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Antinukleäre Antikörper

Praktische Empfehlungen zur Diagnostik durch den Dermatologen

Antinuclear antibodies

Practical diagnostic recommendations for dermatologists

Zusammenfassung

Antinukleäre Antikörper (ANA) sind ein typischer Laborbefund bei systemischen Autoimmunerkrankungen. Bei konkretem Verdacht auf diese Erkrankungen ist die Bestimmung der ANA sowohl diagnostisch als auch prognostisch wichtig. In der Praxis werden ANA allerdings oft aufgrund unspezifischer Symptome bestimmt, sodass die Interpretation eines positiven ANA-Nachweises häufig zu Problemen führt. Hier kann es zu Fehleinschätzungen mit schwerwiegenden Folgen für die Patienten kommen. Viele Kollagenosen manifestieren sich früh an der Haut. Entsprechende Patienten wenden sich daher entweder direkt an den Hautarzt oder werden von hausärztlichen oder rheumatologischen Kollegen zur dermatologischen Mitbeurteilung vorgestellt. Kenntnisse der ANA-Labordiagnostik sind aus diesem Grund für den Dermatologen wichtig. Daher werden in diesem Überblick grundlegende Prinzipien der Autoantikörperdiagnostik, Interpretationshilfen und aktuelle Neuerungen in der Diagnostik aus dermatologischer Perspektive zusammengefasst.

Abstract

Antinuclear antibodies (ANA) are a common diagnostic finding in patients with systemic autoimmune diseases. In patients with typical clinical symptoms, the determination of ANA is of both diagnostic and prognostic importance. However, if ANA were determined due to unspecific symptoms, the interpretation of ANA findings can be problematic. In these cases, misjudgements with severe consequences for the patients are possible. Many systemic autoimmune diseases have prominent early skin involvement and the dermatologist can be the first physician that such a patient sees. Therefore, knowledge of ANA diagnostics is important for dermatologists. Basic principles of autoantibody diagnostics, guidance for the interpretation of laboratory results and new developments are discussed in this overview.

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Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3
Abb. 4

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Correspondence to Jan Ehrchen.

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Interessenkonflikt

Gemäß den Richtlinien des Springer Medizin Verlags werden Autoren und Wissenschaftliche Leitung im Rahmen der Manuskripterstellung und Manuskriptfreigabe aufgefordert, eine vollständige Erklärung zu ihren finanziellen und nichtfinanziellen Interessen abzugeben.

Autoren

B. Santler: A. Finanzielle Interessen: B. Santler gibt an, dass kein finanzieller Interessenkonflikt besteht. – B. Nichtfinanzielle Interessen: Angestellte Assistenzärztin für Dermatologie, Hautklinik der Universitätsklinik Münster, Von-Esmarch-Straße 58, 48149 Münster. J. Ehrchen: A. Finanzielle Interessen: J. Ehrchen gibt an, dass kein finanzieller Interessenkonflikt besteht. – B. Nichtfinanzielle Interessen: Oberarzt, Dermatologie, Hautklinik der Universitätsklinik Münster, Von-Esmarch-Straße 58, 48149 Münster.

Wissenschaftliche Leitung

Die vollständige Erklärung zum Interessenkonflikt der Wissenschaftlichen Leitung finden Sie am Kurs der zertifizierten Fortbildung auf www.springermedizin.de/cme.

Der Verlag

erklärt, dass für die Publikation dieser CME-Fortbildung keine Sponsorengelder an den Verlag fließen.

Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien. Für Bildmaterial oder anderweitige Angaben innerhalb des Manuskripts, über die Patienten zu identifizieren sind, liegt von ihnen und/oder ihren gesetzlichen Vertretern eine schriftliche Einwilligung vor.

Additional information

Wissenschaftliche Leitung

E. Gaffal, Magdeburg

S. Ständer, Münster

R.-M. Szeimies, Recklinghausen

A. Zink, München

CME-Fragebogen

CME-Fragebogen

Bei welchem Prozentsatz der gesunden Bevölkerung kommt ein ANA(antinukleäre Antikörper)-IFT(Immunfluoreszenztest)-Titer von 1:160 vor?

1 %

5 %

13 %

20 %

25 %

Bei welcher Erkrankung, abgesehen von Kollagenosen, sind erhöhte ANA(antinukleäre Antikörper)-IFT(Immunfluoreszenztest)-Titer beschrieben?

Basalzellkarzinome

Chronisch venöse Insuffizienz

Rosazea

Tinea corporis

Androgenetische Alopezie

Bei welcher Verdachtsdiagnose sollte man auch unabhängig vom ANA(antinukleäre Antikörper)-IFT(Immunfluoreszenztest)-Befund immer auf spezifische Antikörper testen?

Dermatomyositis

Systemischer Lupus erythematodes

Systemische Sklerose

Raynaud-Phänomen

Sjögren-Syndrom

Bei welchem spezifischen Autoantikörper lässt die Titerhöhe Rückschlüsse auf die Krankheitsaktivität zu?

Anti-Ro

Anti-Sm

Anti-Scl70

Anti-dsDNS

Anti-CENP‑B

Eine 21-jährige Patientin stellt sich in Ihrer Praxis mit Hautveränderungen vor, wie sie typischerweise beim kutanen Lupus erythematodes zu finden sind. Eine Histologie bestätigt die Diagnose, und Sie bestimmen die ANA(antinukleäre Antikörper)-Werte. Hier zeigten sich ein ANA-IFT(Immunfluoreszenztest)-Titer von 1:320 mit AC-4-Muster (feingesprenkelt) sowie ein positiver Nachweis von Anti-Ro- und Anti-La-Antikörpern. Worüber müssen Sie die Patientin unbedingt informieren?

Es besteht ein sehr hohes Risiko für die Entwicklung eines systemischen Lupus erythematodes.

Die Höhe des ANA-IFT-Titers hat eine hohe prognostische Bedeutung für die Patientin.

Im Falle einer Schwangerschaft sollte das Risiko eines fetalen AV-Blocks beachtet werden.

Die Wahrscheinlichkeit einer ZNS(Zentralnervensystem)-Beteiligung ist aufgrund des Antikörperprofils erhöht.

Das Risiko, an Infektionskrankheiten zu erkranken, ist bei der Patientin erhöht.

Eine 33-jährige Patientin mit Raynaud-Phänomen stellt sich in Ihrer Sprechstunde vor. Sie macht sich Sorgen, da eine Bekannte von ihr an systemischer Sklerose erkrankt ist. Andere Symptome bestehen keine, abgesehen von häufiger Müdigkeit. Was ist Ihr erster Schritt?

ANA(antinukleäre Antikörper)-IFT(Immunfluoreszenztest)-Titer, Nagelfalzkapillarmikroskopie und komplette Durchuntersuchung inklusive Sonographie des Abdomens, Röntgen des Thorax, Echokardiographie und Lungenfunktion

Blutbild, Leber- und Nierenwerte, ANA(antinukleäre Antikörper)-IFT(Immunfluoreszenztest)-Titer

Rheumatologische Vorstellung

Sie beruhigen die Patientin, weitere Diagnostik ist nicht notwendig.

ANA(antinukleäre Antikörper)-IFT(Immunfluoreszenztest)-Titer bestimmen und Beurteilung der Nagelfalzkapillaren

Einer Ihrer Patienten, ein 50-jähriger Mann, leidet unter einem Raynaud-Phänomen. Im Labor zeigt sich ein erhöhter ANA(antinukleäre Antikörper)-IFT(Immunfluoreszenztest)-Titer ohne Nachweis spezifischer Autoantikörper, die Nagelfalzkapillaren sind normal konfiguriert. Andere Symptome bestehen nicht. Was erklären Sie dem Patienten bezüglich seiner Prognose?

Es besteht ein sehr gering erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer systemischen Sklerose.

Das Risiko für die Entwicklung einer systemischen Sklerose ist so hoch wie bei der Normalbevölkerung.

Es besteht ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Kollagenose, der ANA-Titer sollte etwa halbjährlich kontrolliert werden.

Es liegt bereits eine Kollagenose vor, eine Therapie sollte eingeleitet werden.

Es besteht ein erhöhtes Risiko, einen systemischen Lupus erythematodes zu entwickeln.

Bei welcher der folgenden Symptom- bzw. Krankheitskonstellationen ist die Bestimmung des ANA(antinukleäre Antikörper)-Titers sinnvoll?

Chronische Müdigkeit, atopische Dermatitis

Vitiligo, Hashimoto-Thyreoiditis, Gelenkbeschwerden

Erytheme im Gesicht und Dekolleté, Gottron-Papeln an den Fingerstreckseiten, subjektive Myalgien

Erythematöse Papel und Pusteln an den Wangen, subjektiv erhöhte Infektanfälligkeit

Häufiges Kältegefühl der Hände, anamnestische „Sonnenallergie“ (Exanthem direkt nach Sonnenkontakt)

Welcher Antikörper geht mit einem erhöhten Risiko für eine Nierenbeteiligung bei systemischem Lupus erythematodes einher?

Anti-La

Anti-Ro

Anti-TIF1‑γ

Anti-Mi2

Anti-Sm

Ein 43-jähriger Mann stellt sich in Ihrer Praxis vor, da er seit vielen Jahren an Haarausfall leidet. Unter anderem wurde im Vorfeld der ANA(antinukleäre Antikörper)-IFT(Immunfluoreszenztest)-Titer bestimmt, hier zeigten sich ein Titer von 1:320, das Fluoreszenzmuster AC‑2 sowie der Nachweis von DFS70-Antikörpern. Andere Symptome oder Hautläsionen bestehen nicht. Was erklären Sie dem Patienten?

Es besteht kein Hinweis für eine Kollagenose, der ANA-Titer sollte jedoch alle 6 Monate kontrolliert werden.

Der Patient hat ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Kollagenose, insofern sollte eine Durchuntersuchung inklusive Echokardiographie, Lungenfunktion und CT (Computertomographie) von Thorax/Abdomen erfolgen.

Sie beruhigen den Patienten, da bei ihm kein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Kollagenose vorliegt.

Das Risiko für die Entwicklung einer systemischen Kollagenose ist nicht erhöht, jedoch das Risiko für die Entwicklung eines kutanen Lupus erythematodes.

Es besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Kollagenose, sodass Sie vierteljährliche klinische Kontrollen empfehlen.

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Santler, B., Ehrchen, J. Antinukleäre Antikörper. Hautarzt 72, 71–80 (2021). https://doi.org/10.1007/s00105-020-04740-x

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  • DOI: https://doi.org/10.1007/s00105-020-04740-x

Schlüsselwörter

  • Systemischer Lupus erythematodes
  • Systemische Sklerose
  • Dermatomyositis
  • Labordiagnostik
  • Systemische Autoimmunerkrankung

Keywords

  • Systemic lupus erythematodes
  • Systemic sclerosis
  • Dermatomyositis
  • Laboratory diagnostics
  • Systemic autoimmune diseases