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Das Wohl des Kindes (und des Jugendlichen) muss die Leitschnur sein…

The best interest of the child (and the adolescent) must be the guiding principle

Infektionskrankheiten spielen für die Morbidität und Mortalität in der Kinder- und Jugendmedizin nach wie vor eine sehr große Rolle. Krankheiten, wie Diphtherie, Keuchhusten im Kleinkindalter sowie Masern und andere, konnten erfolgreich zurückgedrängt werden. Der Impfprävention kam und kommt bei der Kontrolle von Infektionskrankheiten eine herausragende Bedeutung zu. „Impfen“ ist kein statisches Geschehen, sondern bedarf der ständigen Überprüfung mit Blick auf Epidemiologie, Krankheitslast, hieraus resultierender Indikation zur Immunisierung mit geprüften und zugelassenen Impfstoffen. Immer gilt es – das „Wohl des Kindes“ im Fokus –, eine Nutzen-Risiko-Analyse unter besonderer Berücksichtigung unerwünschter Wirkungen und Impfstoffsicherheit zu führen.

“„Impfen“ ist kein statisches Geschehen, sondern bedarf der ständigen umsichtigen Nutzen-Risiko-Analyse”

Das „Wohl des Kindes“ muss die Leitschnur sein. Unerträglich war die politisch geführte Diskussion zur Impfung gegen das „severe acute respiratory syndrome coronavirus 2“ (SARS-CoV-2) bei Kindern und Jugendlichen, bevor eine wissenschaftlich fundierte Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) publiziert wurde. Es ist nicht nur das Recht der STIKO, sondern der zentrale Auftrag, alle Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit sowie Sicherheit einer Impfung – und dieses gilt insbesondere für technologisch neuartige Impfungen (z. B. für COVID-19-Impfstoffe auf Basis der mRNA-Technologie), wie die COVID-19-Impfung – zu prüfen.

In dem Beitrag von Fred Zepp et al. werden die COVID-19-Epidemiologie, das Krankheitsbild der SARS-CoV-2-Infektion bei Kindern und Jugendlichen sowie die aktuelle Impfempfehlung ausführlich dargelegt. Das „Wohl des Kindes“ war und ist Leitlinie der STIKO-Empfehlung. Es geht um die Minimierung von schweren Krankheitsverläufen und Komplikationen durch SARS-CoV-2-Infektionen. Zum „Wohl des Kindes“ gehören aber auch soziale Teilhabe, Bildung und eine ungestörte psychomotorische Entwicklung. Die Entwicklungschancen insbesondere von Klein- und Schulkindern haben sehr unter den restriktiven Lockdown-Maßnahmen gelitten. Aus kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanzen und Kliniken wird eine Zunahme von psychosomatischen und psychiatrischen Vorstellungen gemeldet. Daher gehört zum „Wohl des Kindes“ auch die Bekämpfung der Pandemie mit allen Maßnahmen. Selbstverständlich ist in diesem Zusammenhang die Impfprävention bei Erwachsenen zu nennen. Es ist nicht zu verstehen, warum sich ein relevanter Anteil Erwachsener, trotz Verfügbarkeit von geprüften, wirksamen und sicheren Impfstoffen nach millionenfacher Anwendung, nicht impfen lässt und somit ein Infektionsrisiko für aktuell nicht zu impfende Säuglinge, Klein- und Schulkinder darstellt.

Mit Einführung von Impfstoffen gegen invasive Meningokokkenerkrankungen (IME) ergab sich die einmalige Chance, eine wirksame Impfprävention gegen eine zwar seltene, jedoch sehr schwer und kompliziert verlaufende Infektionskrankheit einzusetzen. Der technologische Fortschritt schreitet auch hier voran: Es stehen neben den konjugierten Meningokokken-C-Impfstoffen auch konjugierte, quadrivalente Meningokokken-ACWY-Impfstoffe und proteinbasierte Meningokokken-B-Impfstoffe zur Verfügung. Eindrucksvoll konnte die Effektivität der Meningokokken-B-Impfstoffe in Großbritannien, Italien und Portugal demonstriert werden. Die Meningokokken-ACWY-Impfstoffe werden erfolgreich in Großbritannien und den Niederlanden im Rahmen des Kleinkinderimpfprogramms eingesetzt. Hier steht eine STIKO-Empfehlung aus, die sicher die modernen, kombinierten und wirksamen Meningokokken-B- bzw. Meningokokken-ACWY-Impfstoffe einschließt.

Ein völlig neuer Weg auch zum Schutz von Neugeborenen und Säuglingen wird mit der maternalen Immunisierung beschritten. Schwangere, Un- und Neugeborene weisen aufgrund von Besonderheiten ihres Immunsystems eine erhöhte Vulnerabilität für impfpräventable Erkrankungen auf. In dem Beitrag von Marianne Röbl-Mathieu und Martin Terhardt werden die Impfstrategien zum Schutz von Mutter und Kind sowie die Impfungen in der Schwangerschaft grundsätzlich und in der Folge am Beispiel von Tetanus, Influenza, Pertussis und COVID-19 ausführlich besprochen. Das „Wohl des Kindes“ gilt bereits intrauterin als Maxime. Insofern sind die Überlegungen zur maternalen Immunisierung mit der Absicht, das neugeborene Kind frühzeitig vor schwerwiegenden Komplikationen von Infektionskrankheiten wie Pertussis zu schützen, sehr sinnvoll.

Das „Wohl des Kindes“ wurde mit den Lockdown-Maßnahmen und hieraus resultierenden Isolierungseffekten nicht hinreichend berücksichtigt.

Das „Wohl des Kindes“ steht im Vordergrund bei der COVID-19-Impfung und auch bei der Impfprävention gegen IME sowie bei impfpräventablen Erkrankungen, die bereits kurz nach der Geburt Probleme bereiten können.

Das „Wohl des Kindes“ wird nicht nur adressiert mit der Entwicklung und Einführung von Impfungen, sondern auch durch die kritische Überprüfung von Indikationen, Kontraindikationen und hieraus resultierenden Empfehlungen. Daran sollte sich nichts ändern.

Univ.-Prof. Dr. M. Knuf, Worms

Univ.-Prof. Dr. F. Zepp, Mainz

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Correspondence to F. Zepp.

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Interessenkonflikt

F. Zepp ist Mitglied der unabhängigen Data Safety Monitoring Boards für die Entwicklung von COVID-19- und RSV-Impfstoffen von CureVac und Icosavax. M. Knuf gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Zepp, F., Knuf, M. Das Wohl des Kindes (und des Jugendlichen) muss die Leitschnur sein…. Monatsschr Kinderheilkd 169, 1007–1009 (2021). https://doi.org/10.1007/s00112-021-01327-1

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