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Allergen-Immuntherapie

Allergen-specific immunotherapy

110 – 35 – 1 – auf diese Formel lässt sich das aktuelle Jubiläum der Allergen-Immuntherapie (AIT), auch als spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung bezeichnet, bringen. Vor 110 Jahren berichtete Noon erstmals über den Erfolg eines neuen Verfahrens, der subkutanen Injektion von Gräserpollenextrakt, zur Behandlung der Pollenallergie [1]. Die sublinguale Therapie wurde 1986 (vor 35 Jahren) von Scadding und Brostoff zur Behandlung der Hausstaubmilbenallergie aus der Taufe gehoben [2], und vor einem Jahr hat sich der jüngste Spross zur Familie der zugelassenen Applikationsformen der AIT hinzugesellt, die orale Immuntherapie zur Anwendung bei Erdnussallergie [3]. Diese Zahlenkombination beschreibt somit in kurzer, prägnanter Form die Erfolgsgeschichte eines Verfahrens, das in seiner Anwendung simpel und komplex zugleich ist. Simpel, weil es dem einfachen Prinzip folgt, eine allergische Überempfindlichkeit durch repetitive längerfristige Gaben der auslösenden Substanz wieder in eine Toleranz zu überführen. Komplex, weil die hierfür verantwortlichen Immunmechanismen verschiedene humorale und zelluläre Parameter umfassen, deren Zusammenspiel bei der Wiederherstellung von Toleranz immer noch nicht umfassend verstanden ist.

“Die Allergen-Immuntherapie ist in ihrer Anwendung simpel und komplex zugleich”

So „alt“ auch der Grundgedanke der AIT ist, so viel Neues haben wir gerade in den letzten Jahren dazulernen dürfen. Das hier vorliegende Leitthemenheft befasst sich mit diesen neuen Entwicklungen und Erkenntnissen in mehreren Beiträgen zu ganz unterschiedlichen Aspekten. So widmen sich Mortasawi und Pfützner typischen und häufig gestellten Fragen zum klinischen Einsatz der AIT aus dem Praxisalltag. Denn so einfach auch die Durchführung der AIT erscheint, so können erste „Stolpersteine“ doch bereits bei der Indikationsstellung auftreten, wenn es um die Einschätzung möglicher Risiken und Gefährdungen für die Behandelten geht. Ebenso wird hier aber auch das Vorgehen bei Komplikationen oder die Frage nach Interaktionen mit möglichen Komedikationen diskutiert.

Ein Bereich, der sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt hat und dabei auch sehr relevante Implikationen für den Einsatz der AIT aufweist, ist die molekulare Ig(Immunglobulin)E-Diagnostik. Pickert und Kleine-Tebbe nehmen dies zum Anlass, diesen wichtigen diagnostischen Baustein und seine klinische Bedeutung für die verschiedenen Indikationsgebiete der AIT, die Pollen‑, Hausstaubmilben- und Insektengiftallergie, ausführlich zu erläutern und anhand praktischer Beispiele anschaulich darzustellen.

Aktuelle Entwicklungen präsentieren und dabei auch schon einen Blick in die Zukunft werfen – das ist das Anliegen der anderen 2 Beiträge zum Thema. So gehen Treudler und Simon in ihrem Beitrag auf ein besonderes Anliegen der AIT ein – der Toleranzinduktion bei Nahrungsmittelallergikern, die im Vergleich zu den anderen Allergikergruppen immer noch auf die oft sehr schwierige und unsichere Meidung der auslösenden Allergene in ihrer täglichen Ernährung achten müssen. Mit der seit letztem Jahr zugelassenen oralen Immuntherapie bei Erdnussallergie existiert nun ein erstes zugelassenes AIT-Verfahren für Betroffene. Aber es ist einiges mehr in der „Pipeline“, wie dieser Beitrag eindrucksvoll zeigt.

Abschließend führt Pfützner aus, welche neuen Applikationsformen in der Erprobung sind, um die AIT effizienter bzw. sicherer zu machen. Hier sind bereits einige vielversprechende und interessante klinische Studien in der Durchführung, und es bleibt spannend zu sehen, was als Nächstes möglicherweise als zugelassene Applikation das therapeutische Instrumentarium der AIT bereichert. An diesen Beispielen wird deutlich, dass innovative Ansätze diese „altgediente“ Therapieform weiterentwickeln helfen und neue Anwendungsoptionen ermöglichen – beispielsweise auch nicht nur als therapeutische Maßnahme, sondern im Sinne einer präventiven Nutzung [4]. Es lohnt sich daher, in dieser Thematik gut über den aktuellen Stand informiert zu sein und mal über den Tellerrand hinauszuschauen, wobei Ihnen diese „Jubiläumsausgabe“ eine Hilfestellung sein möchte.

Viel Spaß beim Lesen und Entdecken wünschen Ihnen

Prof. Dr. R. Treudler,

Prof. Dr. W. Pfützner

Literatur

  1. 1.

    Noon L (1911) Prophylactic inoculation against hayfever. Lancet 1:1572

    Article  Google Scholar 

  2. 2.

    Scadding GK, Brostoff J (1986) Low dose sublingual therapy in patients with allergic rhinitis due to house dust mite. Clin Allergy 16:483–491

    CAS  Article  Google Scholar 

  3. 3.

    https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-approves-first-drug-treatment-peanut-allergy-children. Zugegriffen: 4. Aug. 2021

  4. 4.

    Tuleva I, Kratzer B, Campana R et al (2020) Preventive allergen-specific vaccination against allergy: mission impossible? Front Immunol 11:1368

    Article  Google Scholar 

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Treudler, R., Pfützner, W. Allergen-Immuntherapie. Hautarzt 72, 749–750 (2021). https://doi.org/10.1007/s00105-021-04874-6

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