Mehrere medizinische und radiologische Fachgesellschaften haben Empfehlungen für die Anwendung der verschiedenen Bildgebungsmodalitäten bei Patienten mit Verdacht auf oder bereits nachgewiesener SARS-CoV‑2 publiziert [5,6,7,8,9,10]. Es besteht eine generelle Übereinstimmung, dass die Indikationen für die Bildgebung einheitlich angewandt und die Bildgebung mit Bedacht eingesetzt werden sollte, um das Ansteckungsrisiko für das medizinische Personal und andere Patienten zu minimieren. Bei asymptomatischen Patienten und bei Patienten mit nur geringen Symptomen sollte daher keine Lungenbildgebung erfolgen [5,6,7,8,9,10].
Thoraxröntgenuntersuchungen sind weithin verfügbar, können am Patientenbett durchgeführt werden und gehen im Vergleich zur Computertomographie (CT) mit einer geringeren Strahlendosis einher [11]. Dadurch wird das transportbedingte Ansteckungsrisiko für das medizinische Personal und andere Patienten minimiert [8]. Sensitivität und Spezifizität des Thoraxröntgens sind, insbesondere bei früher oder milder SARS-Cov2-Infektion, gering [8]. Beispielsweise zeigten in einer Studie lediglich 69 % der Aufnahmeröntgenbilder bei SARS-CoV2-RT-PCR-positiven Patienten Veränderungen [12]. Somit ist das Thoraxröntgen zur Diagnose von COVID-19 nur eingeschränkt geeignet [7].
Bei gesicherten COVID-19-Fällen kann ein Thoraxröntgen für die Beurteilung einer klinischen Verschlechterung oder von Komplikationen wie z. B. von Pleuraergüssen eingesetzt werden [8]. Tägliche (Routine‑)Verlaufskontrollen mittels Thoraxröntgen bei stabilen Patienten, auch wenn diese intubiert sind, sind nicht indiziert [8].
Die Indikation zur Durchführung einer Thorax-CT bei Patienten mit Verdacht auf oder bereits diagnostizierter Covid-19-Pneumonie sollte immer mit Bedacht gestellt werden. Die Durchführung einer CT ist aufgrund des Transports an die radiologische Abteilung mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko für das medizinische Personal und andere Patienten verbunden [8]. Die CT hat eine hohe Sensitivität von 92 % für die Detektion von Lungenmanifestationen im Rahmen von COVID-19 bei gleichzeitig geringer Spezifizität, welche zwischen 25 und 33 % liegt [13, 14]. Aufgrund der deutlich höheren Spezifizität beruht die Diagnose einer SARS-CoV2-Infektion prinzipiell auf einer positiven RT-PCR [6,7,8].
Bei bereits diagnostizierten Patienten mit mäßiger, schwerer oder progredienter Symptomatik bzw. mit einem hohen Risiko auf einen schweren Krankheitsverlauf – z. B. Patienten mit Diabetes, Autoimmunerkrankungen, Adipositas oder vorbekannter Lungenerkrankung – kann eine CT in der initialen Phase und zur Verlaufsbeurteilung durchgeführt werden [7, 8]. Bei diesen Patienten kann die CT zur Abschätzung der Ausdehnung der Erkrankung, zur Diagnose von Komplikationen oder zusätzlicher zugrunde liegender Erkrankungen hilfreich sein [7, 8, 10]. Bei fortbestehender Beeinträchtigung der Lungenfunktion oder Hypoxämie nach Genesung von COVID-19 ist eine CT ebenso indiziert [8]. Nicht notwendig ist die Durchführung einer CT bei klinischer Besserung der Beschwerden bzw. ohne fortbestehende Beeinträchtigung [8, 9].
Sollten sich COVID-19-typische Lungenveränderungen als Zufallsbefund bei respiratorisch asymptomatischen Patienten zeigen, ist eine Bestätigung der Diagnose mittels RT-PCR notwendig [7, 8]. Bei Patienten mit COVID-19-typischen Lungenveränderungen, jedoch negativer RT-PCR, sollte die RT-PCR zum Ausschluss eines falsch-negativen Ergebnisses wiederholt werden [7, 10].
Prinzipiell ist für die Beurteilung der Lungenbeteiligung eine native Thorax-CT in tiefer Inspirationslage geeignet [7]. Besteht jedoch der Verdacht auf eine im Rahmen von COVID-19 gehäuft auftretende Pulmonalembolie, sollte eine kontrastmittelunterstützte CT in pulmonalarterieller Phase durchgeführt werden [7]. Falls vorhanden, sollte in solchen Fällen außerdem eine Evaluierung mittels Dual-energy-CT in Betracht gezogen werden, um kleine, durch mikrovaskuläre Thromben verursachte Perfusionsdefizite nachzuweisen [15, 16].