Editorial

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Liebe Leserin, lieber Leser,

„Jetzt machen schon die Steineklopfer auf Bildung!“ hörte ich aus der ersten Reihe einen Zuhörer seinem Nachbarn zuflüstern, nachdem ich auf einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft einen Vortrag hielt. Das war 2007 in Wuppertal, und ich sprach über ungleiche Bildungschancen im städtischen Raum. In meinem Vortrag zeigte ich einen Zusammenhang zwischen der Sozialstruktur der Stadtteile und dem jeweiligen lokalen Schulwahlverhalten auf. Abgesehen von dem Missverständnis, dass ich kein Geologe, sondern Humangeograph bin, zeigt der Kommentar aus dem Publikum, dass es vor etwa zehn Jahren – zumindest für Erziehungswissenschaftler – anscheinend überraschend war, Bildung und Pädagogik in räumlichen und geographischen Kontexten zu betrachten. Dabei blicken räumliche Fragestellungen der Bildung auf eine lange Geschichte zurück, wie u. a. das im letzten Jahr erschienene Buch „Bildungsgeographie“ von Freytag, Jahnke und Kramer zeigt. Aktuell unterliegt die Geographie der Bildung einem wachsenden Interesse; bildungsgeographische Fragestellungen werden zunehmend auch wieder von Erziehungs- und Sozialwissenschaftlern oder Bildungsökonomen aufgegriffen. Der Raum hat dabei oftmals eine erklärende Rolle und ihm wird eine steuerungsrelevante Funktion zugeschrieben.

Im ersten Artikel befassen sich Jörg Plöger und Florian Günther mit der Ortsbindung hochqualifizierter Migranten. Im Rahmen einer Interviewstudie in Münster stellen sie dabei u. a. die große Bedeutung der sozialen Beziehungen vor Ort heraus.

Anna Makles stellt Ergebnisse einer Evaluationsstudie der Universität Wuppertal vor. Sie hinterfragt, ob das Angebot der Wuppertaler Kinder- und Jugenduniversität (Junior Uni) das gesteckte Ziel erreicht, jungen Menschen aus allen Sozialschichten ein attraktives Angebot zu bieten.

Thomas Groos stellt am Beispiel der Stadt Mülheim an der Ruhr zwei Verfahren vor, die, ausgehend von kleinräumigen Informationen, eine bedarfsgerechte Ressourcenzuweisung an Schulen unterstützen können.

Mein eigener Artikel befasst sich ebenfalls mit Steuerungsinstrumenten im Bereich der schulischen Bildung und stellt zwei Ansätze aus Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden vor. Seit längerem erfolgt hier eine Ressourcensteuerung der Mittel für Schulen unter anderem auf Basis von sozialräumlichen Eckdaten.

Ich wünsche allen (auch den „Steineklopfern“) eine interessante Lektüre mit dem neuen STANDORT.

Tobias Terpoorten

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Terpoorten, T. Editorial. Standort 40, 227 (2016). https://doi.org/10.1007/s00548-016-0458-5

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