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Lebertumoren – Diagnostik und Therapie 2020

Liver tumors—diagnostics and treatment in 2020

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Raumforderungen der Leber stellen häufig Zufallsbefunde im Rahmen einer abdominellen Bildgebung dar. Da das Spektrum intrahepatischer Läsionen von der unkomplizierten Zyste bis zu malignen hepatobiliären Tumoren und Metastasen reicht, stellt sich für jede detektierte Läsion die Frage nach der Notwendigkeit und einem angemessenen Ausmaß der weiterführenden Diagnostik. Während für viele benigne Tumoren eine singuläre Bildgebung (zumeist die abdominelle Sonographie) zur Abklärung der Dignität ausreichend ist, bedarf es in anderen Fällen der Verwendung mehrerer unterschiedlicher Bildgebungsmodalitäten oder auch einer bioptischen Sicherung. Im Zweifelsfall sollte ein Patient mit einer ätiologisch unklaren hepatischen Raumforderung in einem Zentrum mit anerkannter Expertise für die Abklärung von Lebertumoren vorgestellt werden, insbesondere beim Vorliegen von Risikofaktoren für eine maligne Erkrankung.

Die zumeist am Anfang der klinischen Abklärung stehende sonographische Diagnostik wird in dieser Ausgabe von C. Höner zu Siederdissen u. A. Potthoff zusammengefasst, die weiterführende radiologische Diagnostik mittels Computertomographie und Magnetresonanztomographie in einem Übersichtsbeitrag von H.-J. Raatschen. Insgesamt ermöglichen die modernen bildgebenden Verfahren in Zentren mit entsprechender Expertise meist eine akkurate nichtinvasive Diagnostik ohne Notwendigkeit einer interventionellen Biopsie. Besonders mithilfe der kontrastmittelverstärkten Darstellung konnte in den letzten Jahren sowohl die Sensitivität als auch die Spezifität der bildgebenden Modalitäten weiter gesteigert werden.

Sofern nach initialer Bildgebung die Dignität einer hepatischen Raumforderung unklar bleibt, stellt die in der Regel ultraschallgezielte perkutane Biopsie eine sichere Methode zur weiteren Abklärung dar. Wie von P. Schirmacher dargestellt, geht die Rolle der pathologisch-anatomischen Begutachtung dabei schon heute weit über eine einfache Diagnosesicherung hinaus. In vielen Fällen kann sie zur Abschätzung eines Entartungsrisikos oder auch zur Prognoseabschätzung und Prädiktion für eine molekulare Therapie bei malignen Tumorentitäten beitragen.

“Die systemische Therapie von malignen Lebertumoren steht vor einem grundlegenden Wandel”

Im Anschluss an die Diagnostik stellt sich sowohl bei benignen als auch bei malignen Tumorbefunden die Frage nach dem therapeutischen Prozedere. Wie von R.J. de Knegt, A. Potthoff u. T.C. Wirth dargelegt, besteht bei den meisten benignen Lebertumoren bei asymptomatischen Patienten keine Indikation zur regelmäßigen Verlaufskontrolle, in seltenen Fällen wie etwa beim Adenom erfordert die Diagnose jedoch eine weitere Überwachung oder auch eine chirurgische Intervention. Im Falle einer malignen Diagnose stellt die chirurgische Therapie inklusive Resektion und Transplantation, wie von H. Lang et al. dargestellt, nach wie vor den Goldstandard dar, sofern der Allgemeinzustand des Patienten, das Ausmaß des Tumorbefalls und die Leberfunktion dies ermöglichen. Mit der Weiterentwicklung radiologischer Therapieoptionen stehen jedoch für immer mehr Patienten lokal ablative und lokoregionäre Therapieverfahren zur Verfügung, die als Alternative oder in Ergänzung zu chirurgischen Therapien zunehmend Anwendung finden. Das aktuelle Spektrum dieser hochmodernen Therapien von der Radiofrequenzablation bis hin zur Chemosaturation wird von J. Hinrichs und F. Wacker in dieser Ausgabe näher beleuchtet.

In der systemischen Therapie der beiden häufigsten malignen Tumorentitäten der Leber – des hepatozellulären Karzinoms und des cholangiozellulären Adenokarzinoms – haben sich die zur Verfügung stehenden Optionen in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Wie im Beitrag von M.M. Kirstein u. T.C. Wirth beschrieben, stehen neben Sorafenib nunmehr multiple systemische Therapiealternativen zur Verfügung und weitere Therapeutika unmittelbar vor der Zulassung. Das intrahepatische cholangiozelluläre Karzinom hingegen entwickelt sich aufgrund gut definierter und therapeutisch hochrelevanter genetischer Alterationen – hier von L. Jödicke, L. Zender u. N.P. Malek zusammengefasst – zu einem Paradebeispiel für einen gastrointestinalen Tumor, bei dem die Präzisionsonkologie die gängigen One-size-fits-all-Systemtherapien in absehbarer Zukunft ergänzen bzw. ersetzen wird.

T.C. Wirth

M.P. Manns

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Correspondence to PD Dr. T. C. Wirth or Prof. Dr. M. P. Manns.

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M. Manns, Hannover

T.C. Wirth, Hannover

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Wirth, T.C., Manns, M.P. Lebertumoren – Diagnostik und Therapie 2020. Internist 61, 113–114 (2020). https://doi.org/10.1007/s00108-019-00732-9

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