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Chirurgische Therapie des femoroazetabulären Impingement-Syndroms

Komplexe Therapie eines vermeintlich einfachen mechanischen Konflikts

Surgical treatment of femoroacetabular impingement syndrome

Complex treatment of a supposedly simple mechanical conflict

Die Erstbeschreibung der chirurgischen Therapie des femoroazetabulären Impingement-Syndroms (FAIS) durch Ganz und Mitarbeiter im Jahre 2003 hat ein Verständnis für die Pathogenese mechanisch verursachter Arthrosen geschaffen und eine große Begeisterung für die operative Korrektur dieser präarthrotischen Deformität ausgelöst. In den Anfängen mittels chirurgischer Hüftluxation wurde meist nur eine Verbesserung des femoralen Offsets, eine Pfannenrandkorrektur und ein Labrum- sowie Knorpeldebridement durchgeführt. Insbesondere die Einführung arthroskopischer minimal-invasiver Operationen, die damit verbesserten Diagnosemöglichkeiten und der Erkenntnisgewinn haben zu einer weiten Verbreitung der operativen Therapie geführt.

Die Weiterentwicklung der Deformitätenanalyse als auch der Therapieoptionen brachte eine sehr viel differenziertere Therapie. Zum einen zeigten klinische Studien, dass die Indikationsstellung – gerade im Hinblick auf bereits vorliegende degenerative Veränderungen – entscheidend ist für das Outcome. Bereits ab einem Arthrosegrad I nach Tönnis sind deutlich schlechtere Ergebnisse zu erwarten. Zum zweiten ist die Therapie heute sehr viel differenzierter und komplexer, mit individueller Korrektur von azetabulärem Pfannenrand, femoralem Offset sowie azetabulärer und femoraler Version mittels arthroskopischer und minimal-invasiver Eingriffe und Korrekturosteotomien. Zudem wird die chirurgische Therapie von Folgeschäden an Labrum und Knorpel heute mit aufwendigen Refixationen mit teuren Fadenankern, Labrumrekonstruktionen mit Transplantaten sowie aufwendige Knorpeltherapien mit Matrices und Knorpelzelltransplantationen durchgeführt. Auch nach 20 Jahren FAIS-Therapie ist aktuell die differenzierte Therapie von Kombinationspathologien von FAIS, Dysplasie und Fehlrotation bei sich gegenseitig beeinflussenden Pathologien eine klinische Herausforderung, die nicht abgeschlossen ist. Vergleichbar komplex ist auch die Therapie von Hüftbeschwerden bei Profisportlern.

Gleichzeitig stellt die arthroskopische Therapie des FAIS eine der wenigen operativen Therapien in der Orthopädie dar, für welche mittels randomisierter und kontrollierter Studien ein Wirksamkeitsnachweis mit Evidenzlevel 1 existiert. Die vorliegenden klinischen Daten ermöglichen den auf das Hüftgelenk spezialisierten Operateuren heute eine sehr viel bessere Abschätzung der Erfolgschancen einer chirurgischen Therapie, eine präzisere Beratung der Patienten und eine individuellere operative Korrektur der zugrundeliegenden Deformitäten.

Umso unverständlicher ist es, dass es im gleichen Zeitraum zu einer kontinuierlichen und dramatischen Kürzung der DRG-Vergütung dieser arthroskopischen operativen Eingriffe kam, wodurch die Eingriffe heute für die Kliniken häufig nicht mehr kostendeckend durchzuführen sind. Gerade die arthroskopische Chirurgie am Hüftgelenk ist aufgrund der notwendigen apparativen Infrastruktur, der knöchern ausgeprägten Stabilität des Gelenkes sowie des dicken hüftumspannenden Muskelmantels hinsichtlich des Aufwands nicht mit Arthroskopien anderer Gelenke vergleichbar. Parallel dazu steht die Entwicklung, dass die aufwendige und komplexe Therapie von immer weniger hochspezialisierten Operateuren durchgeführt wird, was zu einer gewissen Versorgungslücke führt. So sind Wartezeiten von 6–12 Monaten auf einen Operationstermin keine Seltenheit, was insbesondere deshalb bedenklich ist, da eine Symptomatik von mehr als 6 Monaten ein potenziell negativer Prognosefaktor für das Outcome ist. Hier sind nun die Kostenträger gefragt, um die Voraussetzungen zu schaffen, damit die evidenzbasiert wirksame arthroskopische Therapie des FAIS kostendeckend angeboten werden kann. Gleichzeitig wird die Vielzahl an neuen klinischen Daten den arthroskopisch tätigen Hüftchirurgen helfen, die Indikationen zur konservativen und operativen Therapie des FAIS noch präziser zu stellen und damit die Erfolgsraten der Therapie weiter zu verbessern.

Wir hoffen, wir können Ihnen mit diesem Themenheft einen interessanten Überblick über das FAIS zusammenstellen. Dabei gilt unser besonderer Dank den Autoren.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

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Correspondence to Stefan Fickert or Hans Gollwitzer.

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S. Fickert und H. Gollwitzer geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Fickert, S., Gollwitzer, H. Chirurgische Therapie des femoroazetabulären Impingement-Syndroms. Orthopädie 51, 436–437 (2022). https://doi.org/10.1007/s00132-022-04265-2

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