Oropharynxkarzinome: die Renaissance der Chirurgie?

Teil 1

Oropharyngeal cancer: the renaissance of surgery?

Part 1

Liebe Leserinnen und Leser,

Plattenepithelkarzinome der Kopf-Hals-Region zählen mit etwa 500.000 Neudiagnosen und 300.000 tumorbedingten Todesfällen pro Jahr zu den 6 häufigsten Malignomen weltweit [1, 2]. Während die Inzidenz an Plattenepithelkarzinomen der Kopf-Hals-Region für viele Primärtumorlokalisationen sinkt, steigt der Anteil an Oropharynxkarzinomen. Nikotin- und Alkoholkonsum zählen zu den etablierten Risikofaktoren, wenngleich der relative und absolute Anstieg an Oropharynxkarzinomen innerhalb der Gesamtkohorte insbesondere auf eine virale Karzinogenese zurückzuführen ist [3, 4].

“Grundsatz ist, die Erkrankung bei Erstdiagnose erfolgreich zu therapieren”

In den vergangenen Jahrzehnten wurden große Anstrengungen betrieben, die Prognose von Patienten mit Oropharynxkarzinomen zu verbessern. Hierbei hat auch heute noch der Grundsatz Bestand, die Erkrankung möglichst bei Erstdiagnose erfolgreich zu therapieren und Rezidive zu verhindern. Trotz intensiver Bemühungen konnte für herkömmliche Plattenepithelkarzinome weder chirurgisch noch primär konservativ ein signifikanter Durchbruch erzielt werden. Erst mit Identifikation des humanen Papillomavirus (HPV) in der Ätiopathogenese virusinduzierter Oropharynxkarzinome konnte das signifikant bessere Überleben in dieser Subgruppe nachvollzogen werden.

Der besseren Prognose HPV-positiver Oropharynxkarzinome trägt die 8. Auflage des UICC-Manuals (Union Internationale Contre le Cancer) Rechnung. Die Interpretation der Prognose des HPV-Status führt hier erstmals zu einer eigenen Klassifikation HPV-positiver Oropharynxkarzinome, die in der Klassifikation nach erfolgter Neck-Dissection keine Rückschlüsse auf die Lateralität befallener Lymphknoten, detaillierte Abschätzungen der Zahl befallener Lymphknoten oder des Kapseldurchbruchs erkennen lässt und sich damit deutlich von der Klassifikation herkömmlicher Oropharynxkarzinome abgrenzt. Da Therapieregime außerhalb klinischer Studien nicht anhand des HPV-Status stratifiziert werden, bleibt fraglich, inwieweit die Ausführungen der 8. Auflage des UICC-Manuals von praktischem Nutzen sind oder gar eine Gefahr bergen [5, 6].

“Therapieregime außerhalb klinischer Studien werden nicht anhand des HPV-Status stratifiziert”

Mit der zunehmenden Zahl Überlebender wird das Spannungsfeld zwischen einer ausreichenden therapeutischen Radikalität und dem Wunsch des Funktionserhalts bzw. der Funktionswiederherstellung immer stärker akzentuiert und der Anspruch einer ausreichenden Berücksichtigung funktioneller Aspekte in der onkologischen Therapie bekräftigt [7]. In den USA trägt die transorale Roboterchirurgie (TORS) diesem Trend Rechnung, wenngleich zum heutigen Zeitpunkt nicht abzuschätzen ist, ob dieses Verfahren tatsächlich „klassischer“ Chirurgie im Hinblick auf die Funktionalität überlegen ist. Allen chirurgischen Verfahren ist jedoch gemein, dass eine Gratwanderung zwischen ausreichender onkologischer Radikalität und dem Erhalt bzw. der Wiederherstellung von Funktionalität vollzogen wird. Dieser Ansatz erfordert ein breites Repertoire chirurgischer Zugangswege, das unterschiedliche Techniken der Rekonstruktion einbezieht.

Wir hoffen, dass dieser erste Teil des Leitthemas für Sie von Interesse ist, ein zweiter Teil wird im April folgen.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen

Prof. Dr. Andreas Knopf

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Knopf, A. Oropharynxkarzinome: die Renaissance der Chirurgie?. HNO 69, 87–88 (2021). https://doi.org/10.1007/s00106-020-00985-z

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