Erektile Dysfunktion

Aktuelle Diagnostik und Therapie

Erectile dysfunction

Current diagnostics and treatment

Zusammenfassung

Die erektile Dysfunktion ist eine medizinische Erkrankung mit weitreichender Bedeutung für die betroffenen Männer und ihre Partnerinnen oder Partner. Die zugrunde liegenden pathophysiologischen Veränderungen sind heute weitgehend bekannt. Im Rahmen der leitlinienbasierten Diagnostik spielen die allgemeine Anamnese mit der Frage nach möglichen Risikofaktoren und die spezielle sexualmedizinische Krankengeschichte die entscheidende Rolle. Daneben sollten eine genaue klinische Untersuchung und eine Laboruntersuchung durchgeführt werden. Mit den PDE-5-Hemmern, Vakuumpumpen, der SKAT-Therapie und Penisimplantaten ist dann eine evidenzbasierte, differenzierte und individuelle Therapie für die betroffenen Patienten möglich. Die Erfolgsraten sind in den meisten Fällen hoch. Jeder Urologe und speziell jeder Androloge bzw. Sexualmediziner sollte detaillierte Kenntnisse auf diesem Gebiet besitzen.

Abstract

Erectile dysfunction is a medical disease with extensive influence on the quality of life and well-being of patients and their female or male partners. Nowadays, most of the underlying pathological factors are well known. The general medical history with the question of possible risk factors and the specific sexual history play the most important roles in the guideline-based diagnostics. In addition, a thorough clinical examination and specific laboratory tests should be carried out. Phosphodiesterase 5 (PDE-5) inhibitors, vacuum devices, injection therapy and penile prostheses are the options for an evidence-based and individual treatment of affected patients. The success rates are high in most cases. Every urologist, andrologist and practitioner of sexual medicine should have detailed knowledge in this field.

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Abb. 1

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Correspondence to Dr. C. Leiber.

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Interessenkonflikt

Es bestehen mögliche Interessenkonflikte. Offenlegung von finanziellen Zuwendungen (financial disclosure) für C. Leiber (2012–2016): Reisesponsoring/Kongressbesuche: Pfizer Pharma GmbH, Lilly Deutschland GmbH, Bayer Vital GmbH, Jenapharm GmbH, Coloplast GmbH. Vortragshonorare: Jenapharm GmbH, Coloplast GmbH, Bayer Vital GmbH, AMS Deutschland GmbH. Beratertätigkeit/Gastoperateur: AMS Deutschland GmbH, Coloplast GmbH.

Dieser Beitrag beinhaltet keine vom Autor durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

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Redaktion

M.-O. Grimm, Jena

A. Gross, Hamburg

C.-G. Stief, München

J.-U. Stolzenburg, Leipzig

in Zusammenarbeit mit

der Akademie

der Deutschen Urologen

CME-Fragebogen

CME-Fragebogen

Im Rahmen der empfohlenen evidenzbasierten Diagnostik bei Verdacht auf erektile Dysfunktion sollte welche Untersuchung primär nicht durchgeführt werden?

Allgemeine Anamnese mit Frage nach möglichen Risikofaktoren

Klinisch-urologische Untersuchung

Laboruntersuchung (Nüchternblutzucker, Nüchternblutfette, Testosteron)

Penisplethysmographie

Detaillierte Sexualanamnese

Welche Antwort ist richtig? Sie möchten einem übergewichtigen 71-jährigen Patienten eine Therapie seiner erektilen Dysfunktion (ED) anbieten. Im Rahmen der allgemeinen Anamnese berichtet der Patient über deutliche Dyspnoe beim Treppensteigen. Nach den Empfehlungen der Princeton-Konsensuskonferenz sollten Sie diesem Patienten zu welcher weiteren Diagnostik raten, bevor Sie eine Behandlung seiner ED beginnen?

Oraler Glukosetoleranztest

Vollständige fachkardiologische Abklärung (inklusive Belastungs-EKG und ggf. Herzkatheteruntersuchung)

Lungenfunktionstest

Blutdruckmessung

Harnstrahlmessung

Ein 68-jähriger Patient stellt sich bei Ihnen mit einer seit 3 Jahren bestehenden erektilen Dysfunktion vor. Nach Abschluss sämtlicher Diagnostik möchten Sie ihm einen PDE-5-Hemmer verordnen. Welches der folgenden Medikamente schließt dies aus?

Betablocker

Diuretikum

Statin

Isosorbitdinitrat (ISDN)

Acetylsalicylsäure (ASS)

Ein Patient stellt sich in Ihrer Sprechstunde vor und berichtet über ein fehlendes Ansprechen der verordneten PDE-5-Hemmer-Therapie (bisher 2 Anwendungen mit jeweils mittlerer Dosierung). Wie sieht das leitlinienorientierte weitere Vorgehen aus?

Dosissteigerung bis zur Höchstdosis und mindestens 5 weitere Versuche

Umstellung auf die SKAT-Injektionstherapie

Penisimplantatoperation am Folgetag

Gabe von hochdosiertem L‑Arginin

Hochenergetische Stoßwellentherapie

Welche Antwort ist richtig? Ein Patient mit einer schwerwiegenden organischen Erektionsstörung kommt in Ihre Praxis. Nach mehrfachen Therapieversuchen zeigt sich ein Scheitern sämtlicher oraler Medikamente. Sie möchten jetzt eine intrakavernöse Schwellkörperinjektionstherapie (SKAT) bei dem Patienten einleiten. Auf welche mögliche Nebenwirkung, die dann eine sofortige Behandlung erfordert, müssen Sie den Patienten explizit hinweisen?

Flush-Symptomatik

Möglicher Blutdruckabfall

Kopfschmerzen

Priapismus

Hodenschmerzen

Welche Antwort ist richtig? Bei einem 48-jährigen Typ-1-Diabetiker haben nach leitliniengerechter Diagnostik alle konservativen Therapieverfahren zur Behandlung der erektilen Dysfunktion (PDE-5-Hemmer, SKAT-Therapie, Vakuumpumpe) zu keinem ausreichenden Erfolg geführt. Was empfehlen Sie diesem Patienten jetzt?

Dauerhafter Verzicht auf Geschlechtsverkehr

Operative Therapie mit hydraulischem Penisimplantat

Alleinige Testosterontherapie

Intensive Physiotherapie

Anwendung eines Penisstreckapparats

Welche Antwort ist richtig? Im Rahmen der leitlinienbasierten Primärtherapie der erektilen Dysfunktion werden noch vor der oralen Pharmakotherapie welche Maßnahmen ausdrücklich empfohlen?

Testosteronsubstitutionsbehandlung

LH-FSH-Stimulationstherapie

Dorsale Penisvenenligatur

Penishyperthermiebehandlung

Lebensstiländerung und vermehrte sportliche Aktivität

Ein 67-jähriger, leicht adipöser Mann mit bekanntem Diabetes mellitus Typ 2 und Zustand nach langjährigem Nikotinkonsum stellt sich in Ihrer Praxis wegen Miktionsbeschwerden vor. Worauf sollte der Patient auch angesprochen werden?

Verdauungsprobleme

Riechstörung

Störungen der Sexualfunktion, insbesondere der Erektionsfähigkeit

Haarausfall

Depressive Symptome

Ein 57-jähriger Patient mit organischer erektiler Dysfunktion bei bestehender arterieller Hypertonie, Hyperlipidämie und chronischem Nikotinabusus stellt sich zum dritten Mal in Ihrer Praxis vor und berichtet, dass die von Ihnen verordneten PDE-5-Hemmer alle nicht wirksam seien. Welche mögliche Ursache kommt dafür nicht in Frage?

Der Patient hat sich die Medikamente bisher immer im Internet bestellt, weil dies diskret und billiger ist. Ihm wurden offensichtlich gefälschte Tabletten ohne Wirkstoff verkauft.

Der Patient hat den Wirkmechanismus der PDE-5-Hemmer trotz Erläuterung nicht verstanden und auf das Eintreten einer vollständigen Erektion ohne entsprechende sexuelle Stimulation gewartet.

Der Patient hat aus Kostengründen bisher immer nur maximal die halbe Dosis der verordneten Medikamente getestet.

Die Tabletten können hier nicht wirken, da der Patient einen Partner und keine Partnerin hat.

Bei dem Patienten besteht ein bisher nicht diagnostizierter ausgeprägter Hypogonadismus.

Ein beruflich gestresster Manager stellt sich im Alter von 57 Jahren erstmalig in Ihrer Praxis vor und berichtet über zunehmende Erektionsprobleme, die seine Beziehung belasten. Diese bestehen seit ca. 6 Monaten. Der Patient vermutet einen Zusammenhang mit der Einnahme seines Betablockers, den er schon seit 8 Jahren wegen einer arteriellen Hypertonie einnimmt. Welche der folgenden Maßnahmen ist nicht sinnvoll?

Kurzfristiges Absetzen des Betablockers

Abklärung auf weitere mögliche organische Risikofaktoren wie z. B. Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Nikotinkonsum

Erhebung der differenzierten Sexualanamnese (Beziehungsprobleme etc.)

Empfehlung zur Stressreduktion und vermehrten sportlichen Aktivität

Therapieversuch mit bedarfsweiser Einnahme eines PDE-5-Hemmers

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Leiber, C. Erektile Dysfunktion. Urologe 56, 519–529 (2017). https://doi.org/10.1007/s00120-017-0355-y

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Schlüsselwörter

  • Erektile Dysfunktion
  • Kardiovaskuläre Risikofaktoren
  • PDE-5-Hemmer
  • SKAT-Therapie
  • Penisimplantat

Keywords

  • Erectile dysfunction
  • Cardiovascular risk factors
  • Phosphodiesterase 5 inhibitors
  • Injection therapy
  • Penile prosthesis