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Berufspolitik 2021

„Jede Generation braucht eine neue Revolution.“

Professional policy 2021

“Every generation needs a new revolution”

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dass jede Generation ihre eigene Revolution brauche, sagte einmal Thomas Jefferson, dritter US-Präsident. Seine Worte können auch als Überschrift für die urologische Arbeitswelt gelten, die gegenwärtig nachhaltige strukturelle Veränderungen erfährt. Die junge Generation von Urologinnen und Urologen hat ein anderes berufliches Selbstverständnis entwickelt, bisherige Lebens- und Arbeitsperspektiven kalibrieren sich neu. Einerseits machen dies die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes möglich, andererseits nehmen sich Nachwuchsmediziner mehr Auszeiten für die Kindererziehung und Forschende wünschen sich geschützte Zeit für wissenschaftliches Arbeiten.

Diesen Strukturwandel möchten wir in unserer jährlichen berufspolitischen Ausgabe von Der Urologe näher beleuchten. Der Berufsverband der Deutschen Urologen e. V. (BvDU) ist neben der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) das zweite Standbein der organisierten Urologie in Deutschland und vertritt dabei Urologinnen und Urologen in Klinik und Praxis. Sowohl die Fachgesellschaft als auch der Berufsverband sind bestrebt, gemeinschaftlich die Zukunft unseres Faches aktiv zu gestalten.

Ob in Klinik, Praxis oder MVZ – deutsche Urologinnen und Urologen arbeiten am liebsten angestellt. Durch Teilzeit- und Kooperationsmodelle erhofft sich insbesondere die junge Ärzteschaft eine bessere Work-Life-Balance. Dazu trägt auch bei, dass die Urologie immer weiblicher wird und familienfreundlichere Arbeitsmodelle hoch im Kurs stehen.

Wird die Anstellung als Tätigkeitsform gewählt, so greifen die Schutzvorschriften des Arbeitsrechtes für Arbeitnehmer. Dr. Christian Reuther, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht in der Kanzlei D + B Rechtsanwälte, betrachtet in seinem Beitrag ausgewählte aktuelle rechtliche Themen für angestellte Ärztinnen und Ärzte.

Schöne neue Angestelltenwelt? Mitnichten. Denn eine Anstellung bringt ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich: So stehen besonders Ärztinnen und Ärzte in der stationären urologischen Versorgung unter großem ökonomischem Druck. Dieser beeinflusst erheblich Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen. Laura Bellut, Fachärztin für Urologie am Universitätsklinikum Erlangen, fordert daher eine bedarfsorientierte Personalbemessung, wie beispielsweise im Ampelschema Bundesärztekammer und anschließende Finanzierung im stationären Rahmen. Damit würden sich nicht nur Kliniken als attraktive Arbeitgeber und Weiterbildungsstätten positionieren, sondern auch erheblich zu einer Verbesserung von Arbeitsbedingungen, Patientenversorgung und Patientensicherheit beitragen. Ärztliche Weiterbildung müsse weiterhin zentraler Teil des Klinikalltags bleiben.

Nicht nur die äußerlichen Rahmenbedingungen von Weiterbildung verändern sich, auch inhaltlich wurde mit der neuen Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Weg zu einer kompetenzorientierten Weiterbildung geebnet. Eine Umfrage der GeSRU (German Society of Residents in Urology e. V.) zeigt, dass urologische Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung mit ihrem Beruf zufrieden sind, jedoch deutliche Kritik an den bestehenden Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen äußern: Es fehle v. a. an Struktur, Transparenz sowie an familien- und forschungsfreundlichen Arbeitsbedingungen. Außerdem bemängele man die Ökonomisierung medizinischer Entscheidungen sowie die psychosoziale Arbeitsbelastung.

Weiterbildung ist ohne Frage elementar, aber schon die Approbationsordnung legt den Grundstein für eine gute urologische Ausbildung. Deren Weiterentwicklung bietet den Anstoß, um die Urologie als klinisches Fach praxisnäher zu lehren und zu prüfen. Die GeSRU-Vorstände Carolin Siech, Ärztin in Weiterbildung an der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Frankfurt und Justus König, urologischer Assistenzarzt an der Asklepios Stadtklinik Bad Tölz sowie Vorsitzender des BvDU-AK Ärzte in Weiterbildung, zeigen die Chancen einer neuen ärztlichen Approbationsordnung für die Urologie auf. Sehr wichtig sei dabei u. a. PJ-Abschnitte in der urologischen Facharztpraxis zu integrieren, um damit auch die ambulante Urologie in den Arztpraxen im Studium zu verankern.

Bleiben wir kurz bei der ambulanten Urologie: Hier wird ein kontinuierlicher Rückgang an Einzelpraxen und eine Zunahme von Versorgungseinheiten mit mehreren Ärztinnen und Ärzten im Team verzeichnet. Doch wie sehen die neuen Organisationsformen und Arbeitsmodelle in der vertragsärztlichen Versorgung genau aus und welche Perspektiven bieten sie der nachrückenden Generation? Einen Überblick darüber und eine Einordnung in den berufspolitischen Kontext bietet Markus Schöne, Ärztlicher Leiter des MVZ für Urologie und Uroonkologie Speyer sowie BvDU-Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz.

Wenn wir von Wandel sprechen, so stellte der Anfang dieses Jahres verstorbene internistische Kollege und passionierte Berufspolitiker Hans-Friedrich Spies fest, dass bei Nachwuchsmedizinern insgesamt, insbesondere aber auch bei angestellten Ärztinnen und Ärzten, das Prinzip des freien Berufs nicht mehr angemessen wahrgenommen werde. Wirtschaftliche Zwänge gewännen Oberhand, Entscheidungen würden somit zunehmend von nichtmedizinischen Vorgaben beeinflusst. Spies mahnt in seinem Artikel an, dass die Ärzteschaft wieder unabhängiger vom Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis werden müsse. Alles mit einem Ziel: dem Patientenwohl.

Die Zeichen stehen auf Erneuerung – lassen Sie uns gemeinsam zukunftsweisende Wege für eine zeitgemäße Urologie bahnen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre mit vielen interessanten Anregungen!

Ihr

Dr.med. Axel Schroeder

Herausgeber/Präsident Berufsverband der Deutschen Urologen e. V.

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Schroeder, A. Berufspolitik 2021. Urologe 60, 999–1000 (2021). https://doi.org/10.1007/s00120-021-01582-w

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