Unter einem pulmorenalen Syndrom versteht man eine Erkrankung, bei der eine meist akute pulmonale Affektion mit einer akuten Niereninsuffizienz einhergeht. Bei der Lungenerkrankung steht die pulmonale Hämorrhagie meist im Vordergrund. Die Ursachen für pulmorenale Syndrome sind vielgestaltig. Dazu gehören:
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ANCA-assoziierte Erkrankungen (z. B. Morbus Wegener und die Panarteriitis nodosa),
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Anti-GBM-Antikörper assoziierte Erkrankungen (z. B. Goodpasture-Syndrom),
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systemischer Lupus erythematodes,
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Infektionen (Hanta-Virus, Pneumonien),
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Lungenembolie,
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Purpura Schönlein Henoch,
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andere akute Glomerulonephritiden.
Der Morbus Wegener und die Panarteriitis nodosa sind ANCA-assoziierte Erkrankungen, wobei der Morbus Wegener durch c-ANCA-Antikörper und die Panarteriitis durch p-ANCA-Antikörper charakterisiert ist. Zielantigene dieser Antikörper sind verschiedene Subformen der Myeloperoxidase.
Der Morbus Wegener manifestiert sich klinisch sehr unterschiedlich, sodass die Diagnose häufig erst verzögert gestellt wird. So gibt es Patienten, bei denen die Erkrankung primär nur nasal imponiert z. B. durch rezidivierende Sinusitiden, rezidivierende Otitiden oder eine primäre Deformierung der Nase bis hin zur Sattelnase. Andererseits gibt es Patienten, bei denen ausgedehnte pulmonale Infiltrationen im Vordergrund stehen, die als Pneumonie fehlinterpretiert und entsprechend antibiotisch behandelt werden. Erst dann, wenn das Vollbild mit pulmonalen Hämorrhagien und akutem Nierenversagen vorliegt, wird die Diagnose gestellt.
Bei den p-ANCA-assoziierten Vaskulitiden z. B. der Panarteriitis nodosa sind meist auch andere Organe betroffen, vor allem der Darm. Hier kommt es zur Darmischämie bis hin zu Infarkten im Dünn- oder Dickdarm, die Patienten versterben häufig an einer schweren Peritonitis. Aber auch das Gehirn kann in Form von Hirninfarkten betroffen sein. Gelegentlich kann die Erkrankung sich auch als isolierte Organerkrankung z. B. in Form eines einseitigen isolierten Hörsturzes als Folge der Innenohrbeteiligung manifestieren.
Für die ANCA-assoziierten Ursachen des pulmorenalen Syndroms stehen heute effektive Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Dadurch kann bei ca. 80% der Fälle eine Remission erreicht werden. Das Medikament der Wahl ist Cyclophosphamid (Endoxan®), welches mit Steroiden kombiniert werden sollte. Im praktischen Alltag hat sich eine intravenöse Bolustherapie in 4-wöchentlichen Abständen bewährt. Eine Alternative ist eine orale Dauertherapie, die jedoch häufiger Nebenwirkungen zeigt. Bei sehr schweren Verlaufsformen sollte eine Plasmaseparation diskutiert werden. Nach Erreichen der Remission muss eine remissionserhaltende Therapie eingeleitet werden. Hierfür eignen sich Azathioprin sowie Mucophenylamofetil. Bei fehlender Nierenbeteiligung ist auch eine Dauertherapie mit Methotrexat möglich. Durch diese aggressive Therapie konnte die Prognose dieser Erkrankung in den letzten Jahren deutlich verbessert werden. So konnte die Mortalität innerhalb der ersten beiden Jahren bei schwerem Krankheitsverlauf von 90% auf heute 20% gesenkt werden.
Das Goodpasture-Syndrom wird durch Antikörper gegen die glomeruläre Basalmembran verursacht. Oft sind im akuten Krankheitsfall außerdem noch ANCA nachweisbar. Typischerweise geht die Erkrankung mit einer schweren Niereninsuffizienz bis hin zu Anurie einher. Die pulmonale Beteiligung kann sogar zu einem schweren ARDS führen. Wichtig für das Ansprechen der Therapie ist die frühe Diagnosestellung. Die Behandlung der Wahl ist die Plasmapherese in Kombination mit Steroiden und Cyclophosphamid. Durch die Plasmapherese können die zirkulierenden Antikörper gegen die glomeruläre Basalmembran sowie die Mediatoren der Entzündung eliminiert werden. Durch die gleichzeitig verabreichte immunsuppressive Therapie wird die Neubildung von Antikörpern verhindert.
Auch Hanta-Virusinfektionen können zu einem pulmorenalen Syndrom führen. Die Viren werden typischerweise durch Nagetiere übertragen. Die bei uns vertretenen Viren führen meist zu einem leichteren und von der Prognose her meist gutartigen Krankheitsverlauf. Typischerweise geht das akute Nierenversagen mit starken Schmerzen im Bereich der Nierenlager einher. Die Patienten haben schwere Allgemeinsymptome und von Seiten der Lunge entwickelt sich eine interstitielle Pneumonitis. Aber auch die Leber kann beteiligt sein, sodass die Leberwerte und Cholestasewerte ansteigen, wobei Bilirubinwerte von über 10 mg/dl erreicht werden können.
Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch die Bestimmung der IgM- Antikörper gegen die Hanta-Viren. Auch durch eine Nierenbiopsie, die die typischen Erythrozytenextravasate zeigt, kann die Diagnose bestätigt werden. Die Therapie einer akuten Hanta-Virusinfektion ist symptomatisch. Bei der Auswahl von Analgetika sollten jedoch nicht-nephrotoxische Substanzen bevorzugt werden. Eine spezifische Therapie steht nicht zur Verfügung (R. Wenzel, Zell am See).