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Malignes Melanom mit ungewöhnlichem klinischem und histologischem Erscheinungsbild

Malignant melanoma with unusual clinical and histological phenotype

Eine 90-jährige Patientin stellte sich mit einem rötlichen Tumor unterhalb des rechten Unterlids vor (Abb. 1a). Anamnestisch sei der indolente Tumor seit ca. 2 Jahren langsam größenprogredient. Bisher seien bei der Patientin keine Malignome in Erscheinung getreten. Der Tumor war scharf begrenzt mit Teleangiektasien und diskreter krustiger Auflagerung und erinnerte an ein Merkel-Zell- oder Basalzellkarzinom. Er wurde knapp 2 Wochen später in einem mehrzeitigen Verfahren exzidiert. Die histopathologische Untersuchung zeigte einen subepithelialen Tumor mit faszikulärem Wachstumsmuster aus teils länglichen Zellen mit Kernen mit prominenten Nukleoli und mäßiger Polymorphie sowie vermehrten Mitosen (Abb. 1c). Eine Pseudokapsel umgab den in der Hämatoxylin-Eosin-Färbung nicht eindeutig zuzuordnenden Tumor. Die deutliche Anfärbung der Zellen mit Antikörpern gegen Melan‑A (Abb. 1b) war dann entscheidend, um ein malignes Melanom diagnostizieren zu können. Nach einmaliger Nachresektion wurde eine R0-Situation erreicht, und es erfolgte die Defektdeckung mittels seitlicher Verschiebung und Einnähung eines freien Transplantats. Die Sonographie der zervikalen Lymphknoten und der Schilddrüse sowie Computertomographie des Thorax/Abdomens und Magnetresonanztomographie des Kopfes ergaben keine metastasensuspekten Läsionen. Eine Sentinellymphknotenexstirpation wurde von der Patientin abgelehnt. Interdisziplinär erfolgte eine Anbindung der Patientin an unsere Dermatologen. Unser Fall zeigt, dass sich das maligne Malignom klinisch als auch histologisch untypisch darstellen kann und daher die genaue immunhistochemische Aufarbeitung für die weitere Therapieeinleitung und Nachbehandlung von größter Wichtigkeit ist.

Abb. 1
figure 1

a Fotografie des rötlichen Lidtumors. b Tumorpräparat in Melan-A-Färbung: Das Zytoplasma der Tumorzellen färbt sich deutlich an. Maßstab = 50 µm. c Tumorpräparat in HE-Färbung mit teils langgezogenen Zellen mit mäßiger bis deutlicher Polymorphie, prominenten Nukleoli und vermehrten Mitosen. Die Mitosen sind durch schwarze Pfeile gekennzeichnet. Maßstab = 50 µm

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Siegel, H., Mittelviefhaus, H. & Auw-Hädrich, C. Malignes Melanom mit ungewöhnlichem klinischem und histologischem Erscheinungsbild. Ophthalmologie (2022). https://doi.org/10.1007/s00347-022-01693-5

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