Advertisement

HNO

pp 1–11 | Cite as

Der Freiburger Einsilbertest im Störschall

  • A. WinklerEmail author
  • I. Holube
  • H. Husstedt
Originalien
  • 13 Downloads

Zusammenfassung

Hintergrund

Seit 2017 kann der Freiburger Einsilbertest (FBE) im Störschall für die Hörgeräteevaluation verwendet werden. Die erzielten Messwerte werden für die Bewertung der versorgten relativ zur unversorgten Situation herangezogen. Für eine Bewertung der Ergebnisse im Vergleich zu Personen mit normalem Hörvermögen fehlt bislang jedoch eine Bezugskurve.

Ziel der Arbeit (Fragestellung)

Das Ziel ist die Erstellung einer Bezugskurve und die Analyse der perzeptiven Äquivalenz für den FBE im kontinuierlichen CCITT-Rauschen (gemäß Comité Consultatif International Téléphonique et Télégraphique).

Material und Methoden

Die Messungen erfolgten an 2 Standorten mit insgesamt 90 Probanden. FBE und CCITT-Rauschen wurden frontal (S0N0) aus einem Lautsprecher bei verschiedenen Signal-Rausch-Abständen dargeboten. Individuelle und listenspezifische Diskriminationsfunktionen wurden angepasst, um Unterschiede im Sprachverstehen zwischen den Standorten und den Listen aufzulösen.

Ergebnisse

Die Bezugskurve und ihr Toleranzbereich wurden erstellt. Drei perzeptiv auffällige Listen (1, 3, 20) wurden identifiziert.

Schlussfolgerung

Anhand der Bezugskurve kann die Hörbeeinträchtigung mit dem FBE im Störschall quantifiziert und die Kompensation durch eine Hörgeräteversorgung abgeschätzt werden. Diese Bezugskurve gilt nur für die frontale Darbietung (S0N0) bei kontinuierlicher Präsentation des CCITT-Rauschens. Auffällige Listen stimmen nicht mit denen bei Messungen in Ruhe überein, decken sich aber teilweise mit Literaturdaten.

Schlüsselwörter

Sprachverstehen Hörgeräte Signal-Rausch-Abstand Hörverlust Perzeptive Äquivalenz 

Abkürzungen

SV (%)

Sprachverstehen

SNR (dB)

Signal-Rausch-Abstand

L50 (dB SNR)

Sprachverständlichkeitsschwelle: SNR-Wert für 50%iges Sprachverstehen

s50 (%-Punkte pro dB SNR)

Steigung im L50

L50_ind/s50_ind (dB SNR und %‑Punkte pro dB SNR)

Für jede Person: anhand des individuellen Sprachverstehens pro SNR wurde L50 mit entsprechender Steigung s50 bestimmt

L50_Med/s50_Med (dB SNR und %‑Punkte pro dB SNR)

Median von L50_ind bzw. s50_ind

L50_Liste/s50_Liste (dB SNR und %‑Punkte pro dB SNR)

Anhand des Sprachverstehens pro SNR wurden L50 und s50 listenweise bestimmt

SNRListe (dB)

SNR-Werte pro Liste für Sprachverstehen von 30 bis 90 % in Schritten von 10 % berechnet anhand von L50_Liste und s50_Liste

L50_Med_Liste/s50_Med_Liste (dB SNR und %‑Punkte pro dB SNR)

Median von L50_Liste bzw. s50_Liste

SNRListe_Med (dB)

SNR-Werte für Sprachverstehen von 30 bis 90 % in Schritten von 10 % berechnet anhand von L50_Med_Liste und s50_Med_Liste

L50_DIN/s50_DIN (dB SNR und %‑Punkte pro dB SNR)

Nach den Vorgaben von (10): Median vom Sprachverstehen aller Probanden pro SNR zur Bestimmung von L50 und s50

SNRDIN (dB)

SNR-Werte für Sprachverstehen von 30 bis 90 % in Schritten von 10 % berechnet anhand von L50_DIN und s50_DIN

The Freiburg monosyllabic speech test in noise

Abstract

Background

Since 2017, the Freiburg monosyllabic speech test can be used in hearing aid evaluation with background noise in Germany. The results are used to compare the aided versus the unaided condition. However, there is currently no reference speech recognition curve for a comparison to listeners with normal hearing.

Objective

The goal is to establish a reference speech recognition curve for listeners with normal hearing and to analyze the perceptual equivalence of the test lists in continuous CCITT noise (according to Comité Consultatif International Téléphonique et Télégraphique).

Materials and methods

The measurements were conducted at two different sites with 90 participants in total. Monosyllables and CCITT noise were presented at different signal-to-noise ratios by one loudspeaker from the front (S0N0). Individual and test-list specific discrimination functions were fitted to differentiate between the sites and among test lists.

Results

The reference speech recognition curve and its region of tolerance were established. Three perceptively deviating test lists (1, 3, 20) were identified.

Conclusion

The reference speech recognition curve enables quantification of hearing difficulties with Freiburg monosyllables in noise and an estimation of the rehabilitation with hearing aids. This reference curve is only valid for frontal stimulus presentation (S0N0) and continuous CCITT noise. Perceptually deviating test lists were different to those in quiet, but partly correspond to literature data.

Keywords

Speech discrimination Hearing aids Signal-to-noise ratio Hearing loss Perceptual equivalence 

Notes

Danksagung

Maximilian Hehl, Simon Kahl, Stephan Müller, Florian Schmitt und Kristin Sprenger für die Unterstützung bei der Erhebung der Messdaten, Daniel Berg (HörTech gGmbH) für die technische Unterstützung und allen Probanden für die Teilnahme an der Studie. Die Korrektur der englischsprachigen Textanteile erfolgte durch www.stels-ol.de.

Förderung

Diese Untersuchung wurde gefördert vom Promotionsprogramm Jade2Pro der Jade Hochschule sowie aus dem Projekt VIBHear mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und Mitteln des Landes Niedersachsen.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

A. Winkler gibt Folgendes an: Honorar aus Vortrag. I. Holube und H. Husstedt geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Messmethoden wurden von der Kommission für Forschungsfolgenabschätzung und Ethik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Drs. 1/2015) genehmigt und wurden im Einklang mit nationalem Recht sowie gemäß der Deklaration von Helsinki von 1975 (in der aktuellen, überarbeiteten Fassung) durchgeführt. Von allen beteiligten Patienten liegt eine Einverständniserklärung vor.

Literatur

  1. 1.
    Baljic I, Winkler A, Schmidt T, Holube I (2016) Untersuchungen zur perzeptiven Äquivalenz der Testlisten im Freiburger Einsilbertest. HNO 64(8):572–583.  https://doi.org/10.1007/s00106-016-0192-0 CrossRefPubMedGoogle Scholar
  2. 2.
    Brand T, Kollmeier B (2002) Efficient adaptive procedures for threshold and concurrent slope estimates for psychophysics and speech intelligibility tests. J Acoust Soc Am 111(6):2801–2810.  https://doi.org/10.1121/1.1479152 CrossRefPubMedGoogle Scholar
  3. 3.
    Brinkmann K (1974) Die Neuaufnahme der „Wörter für Gehörprüfung mit Sprache“. Z Hörgeräteakustik (13):14–40Google Scholar
  4. 4.
    Bundessozialgericht (2009) Urteil Az. B3 KR 20/08 R, vom 17. Dezember 2009, Fundstelle openJur 2011, 95584. https://openjur.de/u/169587.html. Zugegriffen: 30. Juli 2019Google Scholar
  5. 5.
    DIN 45621‑1 (1995) Sprache für Gehörprüfung. Teil 1: Ein- und mehrsilbige Wörter. Beuth Verlag BerlinGoogle Scholar
  6. 6.
    DIN 45626‑1 (1995) Tonträger mit Sprache für Gehörprüfung, Teil 1: Tonträger mit Wörtern nach DIN 45621‑1. Beuth Verlag BerlinGoogle Scholar
  7. 7.
    DIN EN 60645‑2 (1997) Audiometer Teil 2: Geräte für die Sprachaudiometrie. Beuth Verlag BerlinGoogle Scholar
  8. 8.
    DIN EN ISO 8253‑1 (2011) Akustik – Audiometrische Prüfverfahren – Teil 1: Grundlegende Verfahren der Luft- und Knochenleitungs-Schwellenaudiometrie mit reinen Tönen. Beuth Verlag BerlinGoogle Scholar
  9. 9.
    DIN EN ISO 8253‑2 (2010) Akustik – Audiometrische Prüfverfahren – Teil 2: Schallfeld-Audiometrie mit reinen Tönen und schmalbandigen Prüfsignalen. Beuth Verlag BerlinGoogle Scholar
  10. 10.
    DIN EN ISO 8253‑3 (2012) Akustik – Audiometrische Prüfverfahren – Teil 3: Sprachaudiometrie. Beuth Verlag BerlinGoogle Scholar
  11. 11.
    Döring W, Hamacher V (1992) Neue Sprachverständlichkeitstests in der Klinik: Aachener Logatomtest und Dreinsilber im Störschall. In: Kollmeier B (Hrsg) Moderne Verfahren der Sprachaudiometrie, Bd. 1. Median-Verlag von Killisch-Horn, Heidelberg, S 137–168Google Scholar
  12. 12.
    Dreschler WA, Verschuure H, Ludvigsen C, Westermann S (2001) ICRA noises: artificial noise signals with speech-like spectral and temporal properties for hearing instrument assessment. International Collegium for Rehabilitative Audiology. Audiology 40(3):148–157CrossRefPubMedGoogle Scholar
  13. 13.
    Exter M, Winkler A, Holube I (2016) Phonemische Ausgewogenheit des Freiburger Einsilbtests. HNO 64(8):557–563.  https://doi.org/10.1007/s00106-016-0185-z CrossRefPubMedGoogle Scholar
  14. 14.
    Gemeinsamer Bundesausschuss (2016) Tragende Gründe zum Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Hilfsmittelrichtlinie: Freiburger Einsilbertest im Störschall. https://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/2758/. Zugegriffen: 30. Juli 2019Google Scholar
  15. 15.
    Hahlbrock KH (1953) Über Sprachaudiometrie und neue Wörterteste. Arch Ohr- Usw Heilk U Z Hals- Usw Heilk (162):394–431Google Scholar
  16. 16.
    Hilfsmittelrichtlinie (2018) Richtlinie des gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Hilfsmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung. https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1666/HilfsM-RL_2018-07-19_iK-2018-10-03.pdf. Zugegriffen: 13. Dez. 2018Google Scholar
  17. 17.
    HörTech gGmbH. http://www.hoertech.de. Zugegriffen: 06. Okt. 2015
  18. 18.
    ITU Recommendation G.227 (1993) Conventional telephone signal. https://www.itu.int/rec/T-REC-G.227-198811-I/en. Zugegriffen: 12. Apr. 2016Google Scholar
  19. 19.
    Kollmeier B, Wesselkamp M (1997) Development and evaluation of a German sentence test for objective and subjective speech intelligibility assessment. J Acoust Soc Am 102(4):2412.  https://doi.org/10.1121/1.419624 CrossRefPubMedGoogle Scholar
  20. 20.
    Mallinger E (2011) Trainingseffekte und Listenäquivalenz des Freiburger Einsilbertests im Störschall. Dissertation. Friedrich-Alexander-Universität. https://d-nb.info/1015782426/34. Zugegriffen: 14.05.2018
  21. 21.
    Memmeler T, Schönweiler R, Wollenberg B, Löhler J (2018) Die adaptive Messung des Freiburger Einsilbertests im Störschall. Entwicklung einer Messmethode und Vergleich der Ergebnisse mit dem Oldenburger Satztest (The adaptive Freiburg monosyllabic test in noise : Development of a procedure and comparison of the results with the Oldenburg sentence test). HNO.  https://doi.org/10.1007/s00106-018-0597-z CrossRefGoogle Scholar
  22. 22.
    von Wedel H (1986) Untersuchungen zum Freiburger Sprachtest – Vergleichbarkeit der Gruppen im Hinblick auf Diagnose und Rehabilitation (Hörgeräteanpassung und Hörtraining). Audiol Akust (2):60–73Google Scholar
  23. 23.
    Wagener KC, Brand T (2005) Sentence intelligibility in noise for listeners with normal hearing and hearing impairment. Influence of measurement procedure and masking parameters La inteligibilidad de frases en silencio para sujetos con audición normal y con hipoacusia: la influencia del procedimiento de medición y de los parámetros de enmascaramiento. Int J Audiol 44(3):144–156.  https://doi.org/10.1080/14992020500057517 CrossRefPubMedGoogle Scholar
  24. 24.
    Wagener KC, Brand T, Kollmeier B (1999) Entwicklung und Evaluation eines Satztests für die deutsche Sprache II: Optimierung des Oldenburger Satztests. Z Audiol 38(2):44–56Google Scholar
  25. 25.
    Wagener KC, Brand T, Kollmeier B (1999) Entwicklung und Evaluation eines Satztests für die deutsche Sprache III: Evaluation des Oldenburger Satztests. Z Audiol 38(3):86–95Google Scholar
  26. 26.
    Wagener KC, Kühnel V, Kollmeier B (1999) Entwicklung und Evaluation eines Satztests für die deutsche Sprache I: Design des Oldenburger Satztests. Z Audiol 38(1):4–15Google Scholar
  27. 27.
    Wesselkamp M, Kliem K, Kollmeier B (1992) Erstellung eines optimierten Satztests in deutscher Sprache. In: Kollmeier B (Hrsg) Moderne Verfahren der Sprachaudiometrie, Bd. 1. Median-Verlag von Killisch-Horn, Heidelberg, S 330–343Google Scholar
  28. 28.
    Winkler A, Holube I (2014) Was wissen wir über den Freiburger Sprachtest? Z Audiol 53(4):146–154Google Scholar
  29. 29.
    Winkler A, Holube I (2016) Der Freiburger Einsilbertest und die Norm DIN EN ISO 8253-3: Technische Analyse. Z Audiol 55(3):106–113Google Scholar
  30. 30.
    Winkler A, Holube I (2016) Test-Retest-Reliabilität des Freiburger Einsilbertests. HNO 64(8):564–571. 10.1007/s00106-016-0166-2CrossRefPubMedGoogle Scholar
  31. 31.
    Winkler A, Holube I (2018) Einfluss des Störgeräuschs auf das Sprachverstehen von Einsilbern. Zeitschrift Für Audiol 57(4):138–147.  https://doi.org/10.4126/FRL01-006412917 CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Hörtechnik und AudiologieJade Hochschule und Exzellenzcluster „Hearing4All“OldenburgDeutschland
  2. 2.Deutsches Hörgeräte Institut GmbHLübeckDeutschland

Personalised recommendations