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Manuelle Medizin

, Volume 49, Issue 3, pp 141–141 | Cite as

Manuelle Medizin im klinischen Alltag angekommen

Breitere Basis manualmedizinischen Denkens
  • L. Beyer
Editorial
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Manual medicine has arrived in routine clinical use

Broader basis of manual medicine reasoning

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es ist erfreulich, in diesem Heft gleich von zwei wissenschaftlichen Veranstaltungen die Ergebnisse vorstellen zu können. Beide zeigen, die manuelle Medizin ist im klinischen Alltag angekommen, ihre Basis hat an Breite gewonnen.

„Manuelle Medizin im Wandel – von der Manipulation zum neurophysiologischen Assessment und zur Komplexbehandlung“ war Thema eines kleinen internationalen Expertenforums in der Klinik für Manuelle Medizin Sommerfeld bei Berlin. Das Klinikteam diskutierte Stabilisation und Koordination bei chronischem Rückenschmerz nach dem Sommerfelder Diagnostik- und Behandlungskonzept mit zwei bekannten Arbeitsgruppen. Diskussionspartner waren Prof. Paul Hodges, Queensland, zu „kontrolliertes Training der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur bei tiefem Kreuzschmerz und bei Beckenschmerz“ und Prof. P. Kolar sowie Prof. K. Lewit, Prag, zu „vom Fuß über den frühkindlichen Entwicklungsprozess zum Konzept der Stabilisation“. Gemeinsam wurde eine Testbatterie erarbeitet, um die Notwendigkeit einer spezifischeren neuromuskulären Behandlungsstrategie bei Patienten mit Rückenschmerz festzustellen. Diese soll nun im Rahmen einer wissenschaftlichen Evaluierung auf ihre Praktikabilität, Reliabilität und Validität überprüft werden.

„Manualmedizinische Konzepte als Hilfsangebot in der Pädiatrie zu etablieren“, hatte sich der nun schon 19. Kongress der European Workgroup of Manual Medicine (EWMM) zur Hauptaufgabe gestellt. Es wurde konstatiert, dass die Manualmedizin in der Schwangerschaft und zur Geburtserleichterung als „gynäkologische Manualtherapie“ immer mehr in den Fokus von Gynäkologen, Manualmedizinern und Hebammen rückt. Man glaubt feststellen zu können, dass es ein großes Interesse und Bedürfnis der manualmedizinisch tätigen Kollegen der verschiedenen „Schulen“ gibt, mehr aufeinander zuzugehen, Konzepte vorzustellen, zu diskutieren, ohne dabei einen Alleinvertretungsanspruch einzufordern. Spiegelt sich dies nicht auch schon in unserer Zeitschrift wider?

Zwei Beiträge aus den Ergebnissen des EWMM-Kongresses finden sich in diesem Heft. Der eine stammt von Bein-Wierzbinski und stellt eine „pädagogische Fördermethode für Kinder mit funktionellen Entwicklungsstörungen“ vor. Motorische Funktionsstörungen sind ein Substrat manualmedizinischen Denken und Handelns. Aber „funktionelle Entwicklungsdefizite finden bislang wenig Aufmerksamkeit bei Kinderärzten, da es sich im medizinischen Sinne um gesunde Kinder handelt“, wird im Beitrag festgestellt. Solchen Funktionsstörungen widmet sich der Artikel von Wuttke „Manualmedizin und Sprache“. Ausgehend davon, dass Sprachstörungen Bestandteil allgemeiner sensomotorischer Störungen sind, verweist er auf positive Behandlungsergebnisse bei Einschluss manualmedizinischer Methoden.

Zu diesem Themenkomplex der Funktionsstörungen bei Kindern, mit dem sich auch Garten in seinem Beitrag „Die Neurologie spinaler Manipulationen“ beschäftigt, passt ausgezeichnet das CME-Thema dieses Hefts „Bewegungsstörungen im Säuglingsalter – klinische Differenzierung zentraler und peripherer Ursachen“ von Coenen. Gartens Arbeit gründet sich u. a. auf die Aussage, dass segmentale Dysfunktionen entsprechende zentralnervöse Auswirkungen haben und diese am deutlichsten bei Säuglingen sichtbar werden.

Sie werden sicher bereits auf die Ergebnisse der Leserbefragung des Springer-Verlags sowie der auch in unserer Zeitschrift angekündigten Umfrage der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung warten. Beides finden Sie in diesem Heft, Letzteres unter „Manuelle Medizin in Deutschland – eine deskriptive Analyse“.

Mit den besten Wünschen für einen erholsamen Sommer

Ihr

L. Beyer

Copyright information

© Springer-Verlag 2011

Authors and Affiliations

  1. 1.DGMM Ärztehaus MitteJenaDeutschland

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