Manuelle Medizin

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FIMM und ESSOMM – Impulse auch für Deutschland

Editorial

FIMM and ESSOMM – Impulses also for Germany

Liebe Leserinnen und Leser,

es soll sich ja lohnen, immer wieder einmal über den eigenen Tellerrand zu schauen. Was tut sich denn außerhalb der deutschsprachigen Grenzen in der manuellen Medizin? Am besten schaut man sich bei der weltweit operierenden International Federation for Manual/Musculoskeletal Medicine (FIMM) sowie bei der European Scientific Society of Manual Medicine (ESSOMM) um.

Die FIMM wird im Oktober ihre 46. Generalversammlung in Prag abhalten. Dies geschieht auch zur Ehrung von Prof. Karel Lewit, der mit seinen 95 Jahren noch einmal als Präsident einer internationalen Konferenz über Fragen der Stabilisierung der Wirbelsäule auftritt.

Wesentliche Impulse werden von den beiden Kommissionen der FIMM erwartet.

Von der 46. FIMM-Generalversammlung in Prag werden wesentliche Impulse für die manuelle Medizin erwartet

Die Gesundheitspolitische Kommission befindet sich in intensiver Diskussion über ein Grundsatzpapier zur manuellen und muskuloskeletalen Medizin, das die beiden Begriffe manuell und muskuloskeletal gegenüber allen Regierungsorganisationen und weltweiten Verbänden erläutern und in Beziehung zueinander setzen soll. Ursprünglich geplant als Analogon zu den WHO-Definitionen über die Chiropraktoren und die Osteopathen wird dieses Schriftstück jedoch nicht eingereicht (nebenbei gesagt würde die Anerkennung durch die WHO mindestens 100.000 US-Dollar kosten), sondern dient eher dazu, die FIMM-Gesellschaften und ihre Positionen gegenüber den Anbietern von Gesundheitsleistungen bekannt zu machen. Ich möchte schon jetzt alle gesundheitspolitisch interessierten Manualmediziner dazu aufrufen, die Mitte Oktober zu beschließende Version dieser Erklärung zu diskutieren und zu kommentieren, damit es bald eine in allseitigem Konsens gefasste Endversion geben kann. Die jeweils aktuelle Version (heute: 1.60) ist über die Geschäftsstelle der DGMM zu erhalten. Mitwirkung ist dringend erwünscht!

Eine wichtige Funktion kommt auch dem englisch-französisch-deutschen Glossar-Komitee der Ausbildungs-Kommission zu, welche ebenfalls in Prag tagen wird. Hier müssen die unterschiedlich gebrauchten Begriffe aus der Welt der manuellen Medizin sprachlich analysiert und so definiert werden, dass eine gegenseitige Verständigung möglich wird. Wer kann denn schon wissen, dass mit dem von den amerikanischen Osteopathen verwendete Begriff „philosophy“ mitnichten eine eigene Weltanschauung im Sinne eines Aristoteles oder Hegels gemeint ist, sondern am ehesten durch den deutschen Begriff Konzept zu übersetzen ist?

Wer immer eine solche Begriffserklärung herbeiführen will, ist ebenfalls herzlich willkommen, sein Problem darzulegen – am besten an das deutsche Glossar-Mitglied Mathias Psczolla.

Europa steht aus manualmedizinischer Sicht unter dem Einfluss des Bologna-Prozesses für die Postgraduierten-Weiterbildung und der Politik der UEMS (Union Européenne des Médecins Spécialistes – Verband der europäischen Fachärzte). Hier hat sich – auch angesichts der seit Langem sehr inaktiven frankophonen UEMMA – in den letzten 3 Jahren ein Zusammenschluss mit dem Namen ESSOMM (European Scientific Society for Manual Medicine – wissenschaftliche europäische Gesellschaft für Manuelle Medizin) gebildet. Sie hat durch intensive Arbeit auf verschiedenen Ebenen endlich erreicht, die manuelle Medizin am 6./7. Oktober in Neapel dem Vorstand der UEMS vorstellen zu können, um durch ein Multidisciplinary Joint Committee (MJC) der MM den Status einer europaweit anerkannten Zusatzbezeichnung zu ermöglichen. Dies wäre dann ein sehr großer Erfolg für die internationale MM.

Um die europäischen Gesellschaften der MM für das Postgraduierten-Kapitel des Bologna-Prozesses fit zu machen, hat die ESSOMM ihren ersten Instruktorenkurs in Rom abgehalten. Sehr wenige europäische Gesellschaften erfüllen heute die ärztliche Weiterbildung der Manualmediziner mit einem Kurrikulum von 30 ECTS-Credits. Wenn man davon ausgeht, dass für einen ECTS-Credit 15 bis 20 Stunden Unterricht veranschlagt werden, müssen auch die deutschen Manualmediziner mit derzeit 320 Stunden noch ein Menge an Kleingruppen- und Eigenstudium nachweisen, um 500 bis 700 Stunden zu erfüllen. Immerhin haben dieses Jahr schon 5 Gesellschaften Delegierte entsandt, um den Prozess der Standardisierung der ärztlichen Weiterbildung auf europäischem Niveau in Gang zu setzen. Hier werden jedoch weitere Anstrengungen erforderlich sein; weitere nationale Gesellschaft müssen in diesen Prozess einheitlicher Standards und Prozessqualität einbezogen werden.

Um schließlich neben der Gesundheitspolitik und der Weiterbildung auch noch die wissenschaftlichen Grundlagen anzusprechen, werden demnächst in einer Reihe von Artikeln die Ergebnisse und Schlussfolgerungen einer äußerst intensiven ESSOMM-Tagung veröffentlicht. Analog den Inhalten dieser Tagung sollen Artikel zu den folgenden Themen erscheinen: Neuroanatomie, Gelenkmechanik, Schmerzhemmung, rezeptive Felder, motorische Reflexantwort, psychische Aspekte des Schmerzes und autonomes Nervensystem. Wir dürfen gespannt sein auf diese Ergebnisse der von den ESSOMM-Mitgliedern SAMM, MWE und ÄMM abgehaltenen dritten Bodenseekonferenz.

W. v. Heymann

Vizepräsident der FIMM

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© Springer-Verlag 2011

Authors and Affiliations

  1. 1.BremenDeutschland

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