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Der Gynäkologe

, Volume 47, Issue 4, pp 251–257 | Cite as

Psychologische Aspekte der Eizellspende

  • K. Tordy
  • J. Riegler
Leitthema

Zusammenfassung

Zukünftige Paare erhalten vor der Entscheidung zur Eizellspende in den reproduktionsmedizinischen Instituten eine ausführliche medizinische Aufklärung. Im Rahmen der Betreuung schwangerer Frauen nach Eizellspende wird allerdings deutlich, dass hierbei psychologische, psychodynamische Aspekte und Auswirkungen auf das zukünftige Paar-, Familien- und Sozialleben sowie die Individuation des Kindes kaum thematisiert werden. Speziell bei einer Schwangerschaft nach Eizellspende zeigt die klinische Erfahrung, dass das erwartete Glück, die Bindung zum Kind und die (z. T. idealisierte) Elternschaft bereits nach dem ersten positiven Schwangerschaftstest, im Verlauf der Schwangerschaft und/oder unmittelbar nach der Geburt oft ambivalenter erlebt werden als erhofft. Zweifel und ablehnende Gedanken/Gefühle, die mit Angst, Verunsicherung, Schuld und Scham verbunden sind, können auftauchen. Darauf sind Frauen/Paare nicht vorbereitet; es gibt keine Ansprechpartner dafür. Im vorliegenden Beitrag werden inhaltliche Überlegungen zur psychologischen Beratung in der Vorentscheidungsphase vorgestellt und die gesellschaftlichen/gesetzlichen Rahmenbedingungen im Hinblick auf Autonomie der Entscheidung, Anonymität der Eizellspenderin und Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung hinterfragt.

Schlüsselwörter

Beratung Recht auf Kenntnis der Abstammung Persönliche Autonomie Bedürfnisse Offenlegung der Wahrheit 

Psychological aspects of egg donation

Abstract

Future parents receive detailed medical information before deciding on egg donation in fertility centers. In the context of psychological counselling provided to pregnant women after egg donation it becomes obvious that the psychological and psychodynamic aspects as well as the implications for the future life as a couple, family and social life and the individuation of the child are rarely discussed. In the case of pregnancy after egg donation clinical experience indicates that the expected happiness, the bonding with the child and the (sometimes idealized) parenthood often turn out to be more ambivalent than hoped for, sometimes as early as after the first positive pregnancy test, during pregnancy and/or after birth. Women and/or couples are not prepared for these negative thoughts and feelings fraught with fear, doubt, insecurity, guilt and shame and no contact persons are available for consultation. The following article presents considerations on psychological counselling in the predecision period and questions the social and legal framework with regard to autonomy of decision, anonymity of the egg donor and the child’s right to know its origin.

Keywords

Counseling Right of access to information on parentage Personal autonomy Needs Truth disclosures 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt. K. Tordy und J. Riegler geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Alle Patienten, die über Bildmaterial oder anderweitige Angaben innerhalb des Manuskripts zu identifizieren sind, haben hierzu ihre schriftliche Einwilligung gegeben. Im Fall von nichtmündigen Patienten liegt die Einwilligung eines Erziehungsberechtigen oder des gesetzlich bestellten Betreuers vor. Der Beitrag enthält keine Studien an Menschen oder Tieren.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.klinische Abteilung für Geburtshilfe und fetomaternale MedizinUniversitätsklinik für Frauenheilkunde, Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien, Medizinische Universität WienWienÖsterreich
  2. 2.Fakultät für PsychologieUniversität WienWienÖsterreich

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