Liebe Leserinnen und Leser,

wenn Sie dieses Heft in den Händen halten, werden die Bundestagswahlen bereits hinter uns liegen. Auf die neue Regierung, aus welchen Parteien auch immer sie zusammengesetzt sein mag, kommen große Aufgaben zu. Aufgaben, die schon seit Jahren auf der Tagesordnung stehen und die ebenfalls seit Jahren nicht in ausreichendem Maße vorangetrieben wurden. Eine davon hat mit dem Thema unserer Zeitschrift zu tun: es handelt sich um die Bewältigung der digitalen Transformation.

Die gegenwärtige Situation ist in jeglicher Hinsicht unbefriedigend. Nehmen wir als Beispiel den Digitalpakt Schule. Ein milliardenschweres Programm, das überwiegend der Bereitstellung der Infrastruktur dient. Dass diese Art von Infrastruktur komplex ist und nur von fachkundigem Personal administriert werden kann, das wiederum nicht einfach zu finden ist, dies ist – wieder einmal – nur in unzureichendem Maße berücksichtigt worden. Offensichtlich denken die Politiker, ein Lehrer mit Laptop oder Tablet wird’s schon richten. So ein Gerät muss aber professionell administriert werden, insbesondere, weil auch komplexe Aspekte des Datenschutzes zu berücksichtigen sind. Nun ja, noch ist dieser Engpass nicht allzu sichtbar, nachdem die Beschaffungen durch eine übermäßige Bürokratie und personelle Engpässe in den Verwaltungen nicht in der gewünschten Geschwindigkeit voranschreiten.

Ähnlich auch in meinem Kompetenzbereich, dem Hochleistungsrechnen. Im Rahmen der Neustrukturierung des Nationalen Hochleistungsrechnens NHR gibt es erste Ansätze, zusammen mit den vielen Millionen für Supercomputer auch etwas Personal zu finanzieren, das die Anwender in der Nutzung der komplexen Forschungsinfrastruktur unterstützt. Ein kleiner Fortschritt, der durch den unermüdlichen Verweis auf die notwendige koordinierte Finanzierung von Hardware, Software und der zugehörigen „Brainware“ erzielt wurde.

Wir haben in allen Lebensbereichen einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Informatikerinnen und Informatikern. Selbst wenn aber auf Seiten der Ausbildung an Schulen und Universitäten genügend Menschen diesen Beruf ergreifen, bleibt es fraglich, ob im öffentlichen Bereich mit den bestehenden Gehaltsstrukturen der benötigte Anteil von Fachkräften ankommen wird.

Wenn Sie vor der Wahl zur Orientierung den Wahl-o-Mat genutzt haben, ist Ihnen womöglich aufgefallen, dass kein einziger Punkt zur Herausforderung der Digitalen Transformation beinhaltet war. Lediglich die Besteuerung digitaler Dienstleistungen und der Einsatz von Gesichtserkennungssoftware bei Videoüberwachung öffentlicher Plätze finden sich in der Liste. Die Meinungen der Parteien gehen auseinander – wer hätte es anders erwartet?

So bleibt uns nur die bange Hoffnung, ob wir mit der neuen Regierung das Neuland endlich urbar machen werden und ob erkannt und akzeptiert werden wird, dass es hierzu gut ausgebildeter Menschen bedarf, die in vernünftig bezahlten Positionen die Modernisierung der digitalen Gesellschaft vorantreiben.