Advertisement

Der Internist

, Volume 58, Issue 11, pp 1125–1126 | Cite as

Chronische Infektionen der Atemwege oder Kolonisierung mit Problemkeimen?

  • B. Salzberger
  • C. Vogelmeier
  • T. WelteEmail author
Einführung zum Thema
  • 710 Downloads

Chronic airway infections or colonization by problem pathogens?

Die Atemwege gehören zu den Grenzflächen unseres Organismus. Hier interagiert unser Immunsystem mit einer Vielzahl von Mikroorganismen, die diese Flächen besiedeln, aber auch invasive Infektionen verursachen können.

Im Schwerpunkt dieser Ausgabe von Der Internist geht es immer wieder um die Abgrenzung der Kolonisierung von einer Infektion – dies ist vor allem schwierig, weil sowohl Wirts- als auch Erregerfaktoren hier eher für langsam verlaufende oder chronische Infektionen prädisponieren. Auf der Seite des Wirts sind dies Beeinträchtigungen der Immunantwort und strukturelle Lungenschädigungen. Die Erreger sind alle nicht obligat pathogen.

Der Zusammenhang zwischen chronischer Kolonisierung und chronischer Infektion ist am besten bei Patienten mit Mukoviszidose bekannt – hier ist schon die Kolonisierung mit Pseudomonas aeruginosa ein entscheidender Faktor für den Krankheitsverlauf. Sie führt fast zwangsläufig zu rezidivierenden schweren Infektionen. Deshalb ist die Prävention der Kolonisierung äußerst relevant. Aktuelle und zukünftige Strategien werden im Beitrag von Dittrich et al. vorgestellt.

Ob Pseudomonaden bei der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) eine ähnliche Bedeutung zukommt, ist umstritten. Untersuchungen, in denen Antibiotika dauerhaft zur Kontrolle des Erregers eingesetzt wurden, brachten kontroverse Ergebnisse. Rohde et al. zeigen in ihrem Beitrag, dass die COPD durch eine Bronchiektasenerkrankung kompliziert werden kann. Für Bronchiektasen konnte eine prognostische Bedeutung von P. aeruginosa gesichert werden. Leider waren therapeutische Ansätze wie die inhalative Antibiotikaapplikation oder die orale Antibiotikadauertherapie nicht so erfolgreich wie bei der Mukoviszidose, was auf die Heterogenität dieser Patientengruppe zurückzuführen sein könnte.

Für Bronchiektasen konnte eine prognostische Bedeutung von P. aeruginosa gesichert werden

Schimmelpilze sind ubiquitär und auch in der Atemluft vorhanden. Das Erkrankungsspektrum reicht von allergischen Reaktionen bis zu invasiven Multiorganinfektionen. Im Beitrag von Salzer et al. wird die am wenigsten bekannte und komplizierteste Manifestation, die chronische bronchopulmonale Aspergillose, ausgiebig behandelt.

Nichttuberkulöse Mykobakterien spielen vor allem als opportunistische Keime bei Patienten mit Immundefizienz eine Rolle. In den letzten Jahren ist allerdings zunehmend deutlich geworden, dass diese Erreger auch bei Patienten mit Vorschädigungen der Lunge schwere, langwierige und komplizierte Infektionen verursachen können. Dieses Krankheitsbild und die beteiligten Erreger werden im Beitrag von Rademacher et al. dargestellt.

Eine Pneumonie mit methicillinresistenen Staphylococcus aureus (MRSA) ist eine schwere und akute Erkrankung, zum Glück aber recht selten. Der Nachweis von MRSA im Sputum dagegen ist häufiger und nicht automatisch eine Behandlungsindikation. Die Differenzierung und auch die Konsequenzen für die Behandlung werden im Beitrag von Lorenz et al. behandelt.

Alle Beiträge deuten darauf hin, dass das Problem des Nachweises potenziell pathogener Erreger in der Zukunft zunehmen wird, vor allem bei Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen. In der Regel ist die Therapie komplex, langwierig und nebenwirkungsreich. Damit ist es umso wichtiger, die Pathogenese der Infektionen besser zu verstehen. Dann werden wirksamere Konzepte für Prävention und Prophylaxe sowie eine gezielte Indikationsstellung zur Therapie möglich. Nicht zuletzt können so bessere Behandlungskonzepte entwickelt werden.

B. Salzberger

C. Vogelmeier

T. Welte

Notes

Interessenkonflikt

B. Salzberger, C. Vogelmeier und T. Welte geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Stabstelle InfektiologieUniversitätsklinikum RegensburgRegensburgDeutschland
  2. 2.Klinik für Innere Medizin, Pneumologie, Intensiv- und SchlafmedizinUniversitätsklinikum Gießen und Marburg GmbHMarburgDeutschland
  3. 3.Klinik für PneumologieMedizinische Hochschule HannoverHannoverDeutschland

Personalised recommendations