung der Qualität in der vitreoretinalen Chirurgie bei epiretinalen Membranen teilgenommen.

Methoden

Zwei Fragebögen wurden entwickelt. Der erste wurde zum Zeitpunkt der Operation ausgefüllt und der zweite ein Jahr nach der Operation.

Resultate

72,25 % der Patienten bemerkten eine subjektive Verbesserung ihrer Sehkraft und 82,5 % der Patienten würden sich nachträglich erneut für eine Operation entscheiden.

Schlussfolgerung

Kontinuierliche Qualitätssicherung ist ein zentraler Bestandteil modernen Qualitätsmanagementsysteme. Erwartungsgemäß gaben Patienten mit einer Verbesserung ihrer Sehkraft an, sich erneut für eine Operation zu entscheiden, während Patienten mit Sehverschlechterung nachträglich eher von einer Operation Abstand nehmen würden.

Schlüsselwörter

Qualitätssicherung Vitreoretinale Chirurgie Macular pucker 

One year results of macular pucker surgery in vitreoretinal surgery at Hietzing Hospital, a quality assurance project

Summary

Background

Modern society demands the assurance of high medical quality in health care. The Department of Ophthalmology at Hietzing Hospital Vienna took part in a study of quality assurance of the Austrian Ophthalmological Society to evaluate vitreo-retinal surgery in patients with macular pucker.

Methods

Two questionnaires were developed. The first one was answered at the time of surgery, the second one, one year after surgery.

Results

72.25 % of patients noticed positive development in their vision. 82.5 % of patients would undergo surgery again.

Conclusion

Continuous quality control is an important part of modern health care systems. Patients with increased visual acuity after surgery would recommend surgery, whereas patients with decrease in visual acuity would not undergo surgery again.

Keywords

Quality assurance Vitreoretinal surgery Macular pucker 

Hintergrund

Um der zentralen Forderung zur Sicherung der ärztlichen Qualität im Gesundheitswesen nachzukommen, hat die Augenabteilung des Krankenhauses Hietzing an einem Qualitätssicherungsprojekts [1]der Netzhautkommission der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG) teilgenommen. Die kontinuierliche Evaluierung von Eingriffen ist ein zentraler Bestandteil verschiedener Qualitätsmanagementsysteme.

Eingeschlossen wurden Patienten mit primärem oder sekundärem Macular pucker. Ausgeschlossen wurden Patienten mit durchgreifenden Makulaforamen, sowie Patienten mit bestehender Netzhautablösung. Wie bereits in Studien gezeigt wurde, profitieren Patienten bezüglich ihrer visuellen Lebensqualität von der vitreoretinalen Chirurgie, insbesondere bei schlechtem Ausgangsvisus [2, 3].

Ziel der Untersuchung war die Datenerhebung und Auswertung der qualitätsrelevanten Parameter im Bereich der vitreoretinalen Chirurgie in Österreich.

Dies ist der Bericht über die Ergebnisse der Kontrolle ein Jahr nach der Operation.

Material und Methoden

Zwei unterschiedliche Fragebögen wurden entwickelt, von denen der eine zum Operationszeitpunkt und der andere sechs Monate und ein Jahr nach der Operation ausgefüllt wurden. Im Rahmen der Voruntersuchungen wurden unterschiedliche Daten bezüglich des Eingriffs erhoben und in den vorgefertigten Fragebogen eingetragen. Erhoben wurden der beste korrigierte Fernvisus, Jäger Nahvisus, Voroperationen und Linsenstatus, zentrale Netzhautdicke, verwendeter Farbstoff, Art der Tamponade sowie Besonderheiten im postoperativen Verlauf (Abb. 1).
Abb. 1

Fragebogen der Studie 1

Anhand eines Verlaufsfragebogens wurden nach sechs Monaten und einem Jahr erneut Kontrolluntersuchungen durchgeführt und die erhobenen Daten in den Fragebogen eingetragen. Folgende Parameter wurden erfasst: Bester korrigierter Fernvisus, Jäger Nahvisus, zentrale Netzhautdicke im OCT, Linsenstatus, Besonderheiten im Verlauf, sowie die subjektive Zufriedenheit des Patienten (Abb. 2).

Abb. 2

Fragebogen der Studie 2

Eingeschlossen wurden 86 Patienten, welche vom 11.1.2010 bis 6.12.2011 operiert wurden.

Zur Berechnung des Visus wurden die Snellen-Werte in LogMAR- Werte umgerechnet. Im Falle einer Katarakt wurde diese ebenfalls im Rahmen des vitreoretinalen Eingriffs operiert.

Resultate

Insgesamt wurden 86 Patienten im Alter von 46 bis 88 Jahren in die Studie eingeschlossen. Das mittlere Alter betrug rund 73 ± 7,5 Jahre. Alle Patienten wurden mittels 23 Gauge Vitrektomie operiert. ILM Färbung erfolgte bei allen Patienten mit Brillant Blue. Bei allen Operationen erfolgte nach dem Membranpeeling auch eine ILM-Delamination. Sechs Patienten erschienen nicht zur geplanten Nachkontrolle, somit wurden 80 Patientenfragebögen ausgewertet. Davon waren 44 (55 %) Frauen und 36 (45 %) Männer.

Komplikationen:

Neun Patienten entwickelten ein Rezidiv der ERM. Sechs Patienten entschieden sich erneut für eine Operation und drei lehnten einen weiteren Eingriff ab.

Bei einem Patienten trat unmittelbar vor dem Ein-Jahres-Kontrolltermin eine Glaskörperblutung auf. Zwei Patienten erhielten zwischenzeitlich eine YAG-Kapsulotomie und bei zwei weiteren Patienten wurde diese beim Kontrolltermin durchgeführt. Ein Patient hatte zwischenzeitlich eine Netzhautablösung und ein weiterer Patient entwickelte zwischenzeitlich eine CNV.

Acht Patienten hatten eine klare Linse vor der OP, 48 hatten eine Katarakt, welche ebenfalls im Rahmen der OP entfernt wurde. 24 Patienten waren bereits vor der vitreoretinalen Operation pseudophak, wobei drei einen Visus beeinträchtigenden Nachstar hatten, welcher intraoperativ mittels Kapsulektomie entfernt wurde.

Die zentrale Netzhautdicke betrug präoperativ durchschnittlich 445 ± 105 µm und nahm nach einem Jahr signifikant (p < 0,001) um durchschnittlich 64 ± 102 µm ab. Im Vergleich zur halbjährlichen Kontrolle zeigte sich eine durchschnittliche Abnahme um 5,5 ± 63 µm, welche nicht signifikant (p > 0,05) war. Bei dreizehn Patienten kam es zu einer Zunahme der zentralen Netzhautdicke um durchschnittlich 61  ±  77 µm.

Der präoperative Visus betrug durchschnittlich LogMar 0,5 ± 0,27 und verbesserte sich signifikant (p < 0,001) ein Jahr postoperativ auf durchschnittlich LogMar 0,28 ± 0,34.

Bei den zusätzlich Katarakt-operierten Patienten war der Visusanstieg am deutlichsten von LogMar 0,5 ± 0,28 auf 0,25 ± 0,33 und mit p < 0,001 hoch signifikant. Auch die Patienten, welche bereits pseudophak waren beziehungsweise präoperativ eine klarer Linse hatten, wiesen eine signifikante (p = 0,003) Verbesserung ihrer Sehleistung von LogMar 0,48 ± 0,25 auf 0,32 ± 0,31 auf.

Ein Jahr nach der Operation waren 66 Patienten (82,5 %) der Ansicht, dass sie sich erneut für die Operation entscheiden würden. Drei Patienten waren sich nicht sicher und elf Patienten (13,75 %) würden sich rückblickend nicht mehr operieren lassen.

Subjektiv bemerkten 61 Patienten (76,25 %) eine Verbesserung der Sehkraft im Vergleich zur Sehleistung vor der Operation, welche sich auch objektiv im Visus zeigte. Lediglich ein Patient entwickelte zwischenzeitlich eine Netzhautablösung, konnte seinen präoperativen Visus jedoch behalten. Fünf Patienten bemerkten keinen Unterschied und 14 Patienten (17,5 %) gaben eine subjektive Verschlechterung der Sehkraft an.

Von den elf Patienten, welche sich nachträglich nicht erneut operieren lassen würden, hatten vier Patienten eine objektive Verbesserung ihres Visus. Vier weitere Patienten hatten einen objektiv schlechteren Visus und bei drei Patienten blieb die Sehkraft objektiv unverändert im Vergleich zum Zeitpunkt vor der OP.

Schlussfolgerung

Kontinuierliche Qualitätssicherung ist ein zentraler Bestandteil moderner Qualitätsmanagementsysteme. In einer Analyse der Kosten in Relation zur gewonnenen Lebensqualität konnte sich die vitreoretinale Chirurgie im Vergleich zu anderen interventionellen Verfahren in der Medizin als kosteneffektiv bewähren [4].

Erwartungsgemäß ist ein Anstieg des Visus für die Patienten ein wichtiger Faktor, an dem der OP Erfolg gemessen wird [5, 6]. Die bei einigen Patienten gleichzeitig durchgeführte Katarakt Operation hatte dabei sicherlich einen nicht unwichtigen Anteil an der Visusverbesserung [5]. Insgesamt wurde bei 48 Patienten eine den Visus beeinträchtigende Katarakt im Rahmen der OP entfernt. Dies spiegelt sich in den Ergebnissen wider.

Patienten mit einer subjektiven Sehverbesserung nach vitreoretinaler Chirurgie waren auch mit dem Ergebnis zufrieden und würden sich auch nachträglich erneut für eine OP entscheiden, während Patienten mit einem Rezidiv und ohne Sehverbesserung rückblickend eher von einer Operation Abstand nehmen würden. Insgesamt hat der Großteil der Patienten, 76,25 % der Patienten, subjektiv von der Operation profitiert.

Dass sich einige Patienten mit fehlendem Visusanstieg nachträglich erneut für eine OP entscheiden würden, könnte durch eine Reduktion der Metamorphopsien erklärt werden [7, 8]. Zudem wurde in der Literatur bereits darauf hingewiesen, dass der Visus die subjektive Verbesserung der Sehleistung eines Patienten nach vitreoretinaler Chirurgie unterschätzt [9]. Bei Patienten nach vitreoretinaler Chirurgie zeigte sich eine Verbesserung der Mikroperimetrie auch bei fehlendem Visusanstieg [9]. Eine Mikroperimetrie war bei dieser Studie jedoch nicht Teil der Nachuntersuchung.

Zusammenfassend ist eine kontinuierliche Evaluierung der Therapiemethoden und Ergebnisse ein zentraler Bestandteil der klinischen Tätigkeit. Diese stellt sich im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses als besonders wichtig dar.

Interessenkonflikt

Der Autor gibt an, dass für sich und seine Koautoren kein Interessenkonflikt in Zusammenhang mit diesem Artikel besteht.

Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag Wien 2014

Authors and Affiliations

  • Michael Burgmüller
    • 1
    • 2
  • Sibylla Richter-Müksch
    • 1
    • 2
  • Paul Irsigler
    • 1
    • 2
    • 3
  • Birgit Weingessel
    • 1
    • 2
  • Pia Veronika Vécsei-Marlovits
    • 1
    • 2
  1. 1.Augenabteilung, KH HietzingWienÖsterreich
  2. 2.Karl Landsteiner Institut für Prozessoptimierung und Qualitätsmanagement in der Katarakt-ChirurgieWienÖsterreich
  3. 3.Pflegewohnhäuser der Stadt WienWienÖsterreich

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