Nach einer extrakapsulären Kataraktextraktion mit Intraokularlinsenimplantation in den Kapselsack entsteht zwischen der Hinterkapsel und der Hinterkammerlinse ein neuer, spaltförmiger präkapsulärer Raum, Spatium praecapsulare. Dieser Raum spielt eine Rolle bei der Entwicklung einiger postoperativer Komplikationen inklusive eines Capsular-Block-Syndroms und der Cataracta secundaria. Hier können Viskoelastika- und Rindenreste verbleiben sowie die Linsenepithelzellen proliferieren und metaplasieren. Die Lage der Hinterkapsel und der Hinterkammerlinse (HKL) kann bei der Spaltlampenuntersuchung zuverlässig erkannt werden: Eine spezielle Beleuchtungstechnik mit einem intensiv hellen und maximal schmalen Spaltlicht unter einem großen, ca. 80–90° Winkel zur Beobachtungsoptik erlaubt, die Spiegelbezirke der Hinterkapsel- und der HKL-Optik gleichzeitig zu visualisieren (Abb. 1a, b). Der Patient wird aufgefordert, zur Seite der Lichtquelle zu schauen.

Abb. 1
figure 1

Capsular-Block-Syndrom und Cataracta secundaria 10 Jahre (a) und 7 Jahre (b) nach der Operation, 2 Patienten. Links regrediente Beleuchtung vom Fundus, rechts spiegelnde Beleuchtung unter großem Winkel (HK Hinterkapsel, PR präkapsulärer Raum, HKLR Hinterkammerlinsenrückfläche, HKLV Hinterkammerlinsenvorderfläche, SB Spiegelbezirk, HH Hornhaut). Die regrediente Beleuchtung lässt eine zentrale Hinterkapselfibrose und mehr peripher liegende Elschnig-Perlen erkennen (ab). Die unveränderte HKL-Optik wird durch ihre Spiegelbezirke markiert (ab). Drei Spiegelbezirke (Hinterkapsel, Rück- und Vorderfläche der HKL-Optik) können gleichzeitig registriert werden (b). Ein vergrößerter PR kann sich sowohl mit einem trüben (a) als auch mit einem klaren (b) Inhalt zeigen. Die Tiefe des Raums und die HKL-Optik-Dicke sind in beiden Fällen ungefähr gleich (ab)