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Virusinfektionen der Haut

Viral infections of the skin

An Erratum to this article was published on 22 June 2022

This article has been updated

Die Dermatologie, in der Vergangenheit von anderen Disziplinen oftmals als „kortisonlastiges Nischenfach“ belächelt, hat sich in den letzten 2 Dekaden zu einem Innovationsmotor der gesamten Medizin entwickelt. Beispiele dafür sind die primär für das Melanom entwickelten modernen Immuntherapien, die die Onkologie revolutioniert haben, oder die stetig wachsende Anzahl an Behandlungsoptionen der Psoriasis wie die Biologika, die sich auch bei verschiedenen chronisch entzündlichen Erkrankungen in anderen Fächern als hochwirksam erwiesen haben.

Trotz dieser Innovationen hat uns die aktuell noch anhaltende Corona-Pandemie den hohen Stellenwert der Infektiologie vor Augen geführt, und noch nie war das Thema Virusinfektionen in der breiten Bevölkerung so präsent und bedeutsam wie in den letzten 2 Jahren – und das, obwohl Viren eigentlich ein integraler Bestandteil unseres Lebens sind. Viren sind zu etwa 9 % in unser Genom integriert, hier v. a. Vorfahren des Borna‑, Ebola- und Marburg-Virus. Sie machen etwa 10 % unseres Mikrobioms aus, und ein großer Teil der auf der Erde vorkommenden Viren (vermutlich mehr als 1,5 Mio. Viren) sind bis dato noch unentdeckt. Diese noch unbeschriebenen Viren könnten in Zukunft auch relevant bei Menschen werden. Obwohl die überwiegende Anzahl viraler Infektionen des Menschen keine oder nur leichte Symptome bei den erkrankten Betroffenen auslöst, können Virusinfektionen uns aber im Rahmen von Pandemien millionenfach töten. So führten im 20. Jahrhundert Erkrankungen wie die Pocken (ca. 400 Mio.), Masern (ca. 97 Mio.), Influenza (ca. 50 Mio.) oder HIV (ca. 35 Mio.) weltweit zu hohen Todeszahlen.

In kaum einem Fachbereich der Medizin spielen Virusinfektionen eine so große Rolle wie in der Dermatologie. Aus diesem Grund hat die Zeitschrift Der Hautarzt – wie zuletzt im Jahr 2017 – erneut ein Leitthemenheft den „Virusinfektionen der Haut“ gewidmet. In insgesamt 6 durch ausgewiesene Experten verfassten Leitthemenartikeln werden aktuelle Aspekte von für die Dermatologen relevanten Virusinfektionen beschrieben. Die Beiträge im vorliegenden Themenheft sind aber kein einfaches Update zur Ausgabe von 2017. Neue Erkenntnisse aus der Virologie haben in den letzten Jahren in der Dermatologie zum Teil ein vollständiges Umdenken erfordert.

In kaum einem Fachbereich der Medizin spielen Virusinfektionen eine so große Rolle wie in der Dermatologie

So lernen wir aus dem Beitrag von Hasche und Akgül Neues zur Rolle von HPV bei epithelialem Hautkrebs. Es existieren deutliche Unterschiede in der Bewältigung der HPV-Infektion in Abhängigkeit vom Immunstatus des Wirts, und man hat erste Erklärungen, warum trotz vermutetem Zusammenhang in der Tumorentstehung oft kein Virusgenom im soliden Tumor mehr nachweisbar ist.

In dem Review-Artikel von Silling et al. werden die derzeitig 15 bekannten humanen Polyomaviren beschrieben, und auf Hautveränderungen durch Polyomaviren wird eingegangen. Neben Merkel-Zell-Polyomavirus und Trichodysplasia-spinulosa-assoziiertem Polyomavirus wurden bisher nur 2 weitere Polyomaviren (HPyV6 und HpyV7) als mögliche Auslöser von Hautveränderungen (epitheliale Proliferation und pruritische dyskeratotische Dermatitis) beschrieben.

Der Beitrag von Reinhart et al. zu Hautveränderungen bei COVID-19 ist aufgrund der immer noch anhaltenden Pandemie weiterhin hochaktuell und fasst den aktuellen Stand der häufigen und weniger häufigen Hautveränderung nach Infektion mit SARS-CoV‑2 sowie impfassoziierte Erkrankungen an der Haut nach COVID-19-Vakzinierung für den klinischen Alltag zusammen.

Herpes zoster gehört sowohl in der ambulanten als auch stationären Dermatologie zu den häufigsten virusinduzierten Hauterkrankungen. Die Zoster-Inzidenzen sind insbesondere bei Menschen höheren Alters stetig steigend. In dem Leitthemenbeitrag von Werner und Ghoreschi werden relevante Aspekte zur Prävention, Diagnostik und Behandlung des Herpes zoster dargestellt.

Die Beiträge zu exanthematischen Viruserkrankungen bei Kindern von Tantcheva-Poór und Virusinfektion nach Fernreisen von Bopp et al. geben zuletzt eine moderne und alltagstaugliche Übersicht über die häufigsten und häufiger werdenden viral bedingten Dermatosen bei diesen Patientengruppen.

Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre und hoffen, mit dem vorliegenden Leitthemenheft ein umfassendes Update über relevante Virusinfektionen der Haut im klinischen Alltag bieten zu können.

Mit besten kollegialen Grüßen

Alexander Kreuter

Esther von Stebut

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A. Kreuter und E. von Stebut geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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The original online version of this article was revised: In diesem Artikel wurde der Name der Autorin Esther von Stebut als Esther von Stebut-Borschitz angegeben.

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Kreuter, A., von Stebut, E. Virusinfektionen der Haut. Hautarzt 73, 415–416 (2022). https://doi.org/10.1007/s00105-022-05002-8

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