Zelluläre Immuntherapien

Cellular immunotherapies

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in der vorliegenden Ausgabe von Der Internist soll der Leserschaft ein völlig neues Therapieverfahren vorgestellt werden, das in den letzten fünf Jahren Einzug in die klinische Praxis gehalten hat. Die Rede ist von genetisch modifizierten T‑Zellen, die mit einem durch Gentransfer hergestellten gezielten T‑Zell-Rezeptor ausgestattet sind und in der Tumortherapie eingesetzt werden. Die derzeitigen Hauptanwendungsgebiete sind lymphatische Neoplasien, insbesondere die Non-Hodgkin-Lymphome und das multiple Myelom. Das Therapieverfahren wurde auch in der Laienpresse spektakulär gefeiert und erreicht jetzt ein gewisses klinisches Reifestadium. Besonderheiten dieser Therapie sind das zurzeit noch sehr aufwendige Herstellungsverfahren mit Zellen aus den Patienten, also mit einem sehr großen logistischen Aufwand, sowie die damit verbundenen hohen Kosten. Andererseits stellt das Verfahren einen weiteren Baustein personalisierter Therapiemöglichkeiten dar und eröffnet für Patientinnen und Patienten mit rezidivierten oder refraktären Lymphomen, multiplen Myelomen und Leukämien aus der lymphatischen Reihe neue Therapieoptionen.

“CAR-T-Zellen sind ein weiterer Baustein der personalisierten Tumortherapie”

In der vorliegenden Ausgabe sprechen zunächst A. Holzinger u. H. Abken aus Regensburg über die Grundlagen für die Herstellung der genmodifizierten T‑Zellen, bezeichnet als Chimeric-antigen-receptor-bestückte T‑Zellen (CAR-T-Zellen), und über die verschiedenen Entwicklungen, die dafür sorgen sollen, dass dieses Verfahren in der Zukunft noch breiter eingesetzt werden kann.

Im zweiten Beitrag zeigen H. Balke-Want u. P. Borchmann aus Köln auf, welche Wirkung und Einsatzgebiete diese Therapie zurzeit in der Behandlung der Lymphome hat. Hierbei werden die neuesten Studien referiert und der aktuelle Stellenwert genau beleuchtet.

Im Beitrag von P. Bader u. T. Klingebiel aus Frankfurt wird die Rolle der CAR-T-Zell-Therapie bei der akuten lymphatischen Leukämie des Kindesalters beleuchtet. Hier bietet die CAR-T-Zell-Therapie eine neue, potenziell kurative Behandlungsoption für rezidivierte Fälle.

Im vierten Beitrag stellen X. Zhou, H. Einsele u. S. Danhof aus Würzburg die Therapien beim multiplen Myelom dar. Die derzeitigen Konstrukte richten sich vor allem gegen ein spezifisches Antigen, das „B-cell maturation antigen“ (BCMA), das auf den Zellen des multiplen Myeloms besonders häufig und hoch exprimiert wird.

In der Darstellung von B. Böll und seinem Team aus Köln werden die zum Teil ungewöhnlichen und neuen Nebenwirkungen der CAR-T-Zell-Therapie dargestellt. Es handelt sich hier vor allem um das Zytokinfreisetzungssyndrom („cytokine release syndrome“ [CRS]) und das Krankheitsbild eines immuneffektorzellassoziierten Neurotoxizitätssyndroms (ICANS), die häufig und besonders bei Lymphomen nach einer Therapie mit CAR-T-Zellen auftreten. Ein Teil dieser Nebenwirkungen ist abhängig vom therapeutischen Target, ein Teil ist davon unabhängig, verbunden mit einer heftigen Aktivierung der T‑Zellen oder einer starken Zerstörung des Tumors im Sinne eines Tumorlysesyndroms. Das Management dieser Nebenwirkungen erfordert neue Kenntnisse und eine genaue Beobachtung der behandelten Personen und wird deshalb auch in diesem Schwerpunkt ausführlich dargestellt.

Da die Behandlung mit CAR-T-Zellen erheblichen logistischen wie auch herstellungstechnischen Mehraufwand mit sich bringt, ist das Verfahren im Moment noch recht teuer. Viele Krankenhäuser müssen deshalb abwägen, ob sie ihren Patientinnen und Patienten dieses Verfahren anbieten können, zumal bestimmte Mindesterfahrungen erforderlich sind, um von den Krankenkassen dafür anerkannt zu werden. Die notwendigen und spezifischen Überlegungen und kostentechnischen Gesichtspunkte werden im Beitrag von F. Kron et al. nach dem heutigen Stand referiert. Außerdem enthält dieser Beitrag bestimmte Hinweise zur Vergütung in den entsprechenden Kliniken, die zumindest sicherstellen sollen, dass in den Krankenhäusern, die diese Verfahren durchführen, keine Defizite entstehen. Aufgrund der Kosten des Verfahrens erscheint es wichtig, auch diesen Aspekt in einem solchen Schwerpunkt für die internistische Weiterbildung zu beleuchten. Es soll ein Gefühl für die wirtschaftlichen Konsequenzen vermittelt werden.

Ich wünsche dieser Ausgabe, die das Thema der zellulären Immuntherapie behandelt, eine kritische und kundige Leserschaft. Ich hoffe, dass die Ausgabe dazu beiträgt, dass in den internistischen Fachgebieten für dieses Verfahren allgemeine Kenntnisse zur Verfügung gestellt werden, die im Alltag nützlich sind.

M. Hallek

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Correspondence to Prof. Dr. Michael Hallek.

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M. Hallek gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Hallek, M. Zelluläre Immuntherapien. Internist 62, 581–582 (2021). https://doi.org/10.1007/s00108-021-01055-4

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