Zusammenfassung
Die Donau östlich von Wien war ursprünglich ein wilder, weit verzweigter Fluss mit einer annähernd stabilen Sohlhöhe. Durch die Regulierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie morphologisch grundlegend verändert, zunächst kam es aber durch die stromaufwärtigen Regulierungen und den dadurch bedingten Geschiebeeintrag zu starken Auflandungen, danach blieben Sohlhöhe und Wasserspiegel bis etwa in die 1940er-Jahre etwa auf gleichem Niveau. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sanken Sohllage, Niederwasser- und Mittelwasserstände deutlich ab, und dieser Trend läuft – verstärkt durch den Kraftwerksausbau – auch heute weiter, trotz ständiger Geschiebezugaben zur Sicherung des Unterwassers am Kraftwerk Wien-Freudenau. Weiter östlich, ab der österreichisch-slowakischen Grenzstrecke, macht sich der Stau des Kraftwerks Gabčikovo bemerkbar, der größte Teil des ausgetragenen Geschiebes wird dort wieder abgelagert. In der vorliegenden Arbeit werden diese Prozesse aufgrund hydrografischer Beobachtungen in ihrem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang untersucht, und es wird, gestützt auf aktuelle Sohlaufnahmen, eine Geschiebebilanz erstellt und mit den Ergebnissen früherer Untersuchungen verglichen. Die Sohlerosion hat für die Donauauen und den dortigen Nationalpark weitreichende Folgen, speziell durch Verlandung und Verbuschung der Seitenarme, dies wird durch flächige Feinsedimentablagerungen im Vorland und die Bildung eines Uferwalles weiter verstärkt. Langfristig gesehen werden dadurch auch der Hochwasserschutz und andere wasserwirtschaftliche Ziele nachteilig berührt.
Abstract
The Danube east of Vienna was originally an untamed, widely branching river with an approximately stable bed elevation. Regulation in the second half of the 19th century changed its morphology fundamentally—initially through upstream regulation and the consequent bedload deposit resulting in heavy aggradation—and subsequently left the bed elevation and water level almost the same until around the 1940s. Only in the second half of the 20th century did the bed elevation and low and mean water levels decrease significantly, and this trend—amplified by the power plant extension—continues today, despite constant bedload dumps to ensure the tailwater supply for the power plant at Vienna Freudenau. Further east from the Austrian-Slovak stretch of border, congestion due to the Gabčíkovo power plant becomes apparent: most of the bedload is again deposited here. This study investigates these processes using hydrographic observations in their spatial and temporal context, and, based on actual bed elevation measurements, creates a bedload balance and compares it with the results of previous studies. Bed erosion in the Danube floodplains and the local national park has far-reaching consequences, especially through siltation and scrub encroachment in the river’s branches, which are further amplified by flat, fine sediment deposits in the foothills and the formation of embankments. In the long term, flood and other water management objectives will also be adversely affected.





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Danksagung
Wir danken der via donau – Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH für die zur Verfügung gestellten Stromsohlaufnahmen; im Besonderen danken wir Hrn. DI Simoner (via donau) für die fachliche Diskussion und Informationen zum aktuellen Wasserstraßenmanagement der via donau.
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Klasz, G., Gabriel, H., Habersack, H. et al. Ausmaß und Dynamik der Sohlerosion der Donau östlich von Wien – flussmorphologische und wasserwirtschaftliche Aspekte. Österr Wasser- und Abfallw 68, 199–207 (2016). https://doi.org/10.1007/s00506-016-0309-4
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