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(Ehe‑)Partnerschaft im Kontext der Pflegebedürftigkeit

  • Marina Vukoman
  • Harald RüßlerEmail author
Themenschwerpunkt

Zusammenfassung

Hintergrund

(Ehe‑)Partner*innen sind eine der größten Gruppen pflegender Angehöriger in Deutschland und daher sehr bedeutend für die Aufrechterhaltung des deutschen Pflegesystems. Aus diesem Grund beschäftigt sich dieser Beitrag mit der Bewältigung von Pflegebedürftigkeit in Paarbeziehungen sowie mit den Ressourcen und ihren Ambivalenzen.

Ziel der Arbeit

Hintergrund der vorliegenden Ausführungen ist das Projekt „Pflege im Quartier“ (PiQ); dieses geht u. a. den Fragen nach, wie die verschiedenen häuslichen Pflegesettings älterer Menschen organisiert sind, und welche Probleme und Bedarfe dabei sichtbar werden. Es wird die Ehepartner*innenpflege fokussiert.

Material und Methoden

Auf Basis fallkontrastiver Auswertung leitfadengestützter Einzel- und Paarinterviews werden Strategien der Befragten zur Bewältigung der Pflegesituation rekonstruiert. Die Analyse egozentrierter Netzwerkkarten zeigt, ergänzend zu den Interviews, Problemfelder und Ressourcen der Paare auf.

Ergebnisse

Die pflegenden Ehepartner*innen des Samples machen auf unterschiedliche Strategien in Bezug auf die Aufrechterhaltung ihrer Beziehung aufmerksam. Zudem zeigen sich deutliche Ambivalenzen in Bezug auf vermeintliche – und oft ausschließlich positiv konnotierte – Ressourcen des Unterstützungsnetzwerks.

Diskussion

Der Beitrag hebt die Besonderheiten von (Ehe)Partner*innenpflege heraus. Auf Grundlage der Erkenntnisse werden Implikationen für die Praxis und (kommunale) Pflegepolitik abgeleitet, zur Verbesserung der Situation von älteren pflegenden (Ehe‑)Partner*innen und damit ihrer jeweiligen Lebensbedingungen.

Schlüsselwörter

Pflegende Angehörige Eheliche Beziehung Soziale Unterstützung Netzwerk Kommunale Pflegepolitik 

Partnership in the context of care dependency

Abstract

Background

Partners are one of the largest groups of caring relatives in Germany and are therefore very important for the maintenance of the German care system. For this reason, this article deals with coping with care situations in partnerships as well as with resources and ambivalences.

Objective

The background to this article is the project “Care in the neighborhood” (PiQ). This study investigated the question of how the various home care settings of older people are organized and what problems and needs become visible in the process. This article focuses on caregiving for partners.

Material and methods

Based on a case contrastive evaluation of guideline-supported individual and couple interviews, strategies of the couples for coping with the care situation were reconstructed. In addition to the interviews the analysis of egocentric network cards showed the problem areas and resources of the couples

Results

The caring partners in this sample showed different strategies for maintaining the relationship. In addition, there were ambivalences with respect to assumed and often exclusively positively connoted resources of the support network.

Conclusion

This article highlights the special situation of caring partners. Based on the findings implications for the practice and (local) care policy are derived for improving the situation of older caregiving partners and thus their respective living conditions.

Keywords

Family caregivers Marital relationship Social support Network Local care policy 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

M. Vukoman und H. Rüßler geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien. Von allen an der Befragung Beteiligten liegt eine schriftliche Einverständniserklärung vor. Die Zustimmung einer Ethikkommission war nicht erforderlich.

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Soziale Arbeit und SozialpolitikUniversität Duisburg-EssenEssenDeutschland
  2. 2.Fachbereich Angewandte SozialwissenschaftenFachhochschule DortmundDortmundDeutschland

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