Hintergrund
Internationale Studien weisen darauf hin, dass Demenzerkrankungen in der Hausarztpraxis oft erst spät erkannt werden. Rein wissensvermittelnde Interventionen konnten daran nicht nachhaltig etwas ändern; gefordert sind Konzepte der Einstellungsänderung bei Hausärzten/innen.
Fragestellung
Welche Barrieren wirken auf die hausärztliche Erkennung und diagnostische Herangehensweise bei Demenz? Welche Empfehlungen für ein hausärztlich-diagnostisches Vorgehen lassen sich daraus ableiten?
Methoden
Metasynthese qualitativer Studien mit Hausärzten/-ärztinnen zu Barrieren der Demenzerkennung; Explikation des „Frailty“-Konzepts und der darin beschriebenen diagnostischen Herangehensweise; multiprofessionelles Team zur Entwicklung einer Vorgehensempfehlung bei Verdacht auf abnehmende kognitive Leistung.
Ergebnisse
Die Metasynthese der qualitativen Studien zeigt einen fehlenden allgemeinmedizinischen Rahmen in der diagnostischen Herangehensweise von Hausärzten/-ärztinnen, geprägt von mangelnder Patientenzentrierung und einer Vermengung von Früherkennung, Diagnostik und Aufklärung. Die Einbettung von „cognitive decline“ in die geriatrische Trias soll den Fokus auf Alltagsfunktion und Lebensqualität, auf „caring“ statt „curing“ lenken. Das vorgeschlagene Konzept für die praktische Ausgestaltung betont die frühe Wahrnehmung im Sinne erhöhter Sensibilität für kognitive Warnsignale im Praxisteam, eine geriatrisch orientierte direkte Ansprache des/der Patienten/Patientin sowie Verlaufsbeobachtung und Begleitung.
Diskussion
Im Gegensatz zu „Früherkennung“ impliziert „Frühwahrnehmung“ initial kein aktives Suchen nach kognitiven Defiziten über Fragen und Testverfahren, sondern eine Wachsamkeit für „red flags“. Das beschriebene Schema ist ein Bestandteil einer komplexen Intervention zur Einstellungsänderung bei Hausärzten/-ärztinnen zur Demenz.