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Der Gynäkologe

, Volume 52, Issue 12, pp 886–887 | Cite as

Strahlentherapie in der Gynäkologie

  • Nicolai MaassEmail author
  • Jürgen DunstEmail author
Einführung zum Thema
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Radiotherapy in gynecology

In den letzten 10 Jahren gab es in allen Bereichen der Onkologie erhebliche Fortschritte. In der operativen Therapie waren das vor allem minimal-invasive und roboterassistierte Operationen, in der medikamentösen Therapie die zielgerichteten Medikamente und neuerdings die Immuntherapie, und auch in der Strahlentherapie gab es ähnliche Fortschritte. Für die heutige Praxis von Bedeutung sind vor allem schnelle IMRT(intensitätsmodulierte Strahlentherapie)-Techniken, Methoden zur Bewegungskompensation beim atemverschieblichen Organen, höhere Genauigkeit bei der Verabreichung der Bestrahlung durch bildgeführte Strahlentherapie und hochpräzise stereotaktische Bestrahlungstechniken. Marciana-Nona Duma, Christine Brambs und Andrea Wittig erläutern diese neuen Bestrahlungstechniken.

Der technische Fortschritt eröffnet neue Behandlungskonzepte. Fast ein halbes Jahrhundert galt die konventionelle Fraktionierung mit werktäglichen Bestrahlungen über 6–8 Wochen als die einzig mögliche Form der kurativen Strahlentherapie. Zukünftig werden hypofraktionierte Bestrahlungen für viele Situationen Standard werden. Die Strahlentherapie wird sich (nicht nur, aber auch dadurch) in den nächsten 10 Jahren stärker verändern als in den letzten 20.

Hypofraktionierte Bestrahlungen werden für viele Situationen Standard werden

Die „Vorreiter-Erkrankung“ ist, wie in vielen anderen Bereichen, das Mammakarzinom. Hypofraktionierung wird erstmals in der neuen S3-Leitlinie beim Mammakarzinom als Standard für die adjuvante Strahlentherapie empfohlen. Auch die Frage nach einem kurativen Potenzial der prophylaktischen Bestrahlung der regionären Lymphknoten wird aktuell diskutiert. Diese Aspekte werden im Beitrag von Cordula Petersen und uns dargestellt.

Simone Marnitz und Christhardt Köhler betonen in ihrem Beitrag über das Zervixkarzinom, dass die Radiochemotherapie seit fast 20 Jahren die Standardtherapie der fortgeschrittenen Stadien ist und bleibt. Neue Aspekte betreffen die Frage des operativen Stagings und vor allem die Indikationsstellung zur Operation oder Strahlentherapie in den Frühstadien mit Risikofaktoren.

Die internationalen Leitlinien beim Endometriumkarzinom sind für die Frühstadien sehr einheitlich. Für Krankheitssituationen mit Risikofaktoren und für die fortgeschrittenen Stadien ist die Datenlage zur adjuvanten Therapie, also Brachytherapie, externe Strahlentherapie und Chemotherapie, schwierig zu bewerten, und die Implementierung neuer Studiendaten steht an. Diese Problematik wird im Beitrag von Dirk Vordermark und Günter Emons dargestellt.

Eine besonders interessante Frage betrifft Patientinnen mit einer „Oligometastastasierung. Es gibt Hinweise, dass bei einer solchen limitierten Metastasierung die Hinzunahme einer „kurativen“ lokalen Therapie die Prognose verbessern könnte. David Krug und Kollegen stellen die aktuellen Daten und die gerade gestartete deutsche OLIGOMA-Studie vor.

Der medizinische Fortschritt war in den letzten Jahren in allen onkologischen Disziplinen beachtlich. Davon profitieren unsere Patientinnen. Die größte Herausforderung ist und bleibt eine gute interdisziplinäre Kooperation. Wir hoffen, mit diesem Schwerpunktheft dazu beizutragen.

Jürgen Dunst

Notes

Interessenkonflikt

N. Maass und J. Dunst geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für FrauenheilkundeChristian-Albrechts-Universität zu Kiel, UKSH Campus KielKielDeutschland
  2. 2.Klinik für StrahlentherapieChristian-Albrechts-Universität zu Kiel, UKSH Campus KielKielDeutschland

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