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Leuprorelin ist unschuldig

Leuprorelin is innocent

A Leserbriefe to this article was published on 05 August 2020

The Original Article was published on 27 August 2019

FormalPara Leserbrief zu

Lehmann G et al (2020) Rezidivierende Aderhautamotio bei einem Patienten mit hormonell therapiertem Prostatakarzinom. Ophthalmologe 117:456–460. https://doi.org/10.1007/s00347-019-00956-y

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Interesse habe ich den Artikel von Lehman et al. gelesen, der mit einer Diskussion zur Genese rezidivierender Aderhautamotiones sowie dem möglichen Zusammenhang zwischen Augeninnendruck und Prostatakarzinom gleich 2 interessante Aspekte bringt. Leider machen Lehmann et al. keine Angaben zur Refraktion des Patienten. Dies ist umso bedauerlicher, da sie in der Falldiskussion zwar am Rande auf die Möglichkeit eines uvealen Effusionssyndroms [2, 4] hinweisen, aber keine Informationen zu Vortexvenen oder Skleradicke liefern. Sie weisen darauf hin, dass bei Rückbildung einer Aderhautamotio eine Demarkationslinie zurückbleiben kann [3], und deuten die festgestellten Hochwasserlinien als vorangegangene Aderhautamotiones. Bei einer resorbierten Aderhautamotio tritt eher ein leopardenartiges Muster als Zeichen einer diffusen Depigmentierung und einer multifokalen Hyperplasie auf [4].

Erschwerend kommt hinzu, dass der Patient an beiden Augen zumindest an einem PEX-Syndrom leidet. Leider machen Lehmann et al. keine Angaben dazu, ob sich der Augeninnendruck nach der Pausierung der antiglaukomatösen Therapie normalisierte oder ob nach einem gewissen Zeitfenster antiglaukomatöse Tropfen zur Druckstabilisierung wieder appliziert wurden und, wenn ja, welche sie aufgrund ihrer Überlegungen dann verwendeten.

Der Patient wurde bei Arterienastverschluss zwar stationär aufgenommen, anschließend aber nichts zur Abklärung (arteriitisch/nichtarteriitisch, Nachweis einer Emboliequelle) oder weiteren Therapie dieses Verschlusses (Fibrinolyse, isovolämische Hämodilution, Antikoagulation, Bulbusmassage) berichtet [5]. Dies ist umso bedenklicher, da jede getroffene Maßnahme gewürdigt werden sollte, bevor Rückschlüsse auf mögliche Arzneimittelinteraktionen von Leuprorelin gezogen werden. Insbesondere weise ich darauf hin, dass es Fallberichte zu Aderhautamotiones im Rahmen einer pulmonalen Hypertension gibt [6,7,8,9], einem Krankheitsbild, das bei einem 85-jährigen Patienten mit arteriellem Gefäßverschluss an einem Auge durchaus wahrscheinlich ist.

Die Vermutung eines direkten Zusammenhangs zwischen der Leuprorelin-Gabe und den festgestellten Befunden kann daher so nicht aufrechterhalten werden. Dies ist insbesondere von Bedeutung, weil Leuprorelin ein seit 1985 zugelassenes gängiges Präparat ist und aufgrund seiner Anwendbarkeit bei Prostatakrebspatienten und Brustkrebspatientinnen von der WHO als essenzielles Medikament eingestuft wurde [1]. Es sollte daher nicht leichtfertig ein Zusammenhang mit einer choroidalen Abhebung aufgrund einer bloßen Vermutung postuliert werden.

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Hager, T. Leuprorelin ist unschuldig. Ophthalmologe 118, 614 (2021). https://doi.org/10.1007/s00347-020-01189-0

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