Advertisement

Der Orthopäde

, Volume 47, Issue 3, pp 189–190 | Cite as

Der Orthopäde – auf dem Weg zu einem englischsprachigen Journal?

  • V. Ewerbeck
Editorial

Der Orthopäde—towards an English-speaking journal?

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die regelmäßigen Erhebungen des Verlags zeigen, dass die Leserakzeptanz unserer Zeitschrift – also Ihre Wertschätzung – eng verbunden ist mit der Ihnen vertrauten Mischung aus verschiedenen Rubriken. Vom Umfang her sind diejenigen, die das Bild der Zeitschrift prägen die Leitthemen und die Originalien sowie die Beiträge aus der Reihe CME-zertifizierte Fortbildung. Periodisch erscheint zwei- bis dreimal jährlich ein Heft, welches anstelle eines Leitthemas nur den Originalien, Übersichten und Kasuistiken gewidmet ist. Ein solches haben Sie jetzt vor sich. Bei der Durchsicht des Inhaltsverzeichnisses werden Sie unschwer erkennen, dass von den 9 ausgewählten Beiträgen 5 in englischer Sprache erscheinen, von denen 4 von Autorengruppen aus China stammen und einer aus der Türkei. Die Herausgeber wissen, dass Sie als Leser die Deutschsprachigkeit unserer Zeitschrift in besonderer Weise schätzen. Es scheint uns vorstellbar, dass Ihnen angesichts des Inhalts dieses Heftes zwei Fragen in den Sinn kommen:
  • Wird „Der Orthopäde“ schrittweise zu einem englischsprachigen Journal?

  • Wird „Der Orthopäde“ für nicht deutschsprachige Autoren, deren Arbeiten in den hochgerankten angloamerikanischen Journals keine Chance auf Akzeptanz hätten, als weniger anspruchsvoll und leichter zugänglich angesteuert („Auffangbeckeneffekt“)?

Die Beantwortung dieser verständlichen Fragen soll im Folgenden – soweit es geht – auf eine Faktenbasis gestellt werden.

Zur Frage der Englischsprachigkeit

Im Oktober 2015 hatte die Herausgeberkonferenz beschlossen, als Teil eines Maßnahmenpakets gegen den Abwärtstrend des Impact-Faktors unsere Zeitschrift für englischsprachige Publikationen zu öffnen. Der Impact-Faktor war zuvor von 0,655 im Jahre 2013 auf 0,359 im Jahre 2014 abgefallen. Die Entwicklung der beiden Folgejahre 2016 und 2017 zeigt, dass dieser Trend wieder umgekehrt werden konnte: 2016 lagen wir mit dem Impact-Faktor wieder bei 0,621, die Hochrechnung für 2017 zeigt, dass dieses Niveau wohl gehalten werden konnte. Welchen Anteil an dieser positiven, aber noch nicht abgeschlossenen Entwicklung die Hereinnahme englischsprachiger Publikationen gehabt hat, muss offenbleiben. Eindeutig ist jedenfalls, dass „Der Orthopäde“ nicht zu einem englischsprachigen Journal zu werden verspricht. Die Zusammenstellung der Daten aus den Jahren 2016 und 2017 (Tab. 1) zeigt, dass von 241 publizierten Beiträgen 32 (13 %) in englischer Sprache erschienen sind. Dieser Anteil ist bei den publizierten Originalien mit 37 % (22 von 59) deutlich höher, dies ist nicht verwunderlich. Es sollte dies nicht Anlass zur Sorge sein, sondern eher begrüßt werden: Wenn „Der Orthopäde“ eine auch international beachtete wissenschaftliche Fachzeitschrift sein will, muss er sich der Wissenschaftssprache öffnen, und die ist Englisch. Wissenschaft, die nur im deutschsprachigen Raum Beachtung findet, bleibt von geringem Einfluss. Die jetzt im Umfeld von Orthopädie und Unfallchirurgie aktiven Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben das längst verinnerlicht. Wir müssen ihnen ein attraktives Forum für die Publikation ihrer Forschungsergebnisse anbieten, und freuen uns, wenn das angenommen wird.
Tab. 1

Beiträge in deutscher und englischer Sprache

Jahr

Leitthemen deutsch

Leitthemen englisch

Originalien deutsch

Originalien englisch

Kasuistiken deutsch

Kasuistiken englisch

Übersichten deutsch

Übersichten englisch

CME deutsch

Summe deutsch

Summe englisch

2016

70

1

23

5

7

2

2

12

2017

64

3

14

17

5

4

12

Summe

134 (97 %)

4 (3 %)

37 (63 %)

22 (37 %)

12 (67 %)

6 (33 %)

2 (100 %)

0 (0 %)

24 (100 %)

209 (87 %)

32 (13 %)

Zur Frage des „Auffangbeckeneffekts“

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Autoren bei unserer Zeitschrift eine höhere Publikationswahrscheinlichkeit vermuten könnten, als in den höchstgerankten angloamerikanischen Journalen. Dies gilt aber auch für deutschsprachige Autoren. Unsere über Jahre stabile Ablehnungsquote für eingereichte Originalmanuskripte von 60–70 % zeigt indessen, dass die Hürde des Reviews durch externe Experten auch bei uns hoch ist. Was nach dem Filter des Begutachtungsverfahrens zur Publikation freigegeben wird, ist unabhängig von der gewählten Textsprache von wissenschaftlich hoher Qualität. Sie werden dies in der Ihnen vorliegenden Märzausgabe unserer Zeitschrift bestätigt finden. Die Qualitätsansprüche unserer hochgeschätzten Gutachter machen zwischen deutschsprachigen und englischsprachigen Manuskripten keinen Unterschied. Es publizieren bei uns – nebenbei gesagt – auch Autoren aus dem asiatischen Sprachraum, die zuvor erfolgreich in internationalen sehr gut platzierten Journals wie „Spine“ veröffentlicht haben.

Der asiatische Raum hat ein gigantisches Potenzial als Wissenschaftsstandort

Der asiatische Raum, speziell China als bevölkerungsreichstes Land der Welt, hat nicht nur ein gigantisches Potenzial als Wirtschaftsraum, sondern auch für Forschung und Entwicklung, sprich als Wissenschaftsstandort. Dies bedeutet, dass dort hochaktive Forschergruppen tätig sind, die in legitimer Weise nach Publikationsmöglichkeiten suchen. Es wäre töricht, das zu ignorieren. Wir erhalten von dort Arbeiten, die aus vielerlei Gründen von unseren Gutachtern zu Recht abgelehnt werden. Ihnen sei für ihre zeitintensive Review-Tätigkeit, deren Ausmaß seit der Öffnung unserer Zeitschrift für englischsprachige Arbeiten ohne Frage erheblich zugenommen hat, und für ihr Engagement von Herzen gedankt. Schriftleitung und Verlag sind sich in vollem Umfange darüber im Klaren, dass dieses keine Selbstverständlichkeit ist. Wir erhalten aber eben auch Manuskripte von Autoren, deren Forschungsprojekte von hochrangigen staatlichen Förderinstitutionen Chinas finanziert wurden. Auch sie werden nach den Qualitätskriterien der guten wissenschaftlichen Praxis begutachtet. Wir sind froh, dass wir als Publikationsorgan von diesen geförderten Arbeitsgruppen angesteuert werden.

Resümee

  • „Der Orthopäde“ wird auf absehbare Zeit nicht zu einem englischsprachigen Journal.

  • Die Rate der englischsprachigen Originalarbeiten außerhalb der Leitthemen und der CME-Beiträge wird steigen. Unter dem Gesichtspunkt der internationalen Wahrnehmbarkeit und vermutlich auch des Impact-Faktors kann das nur begrüßt werden.

  • Der möglicherweise vermutete „Auffangbeckeneffekt“ mag für eingereichte Manuskripte unabhängig davon, ob sie in deutscher oder in englischer Sprache erscheinen sollen, eine gewisse Rolle spielen. Für die in unserer Zeitschrift publizierten Arbeiten wird das durch den harten Review-Prozess widerlegt. Für diese gibt es diesen Effekt nicht.

  • Der asiatische Raum, speziell China als Wissenschaftsstandort, ist in jeder Weise ernst zu nehmen und als Chance zu begreifen. Exzellente Qualität kennt auch bei wissenschaftlichen Publikationen im Umfeld von Orthopädie und Unfallchirurgie keine geografischen Grenzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bei der Durchsicht dieses Heftes eine spannende Lektüre und verbleibe mit den besten Grüßen

Professor Dr. med. V. Ewerbeck

Editor in Chief, Originalarbeiten

Notes

Interessenkonflikt

V. Ewerbeck gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und ParaplegiologieUniversitätsklinikum HeidelbergHeidelbergDeutschland

Personalised recommendations