Labordiagnostik in der Rheumatologie

Laboratory diagnostics in rheumatology

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es freut uns sehr, in ein Themenheft einführen zu können, in dem wichtige Themen zum rheumatologischen Labor aufgearbeitet werden. Neben den bildgebenden Verfahren sind es spezielle Laboruntersuchungen, die einen wesentlichen Baustein in der Diagnostik darstellen und zur Profilschärfung der Rheumatologie in den letzten Jahrzehnten beigetragen haben. Erst durch die Weiterentwicklung rheumaserologischer Verfahren sind viele entzündlich-rheumatische Erkrankungen sicher diagnostizierbar geworden – die Grundvoraussetzung für eine differenzierte Therapie. Das rheumatologische Labor hat sich nach der Erstbeschreibung von Immunphänomenen wie dem Rheumafaktor oder den Antinukleären-Antikörpern (ANA) stetig weiterentwickelt und neuen Herausforderungen gestellt. Es wird deshalb in der Weiterbildung zum Rheumatologen auch weiterhin einen essenziellen Abschnitt „Rheumalabor“ geben. Die Wertung immunologischer Befunde im Kontext der individuellen klinischen Situation ist zentraler Bestandteil unserer Tätigkeit, egal ob in der Praxis oder in der Klinik. In diesem Zusammenhang widmet sich Ullrich von Hinüber den Besonderheiten des Rheumalabors in der Praxis und unterstreicht die Relevanz der simultanen und zeitnahen Beurteilung von klinischen und immunologischen Befunden durch den erfahrenen Rheumatologen. Neben Budgetierung ist es vor allem die Qualität des individuellen Gesamtbefunds in der Erst- und Verlaufsdiagnostik, der in der Hand des erfahrenen Rheumatologen zu richtigen klinischen Entscheidungen führt.

“Durch die Weiterentwicklung rheumaserologischer Verfahren sind rheumatische Erkrankungen sicher diagnostizierbar”

Klaus Hartung erläutert die zunehmenden Anforderungen im Qualitätsmanagement (QM), die auch für die rheumatologische Labordiagnostik erfüllt werden müssen. Die Automatisierung in den Großlabors hat die Weiterentwicklung des QM zwangsläufig erforderlich gemacht und gewinnt zunehmend an Bedeutung auch für Analyte in kleineren Laboreinheiten, wie wir sie in der rheumatologischen Praxis oder den Fachkliniken oftmals vorfinden. Der Beitrag geht auf die einzelnen Abschnitte der Qualitätssicherung ein. Zugleich verweist er darauf, dass sich die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), die sich unter Beratung der Laborkommission sehr intensiv mit diesen Aspekten auseinandersetzt, um mittel- und langfristig den Herausforderungen auch auf der Ebene des QM in der rheumatologischen Labordiagnostik gewachsen zu sein. Nur so wird es gelingen, dass die rheumatologische Spezialdiagnostik weiterhin durch die Rheumatologen selbst erbracht wird, was eine patientenbezogene Befundeinschätzung auf qualitativ höchstem Niveau garantiert. Die in der Qualitätssicherung hinterlegten Testgütekategorien „positiver bzw. negativer prädiktiver Wert, Sensitivität, Spezifität, falsch positiv, falsch negativ“ beziehen sich auf den qualifizierten Abgleich zwischen Klinik und Laborergebnis. Dieses Prinzip konsequent umsetzend, ist es den Rheumatologen gelungen, unser Fachgebiet entscheidend weiterzuentwickeln und auf eine neue Stufe zu stellen. Schließlich liegt gerade auch darin das Potenzial für diagnostische Innovationen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

“Die rheumatologische Spezialdiagnostik sollte weiterhin durch die Rheumatologen selbst erbracht werden”

Für diesen Bereich der Neuentwicklungen bzw. für aktuelle Aspekte gängiger Untersuchungsverfahren der Labordiagnostik in der Rheumatologie stehen drei Beiträge in dieser Ausgabe. Elisabeth Kling und Matthias Wahle geben eine aktuelle Übersicht über die Immundiagnostik bei Arthritiden und bewerten dabei u. a. den Stellenwert der durch Carbamylierung und Oxidation posttranslational modifizierten Proteine für die Diagnostik der rheumatoiden Arthritis. Boris Ehrenstein und Udo Reischl fokussieren ihre Übersichtsarbeit auf die molekulargenetischen Untersuchungsmöglichkeiten in der speziellen Differentialdiagnose wichtiger erregerbedingter Gelenkerkrankungen, wie der Lyme-Arthritis, des Morbus Whipple sowie besonderer Konstellationen bei der Hepatitis-B-Virus(HBV)-Infektion. Ergänzt werden diese Übersichtsarbeiten durch einen Beitrag von Rudolf Mierau, der sich einer neuen Thematik der ANA-Diagnostik widmet. Eine Subgruppe der ANA mit einem „dense fine speckled“-Muster in der Immunfluoreszenzdiagnostik stellen Antikörper gegen DSF70/LEDGF dar. Deren sicherer Nachweis schließt das Vorliegen einer Kollagenose aus! Gerade diese Arbeit zeigt exemplarisch, wie wichtig die gebündelte Expertise von Klinik und Labor an dieser besonderen Schnittstelle für eine optimale Versorgung von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen ist und wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die tägliche Praxis integriert werden müssen.

Wir hoffen, dass Ihnen die Beiträge wertvolle Anregungen geben und wünschen Freude an der Lektüre!

Herzlichst!

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Ihr Martin Fleck

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Ihr Thomas Dörner

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Correspondence to Prof. Dr. T. Dörner or Prof. Dr. M. Fleck.

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T. Dörner und M. Fleck geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Dörner, T., Fleck, M. Labordiagnostik in der Rheumatologie. Z Rheumatol 75, 354–355 (2016). https://doi.org/10.1007/s00393-016-0087-1

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