„PuppetBegleitung“ – ein geragogisch fundierter Begleitungsansatz

“Puppet accompaniment”—A geragogically based accompaniment approach

Zusammenfassung

Hintergrund

Häusliche Pflege von Menschen mit Demenz (MmD) ist mit speziellen Bedarfen verbunden und erfordert geeignete Unterstützungsangebote, aus geragogischer Sicht Lern- und Entwicklungsimpulse. Der begleitete Einsatz robotischer Technik kann ein passender Weg sein.

Ziel der Arbeit (Fragestellung)

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojektes (FuE) „OurPuppet“ (2016–2019) war ein Begleitungsprofil zu entwickeln und erproben, um eine technische Intervention (sensorbasiertes, robotisches System in Gestalt einer Puppe) in die häusliche Pflege von MmD einzuführen, Techniklernen anzuregen, Techniknutzung zu motivieren und zur Stabilität der Pflegesituation beizutragen.

Material und Methoden

Teilstandardisierte, qualitative Evaluation der Konzeption im Vorbereitungskurs für das Begleitungsprofil; qualitative, prozessbegleitende Evaluation des Begleitungsprofils in einem explorativen mehrmonatigen Praxistest mit 5 Familien.

Ergebnisse und Diskussion

Vorgestellt wird der im FuE „OurPuppet“ entwickelte, erprobte und evaluierte geragogisch fundierte Begleitungsansatz „PuppetBegleitung“. Partizipatives Vorgehen bei der Curriculumentwicklung und selbstbestimmtes Lernen können als Gelingensfaktoren für die Aneignungsprozesse gesehen werden. Die begleitete Technikeinführung hat sich als gewinnbringend erwiesen. Der Mehrwert, den die Nutzenden durch die Begleitung erfahren haben, kann nicht allein durch nutzerorientierte Technikgestaltung erreicht werden. Machbarkeit und Akzeptanz des auf Technik und Begleitung ausgelegten Ansatzes im Kontext häuslicher Pflege von MmD sind belegt worden. Für die Weiterentwicklung sind mit der Einrichtung der „Netzwerkstelle für Engagement, Unterstützung und Begleitung“ an der Hochschule für Gesundheit Bochum (hsg) nachhaltige Strukturen geschaffen worden.

Abstract

Background

Home care for older people with dementia (PwD) is associated with special needs and requires appropriate support services as well as learning and developmental impulses from a geragogical perspective. The accompanied use of robotic technology can be a suitable approach.

Objective

In the Federal Ministry for Education and Research (BMBF)-funded research and development (R and D) project “OurPuppet” (2016–2019), an accompaniment profile was to be developed and tested in order to introduce a technical intervention (sensor-based robotic system in form of a puppet) into the home care of PwD. The aim was to stimulate technology learning, to motivate the use of technology and to contribute to the stability of the care situation.

Material and methods

A partially standardized and qualitative evaluation of the concept in the preparation course for the accompaniment profile and a qualitative in-process evaluation of the accompaniment approach in an explorative practical test over several months within five families took place.

Results and conclusion

The puppet accompaniment approach, which was developed, tested and evaluated in the R and D project “OurPuppet” is presented. The participatory curriculum development and self-determined learning can be seen as success factors for the appropriation processes. The accompanied introduction of techniques has proven to be profitable. The added value experienced by the users goes far beyond a user-oriented technology design. The feasibility and acceptance of the technology and support approach in the context of home care of PwD has been proven. For further development, sustainable structures have been created with the establishment of the Network Center for Engagement, Support and Accompaniment at the „Hochschule für Gesundheit Bochum“ (hsg).

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Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3

Notes

  1. 1.

    In einer Familie wurde der Praxistest aufgrund massiver Verschlechterung der Demenzsymptome und mangelnder Akzeptanz der Puppe durch den MmD vorzeitig nach nur einem Monat beendet.

  2. 2.

    Der vorzeitig ausgeschiedene Teilnehmende ist in der Tabelle nicht berücksichtigt.

  3. 3.

    Seit Beginn der Bemühungen um den Ansatz der Pflegebegleitung wurden bundesweit, in Österreich und der Schweiz mehr als 2500 Personen ausgebildet [6]. Mit der Weiterentwicklung des Pflegegesetzes (2008, 2013) bis zum Pflegestärkungsgesetz (2015) wurde das freiwillige Engagement als ergänzender Ansatz in der Versorgung gesetzlich verankert (§ 45d Abs. 2 SGB XI).

  4. 4.

    Begleitende können freiwillig Engagierte und professionell Tätige sein.

  5. 5.

    Vgl. Abschn. „Die PuppetBegleitung“: In einer Familie wurde der Praxistest vorzeitig beendet.

  6. 6.

    Ausschließlich erhoben in den selbst zu wählenden Themenblöcken.

  7. 7.

    Ausschließlich erhoben in den Kursen zur Technikeinführung.

  8. 8.

    In diesem Beitrag werden ausschließlich Ergebnisse mit thematischem Bezug zur Konzeption der PuppetBegleitung dargestellt; eine differenziertere Darstellung der Gesamtevaluation ist in Vorbereitung.

  9. 9.

    Weiterführende erste Ergebnisse zu Akzeptanz, Potenzialen und Grenzen der M‑T‑I im FuE „OurPuppet“ stellen Reuter und Kuhlmann [16] dar.

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Correspondence to Prof. Dr. habil. Renate Schramek.

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Interessenkonflikt

R. Schramek, V. Reuter und A. Kuhlmann geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.

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Schramek, R., Reuter, V. & Kuhlmann, A. „PuppetBegleitung“ – ein geragogisch fundierter Begleitungsansatz. Z Gerontol Geriat (2020). https://doi.org/10.1007/s00391-020-01813-3

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Schlüsselwörter

  • Robotertechnik
  • Demenz
  • Techniklernen
  • Häusliche Pflege
  • Partizipatives Vorgehen

Keywords

  • Robotics
  • Dementia
  • Technology learning
  • Home care
  • Participatory approach